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Finissage der Trevor-Paglen-Ausstellung mit Vinyl und Blech

Artikel vom 24.08.2010 - 18.30 Uhr

Finissage der Trevor-Paglen-Ausstellung mit Vinyl und Blech

Galaktisches Rauschen legt sich leise auf die sommerliche Schwüle. Das pulsierende Leben der Stadt scheint fern in dem klaren hellen Raum. Hinter schwarzen Schallplatten hat sich Claus van Bebber verschanzt, eine Posaune steht noch verloren daneben. »Vinyl und Blech« nannte sich das musikalische Ereignis, das die Finissage der Trevor-Paglen-Ausstellung in der Kunsthalle einleitete.
Während DJ Claus van Bebber (links) bei der Finissage an den Reglern sitzt und mit seinen Vinylplatten mystisch-rhythmische Klän
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Während DJ Claus van Bebber (links) bei der Finissage an den Reglern sitzt und mit seinen Vinylplatten mystisch-rhythmische Klänge produziert, entlockt Paul Hubweber seiner Posaune vibrierendes Knattern. (Foto: dw)
Sachte breiten sich die Klänge aus, ein Quietschen ertönt - Paul Hubweber entlockt seiner Posaune vibrierendes Knattern. Metall knirscht auf Metall, scheinbar endlos wiederholt sich der schrille Schrei der Posaune. Wellenförmig wabern die Rhythmen des Blechinstruments. Während dunkle Welten akustisch spürbar werden, fällt der Blick auf Lichtkreise, die sich um eine imaginäre Mitte drehen. Außerirdisch schön und doch von Menschenhand gemacht, streng geheim gehalten, weil von fraglichem, militärischem Nutzen.

Trevor Paglen, Geograf und Konzeptkünstler, hat auf den großformatigen Bildern »weiße Flecken« fotografiert - vom amerikanischen Militär und Geheimdienst unter Verschluss gehaltene Orte, auf der Erde wie im Weltall. Von Schnarren, Zwitschern und Knurren, tiefem Raunen, hohem Kreischen aus Posaune und Plattenspieler werden sie nun von Hubweber und van Bebber umrahmt.

Abwegige Laute aus der Posaune

Rotorblätter eines Hubschraubers scheinen zu flattern. Urwaldgeräusche oder menschengemachtes Maschinengeschepper? Mit energetischer Spannung entlockt Hebewerk seiner Posaune die abwegigsten Laute: Er dämpft sie mit Gummi, haucht ins Mundstück, saugt die Töne heraus, verfremdet sie technisch. Monotonie gewinnt Überhand - die wie (Schall-)Wellen durch den Raum wogen.

Pulsierendes Rauschen verzerrter Töne erklingt aus Platten mit Aufschriften wie »Orgel« oder »Punk«. Mit drei 60er-Jahre-Plattenspielern und dem Synthesizer bearbeitet van Bebber den Vinylklang und schafft elektronisch, mystisch-rhythmische Räumlichkeit. Unheimlich und geheimnisvoll sind die Klänge, die durch Raum und Zeit tragen. Wie Gänsehaut legen sie sich auf die gut 20 Besucher. Im Blick ein Sternenhimmel: Hell leuchten einzelne Punkte. Nicht paradiesisch ist diese Schönheit - denn am hellsten leuchten die Satelliten sowjetischer oder amerikanischer Herkunft.

Die Posaune verstummt, der Künstler geht, das Rauschen ebbt ab, das Publikum kehrt zurück von einer akustischen und optischen Reise in ferne Galaxien und naheliegende Geheimnisse. Paglens Bilder haben mit dem Konzert von Hubweber und van Bebber eine perfekte musikalische Umsetzung gefunden. Doris Wirkner

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Artikel vom 24.08.2010 - 18.30 Uhr
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