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Erzieher, Journalist und einfühlender Historiker

Artikel vom 03.02.2009 - 23.21 Uhr

Erzieher, Journalist und einfühlender Historiker

Johann Philipp Dieffenbach (1786-1860) gilt als Vater der Friedberger Geschichtsforschung, und tatsächlich war er weitgehend auf sich alleine gestellt, als er 1818 in die Kreisstadt kam und mit seinen historischen Forschungen begann. Dieffenbach legte den Grundstein für die Lokalgeschichtsschreibung.
Johann Philipp Dieffenbach (1786-1860) gilt als Vater der Friedberger Geschichtsforschung.
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Johann Philipp Dieffenbach (1786-1860) gilt als Vater der Friedberger Geschichtsforschung.
Die Schriftleitung des »Intelligenzblattes«, die er in den ersten drei Jahren übernahm, wie auch die vielen Aufsätze, die er als Mitarbeiter dieser neuen Zeitung bis 1842 schrieb, nutzte er dazu, seine Forschungen einem größeren Publikum zu präsentieren. Es waren Vorarbeiten für seine zwei Hauptwerke: die »Urgeschichte der Wetterau« (1843) und die »Geschichte der Stadt und Burg Friedberg« (1857).

Als Prinzenerzieher in Darmstadt

Geboren in Dietzenbach, studierte Dieffenbach in Gießen Theologie und gründete in Krefeld eine Privatschule. Dort übernahm er auch die Schriftleitung eines Wochenblattes. 1811 gründete er in Gießen eine Mädchenschule und wurde ein Jahr später als Prinzenerzieher des späteren Großherzogs Ludwig III. nach Darmstadt berufen. Nach einem weiteren Aufenthalt in Gießen, wo er als außerordentlicher Professor für Geschichte wirkte, wurde ihm 1818 das Rektorat der Augustinerschule in Friedberg übertragen. »Er bildete bald den geistigen Mittelpunkt der Stadt«, heißt es in einer Festschrift aus dem Jahr 1934. Nicht nur als Lehrer, sondern auch als Schriftleiter des »Intelligenzblattes« wollte Dieffenbach seine Leser bilden, ihnen Wissen vermitteln und sie - auf unterhaltsame Weise - erziehen.

Seine Aufsätze prägten das Erscheinungsbild des »Intelligenzblattes«. Sie stützen sich auf den damals aktuellen Stand der Forschung, sind lebendig und anschaulich geschrieben. Einige Titel, die ihm zugeschrieben werden (die meisten sind ohne Autorenangabe erschienen), lauten: »Wie weit erstreckt sich denn eigentlich die Wetterau?«, »Alterthümer zu Friedberg«, »Der Kirchenbau zu Rodheim«, »Alte Thürme in der Wetterau«, »Alte Wetterauer Hochzeitsbräuche«, »Dr. Erasmus Alberus, Pfarrer zu Staden« und »Wie es vor 50 Jahren in der Wetterau aussah«. Seit Oktober 1834 erschien außerdem die Reihe »Ortsgeschichte in der Wetterau«, in der Dieffenbach unter anderem über Büdingen, Vilbel, Ossenheim, Ober-Rosbach und Steinfurth schrieb.

In einer Fußnote der ersten Folge (über Altenstadt) bittet er »alle diejenigen Männer, welche im Besitze von Materialien für die Ortsgeschichte der Wetterau sind, uns mit Beiträgen zu unterstützen, insbesondere aber uns zu berichtigen, falls Unrichtigkeiten oder Irrthümer untergelaufen seyn sollten«. Solche Aufrufe zur Mitarbeit an der Erforschung der Heimatgeschichte begegnen in seinen Aufsätzen öfter - ob Dieffenbach den Namen eines Autors nennt und damit den Wunsch verbindet, dass »er für andere denkende Männer Veranlassung zu ähnlichen Mittheilungen werden möchte« oder ob er am Ende des zweiteiligen Aufsatzes »Die Schicksale der St.-Catharinen-Capelle zu Friedberg« den Lesern mitteilt, er habe es bei der Suche nach dem Standort des Hauses »zur Stadt Strasburg« »zwar an den nöthigen Erkundigungen nicht mangeln lassen, bis jetzt aber noch zu keinem Resultate gelangen können. Vielleicht möchten die Häuser-Besitzer an der Nähe der Freiheit aus älteren Kaufbriefen wohl finden, welches Haus ›zur Stadt Strasburg‹ genannt wurde.« Dieffenbach wollte die Lücken in der lokalhistorischen Überlieferung mithilfe seiner Leser schließen.

Historische Quellen und eigenes Erleben

Am 18. Januar 1834 erschien im »Intelligenzblatt« der Aufsatz »Die Sternbacher Capelle«. Ein nicht ganz zwei Druckspalten (eine Seite) füllender Text, der beispielhaft Dieffenbachs Arbeitsweise zeigt. Es ist, zusammenfassend gesagt, ein einfühlendes Forschen, das sich gleichermaßen auf historische Quellen wie auf eigenes Erleben und Erkunden stützt. »Sternbach ist eines von den vielen Dörfern der Wetterau, die wegen mancherlei Schicksale untergegangen sind«, schreibt Dieffenbach und zitiert zunächst vorhandene Urkunden. Demnach vermachte der Ritter Heinrich von Wickstadt im Jahr 1231 seine Besitzungen zu Wickstadt und Sternbach dem Kloster Arnsburg. In einer zweiten Urkunde wird »Pfarrer Rudolph von Sternbach (Sterrenbach)« genannt; eine Mauer sollte damals um den Pfarrkirchhof errichtet werden, und Dieffenbach merkt an, dass von ihr noch wenige Trümmer sichtbar seien. Außer einer weiteren Notiz aus dem Jahr 1237, als Heinrich von Wickstadt dem Kloster Arnsburg eine Wiese vermacht, konnte er keine weiteren Dokumente finden, und so macht er sich selbst ein Bild von der Kapelle, wobei ihm sein kunstgeschichtliches Wissen hilfreich ist: »Dies ist es ungefähr, was wir in alten Schriften von Sternbach finden. Noch steht die Kirche in dem Walde eine viertel Stunde von Wickstadt. Es führt ein Weg, wenn wir nicht irren, nach Altenstadt daran vorbei. Der hintere Teil der Kirche rührt seiner Bauart nach aus dem fünfzehnten Jahrhundert.« Am Chor der Kirche findet er eine »mit Speiß verdeckte Inschrift«, die das Jahr 1455 angibt. Eine Bestätigung seiner Einschätzung des Alters.

Mündliche Überlieferung und Wirkung

Ein »nicht ohne Kunst verfertigtes Bildniß von Maria mit Christus« leitet über zur mündlichen Überlieferung, wonach in früheren Zeiten »stark nach dem wunderthätigen Bilde der Mutter Gottes zu Sternbach gewallfahrtet« wurde. Im letzten Absatz widmet sich der einfühlende Historiker der Wirkung des kleinen Gotteshauses auf den Betrachter: »Die Kirche mit dem Häuschen, mitten unter den Bäumen des Waldes, hat in der That nicht nur etwas Anziehendes und wahrhaft Malerisches, sondern sogar etwas Ergreifendes. Dem Wanderer, der an einem schönen Sommermorgen den Wald besucht, welcher von Blumen duftet und von dem melodischen Gesange der Vögel widerhallt, wird es eigen zu Gemüthe, wenn er plötzlich vor diesem Gotteshause sich befindet; unwillkürlich hebt sich das Herz in höheren Schlägen, faltet sich die Hand zum Gebete, und wendet sich der Blick nach oben zum Vater des Lichtes. Kein Wunder, wenn hier Gebete verrichtet werden!« Jürgen Wagner

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Artikel vom 03.02.2009 - 23.21 Uhr
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