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Diebstähle sind »out« - Betrug ist im Kommen

Artikel vom 21.01.2010 - 21.06 Uhr

Diebstähle sind »out« - Betrug ist im Kommen

Vogelsbergkreis (jol). Die osthessischen Kripo-Beamten sind die effektivsten, mit einer Spitzen-Aufklärungsquote von 63,4 % hat das Polizeipräsidium Osthessen und damit auch der Vogelsberg den besten Wert des Landes zu bieten, wie ein entspannter Präsident Eckhard Sauer am Donnerstag in Lauterbach mitteilte. Die Zahl der Gewalttaten blieb 2009 in etwa auf Vorjahresniveau, allerdings sank die Gesamtzahl der Straftaten im Vogelsberg um deutliche 6 % auf 4691.
Aus der Kriminalstatistik Osthessen: Die Zahl der kriminellen Taten geht über zehn Jahre hinweg zurück, mit besserer Ausstattung
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Aus der Kriminalstatistik Osthessen: Die Zahl der kriminellen Taten geht über zehn Jahre hinweg zurück, mit besserer Ausstattung der Polizei stieg die Aufklärungsquote. (Grafik: Polizei Osthessen)
Über einen längeren Zeitraum beobachtet die Polizei eine Verschiebung von Diebstählen hin zu Betrug, dabei immer mehr Betrügereien mithilfe von Computern. Bemerkenswert auch eine Verschiebung der Polizeiarbeit, die am Rande der Kriminalitäts-Pressekonferenz zur Sprache kam: Die Polizei ist seit Jahren viel in Schulen und Kindergärten unterwegs, um präventiv auf Jugendliche einzuwirken. Das erhöht aber auch die Zahl der Anzeigen nach Gewalttaten, weil man eh schon Kontakt zu Polizisten hatte.

Polizeipräsident Sauer wurde bei der Erläuterung der Kriminalstatistik 2009 von Jörg Stein (Polizei Alsfeld), Peter Muth (Polizei Lauterbach) Matthias Wanninger (Kripo Vogelsberg) und Matthias Heim (Öffentlichkeitsarbeit) unterstützt. Bemerkenswert ist die Abnahme der Straftaten, in ganz Osthessen (Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg) um 3,1% auf 23857. Im Vogelsbergkreis verzeichnete man sogar 6% weniger Delikte - ein Teil der Erklärung ist die um 3000 Personen gesunkene Bevölkerung Osthessens. Zudem sind größere Fälle in Vorjahren aufgetreten, die die Statistik aufgebläht haben wie ein Fall von Internetbetrug mit tausenden Geschädigten im Jahre 2008. Jedenfalls hat Osthessen mit 63,4 % die beste Aufklärungsquote des Landes, der Vogelsberg allein liegt etwas niedriger bei immer noch hervorragenden knapp 60%. Die Fallzahlen sind von 2005 mit 5383 auf 4691 (2009) gesunken. Die Zahlen für Osthessen: 25279 (2005) und 23857 (2009). Der Rückgang der Fallzahlen im Vogelsberg resultiert vor allem daraus, dass 2008 ein Sammelverfahren wegen illegal kopierter Filme und Musiktitel mit hunderten von Taten verzeichnet wurde.

Bei der Struktur der Kriminalität gab es eine deutliche Verschiebung von Diebstählen zu Betrugsdelikten, einst machten Diebstähle 60% der Delikte aus, heute sind es nur noch 30%, Betrug kommt inzwischen auf 20,5% der Fälle.

Bei den besonders publicityträchtigen »Straftaten gegen das Leben« wie Mord und Mordversuch gab es 2009 nur vier Fälle, im Jahr zuvor waren es noch neun Fälle. In ganz Osthessen sank die Fallzahl von 29 auf 22 (2009). Bei den Gewalttaten der Kriminalstatistik unter dem Sammelbegriff »Rohheitstaten« ist in Osthessen eine Steigerung um 163 (5,6 %) auf 3052 Fälle festzustellen, im Vogelsberg stieg die Zahl um 9,4% oder 63 Fälle auf 734 Taten. Die Zahl der Körperverletzungen veränderte sich kaum: von 458 (2008) auf 475 (2009). Das ist eigentlich eine gute Nachricht, die von den Beamten so verstanden wird, dass die Gewaltbereitschaft sinkt. Immerhin werden seit einigen Jahren zunehmend Fälle häuslicher Gewalt angezeigt, was eigentlich die Zahlen nach oben treiben müsste. Und eine zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte lasse sich aus den Statistiken ebenfalls nicht herleiten, so Sauer.

Bemerkenswert die Veränderungen bei den Diebstählen: In Osthessen sanken da die Zahlen deutlich, beim einfachen Diebstahl um 197 Fälle (4,1 Prozent) auf 4609 Delikte und die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders beeinträchtigenden schweren Diebstähle (Einbrüche) sogar um 17,91 Prozent (minus 535 Fälle) auf 2455. Im Vogelsberg hingegen stiegen die Zahlen an: Im Jahresvergleich 2008 zu 2009 beim einfachen Diebstahl von 906 auf 991, beim schweren Diebstahl von 442 auf 473. Bei den Einbrüchen geht der Trend hin zu Brüchen in Büros und Läden, dafür bleibt die Zahl der Wohnungseinbrüche auf relativ niedrigem Niveau, 2008 waren es 53, 2009 57 Fälle.

Eine positive Zahl gibt es bei Pkw-Aufbrüchen: Weil immer weniger Gegenstände in Autos liegen, sank die Zahl der Pkw-Brüche auf 63 im Vogelsberg, 2003 hatte man da noch 427 Fälle verzeichnet. Aber inzwischen sind Radios kodiert und Navi-Geräte nicht mehr lukrativ.

Mit dem weiteren Anstieg des Anteils von Vermögens- und Fälschungsdelikten an der Gesamtkriminalität von 26,8 Prozent auf 30 Prozent festigt sich in ganz Osthessen der Trend der letzten Jahre, wonach Eigentumsdelikte stark rückläufig und Betrugsdelikte durch starke Zuwächse gekennzeichnet waren. So nahmen diese Straftaten um 567 Fälle (8,6 Prozent) auf 7165 Delikte zu. Dabei ist betrug per Internet weit unter dem Osthessen-Durchschnitt. Ein Problem waren aber mehrere Phishing-Fälle, bei denen im Bereich Alsfeld Betrügern Kontodaten abfragten - in Rom wurde dann Geld abgehoben. Umfangreiche Kontroll- und Ermittlungsaktivitäten trugen dazu bei, dass mit 1311 Fällen in Osthessen 74 Rauschgiftdelikte mehr (6 Prozent) aufgedeckt wurden als im Vorjahr. Es gab 15 politisch Delikte im Vogelsbergkreis, meist Hakenkreuzschmierereien. Im Vogelsberg wurden 2009 825 Bürgerinnen und Bürger Opfer von Straftaten (32,51 % unter 21 Jahren), davon 190 Opfer von Gewalt (39,5 % unter 21 Jahre). Bei Tätern sind junge Männer ebenfalls überrepräsentiert: Tatverdächtige 2163, davon 19,7 % zwischen 14 und 21 Jahren, bei Gewalt gar 43%. An der Bevölkerung im Vogelsbergkreis haben 14- bis 21-Jährige einen Anteil von 8,2%.

Die hohe Aufklärungsquote erklärte Sauer mit der sehr guten Ausstattung der Polizei, der immer höheren Qualifikation und der guten Kooperation mit der Bevölkerung.

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Artikel vom 21.01.2010 - 21.06 Uhr
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