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Bernhard-Jäger-Retrospektive im Alten Schloss

Artikel vom 03.09.2010 - 18.04 Uhr

Bernhard-Jäger-Retrospektive im Alten Schloss

Noch bis zum 14. November ist im Alten Schloss eine Retrospektive zu 50 Jahren Schaffen des Frankfurter Künstlers Bernhard Jäger zu sehen
Der Künstler vor seinem von ihm entwickelten Zeichen-Alphabet der menschlichen Figuren (2000).	(Fotos: dkl)
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Der Künstler vor seinem von ihm entwickelten Zeichen-Alphabet der menschlichen Figuren (2000). (Fotos: dkl)
Bereits 1984 war Bernhard Jäger mit einer Ausstellung zu Gast im Oberhessischen Museum. Seit Jahren ziert eine seiner Metallskulpturen den Treppenaufgang zum Alten Schloss. Vor 14 Tagen wurden erneut Skulpturen von ihm im öffentlichen Raum aufgestellt, an zwei Ecken zur Nordanlage (Dammstraße und Wetzsteinstraße). Gießen ist nunmehr eine Jäger-Stadt, zumal Museumsdirektor Dr. Friedhelm Häring den 110 Seiten umfassenden Text zum opulenten Bildband zu Bernhard Jägers Lebenswerk geschrieben hat (Huber Verlag, 59 Euro). Die aktuelle Ausstellung im Alten Schloss ist eine Retrospektive zu 50 Jahren künstlerischem Schaffen des Frankfurters, mithin ein prächtiges Geschenk zu seinem 75. Geburtstag. Entsprechend viele Menschen waren zur Vernissage am Donnerstagabend gekommen: Viele Weggefährten, Kollegen, Sammler und Förderer waren dabei. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zeigte sich als Kulturdezernentin erfreut, einen derart geschätzten Künstler in städtischen Räumen begrüßen zu dürfen, und als Kämmerin glücklich, dass es die Stadt Gießen dank zahlreicher Förderer nur wenig gekostet hat. Hausherr Dr. Häring holte zu einer seiner gewohnt unterhaltsamen Einführungsreden aus. Und das alles vor laufender Kamera.

Es sind Menschen und Tiere, aber auch recht merkwürdige Wesen, die da von den Bildern grinsen und glotzen. Auf sie gerichtet ist eine Art künstlerischer Röntgenblick, sie haben alle ein belebtes Innenleben. Jägers Eltern waren Ärztin und Naturwissenschaftler, der analysierende Blick ist ihm offenbar in die Wiege gelegt, so Häring. Bei den frühen Arbeiten der 60er und 70er Jahre erinnert dieses Innenleben noch konkret an Blutgefäße und Darmverschlingungen, dann wird es immer abstrahierter hin zu Linien und Punkten. Jägers bevorzugte Perspektive ist die seitliche, was bei seinen Köpfen stark zum Tragen kommt; die aus den 80er Jahren sind sehr zeitgeistig, erinnern sie doch an Antes’ Köpfe. Für den Frontalblick gibt es die faszinierenden Masken, die überaus schaurige Ansichten anbieten.

Jäger habe ein Leben lang nach neuen Ausdrucksformen gesucht, so Häring, die der studierte Maler und Grafiker auch in anderen Medien fand, unter anderem im Holzschnitt und der Lithographie. Bei seinen Arbeiten geht er nicht in die dritte Dimension, also in die räumliche, seine Skulpturen bleiben flächig. Immer noch sind menschliche Figuren erkennbar, doch sind sie zu Zeichen geworden, die aus dem Umriss und von Durchblicken leben.

Von der unruhigen Kleinteiligkeit hat er den Weg zu klaren Formen und Farben genommen, seine Skulpturen transportieren Grundelemente der (Wieder-)Erkennbarkeit - wie bei archaischen Figuren, was kein Zufall ist, besitzt er doch eine große Sammlung ethnologischer Kunst. Seine Freude an Farben und Farbkontrasten blieb konstant. Die künstlerische Entwicklung über fünf Jahrzehnte ist in der Ausstellung bis 14. November wunderbar nachzuvollziehen. Eine kleine Broschüre (1 Euro) erlaubt auch Menschen mit schmalen Geldbörsen, die grundlegenden Informationen mitzunehmen. Dagmar Klein

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Artikel vom 03.09.2010 - 18.04 Uhr
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