Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Übersicht »

Bauernverbandspräsident an Alsfelder Schule

Artikel vom 22.02.2010 - 13.00 Uhr

Bauernverbandspräsident an Alsfelder Schule

Alsfeld (pm). Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV) Friedhelm Schneider stellte bei einem Besuch der Einjährigen Landwirtschaftlichen Fachschule kürzlich den Bauernverband vor und diskutierte mit den Studierenden über agrarpolitische Themen.
Friedhelm Schneider am Rednerpult hinten links diskutiert mit Alsfelder Fachschülern.	(Foto: pm)
Lupe - Artikelbild vergrössern
Friedhelm Schneider am Rednerpult hinten links diskutiert mit Alsfelder Fachschülern. (Foto: pm)
Schulleiter Freimut Krug begrüßte den HBV Präsidenten und dankte ihm für die Bereitschaft, im Rahmen des Agrarpolitikunterrichtes, den Hessischen Bauernverband vorzustellen und aktuelle agrarpolitische Themen zu beleuchten. Nach Angaben von Krug sind in der Klasse derzeit 23 Studierende - darunter eine Frau, 19 mit Betrieb und vier ohne Betrieb. Die landwirtschaftlichen Betriebe der Studierenden haben die folgenden Gegebenheiten: Die Betriebsgröße bewegt sich zwischen zehn und 300 Hektar. In der Tierhaltung und den sonstigen Betriebszweigen ist die Streuung auch sehr groß. Zehn Betriebe haben Milchvieh, acht Betriebe Schweinehaltung und drei Betriebe betreiben eine Pferdepension. Ein Betrieb hat eine Biogasanlage, und bei zwei weiteren ist diese in Planung. Fünf Betriebe sind in der Direktvermarktung tätig. Die Studierenden kommen aus ganz Hessen.

HBV-Präsident Schneider erläuterte seinen Werdegang in Ausbildung und Betrieb sowie im Hessischen Bauernverband. Er sagte, dass in seinem bisherigen Wirken Ehrgeiz, Fleiß, Selbstbewusstsein und Entscheidungsfreudigkeit ganz entscheidende Tugenden gewesen seien. Seinen zunächst kleineren Betrieb in beengter Dorflage habe er über Teilaussiedlung und weitere Schritte zur Betriebsvergrößerung zum heutigen Unternehmen entwickelt.

Der Hessische Bauernverband sei ein freiwilliger Zusammenschluss von über 20 Kreis- und Regionalbauernverbänden in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit 25 000 Mitgliedern und Sitz in Friedrichsdorf. Ziele des Verbandes seien das Eintreten für ausreichendes Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe, die Einmischung in politische Entscheidungen bei Gesetzesvorschriften, Marktpflege und Werbekampagnen für landwirtschaftliche Produkte sowie die Außendarstellung der Landwirtschaft. So werde die Gesellschaft über das quantitative und qualitative Arbeiten mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Landwirtschaft genauso aufgeklärt, wie über die gesellschaftlichen Leistungen durch die Landwirtschaft.

Ein weiteres wichtiges Anliegen des Verbandes sei der Erhalt sämtlicher landwirtschaftlicher Fachschulstandorte in Hessen und eine ausreichende und qualifizierte Lehrerausstattung mit den nötigen Lehrmitteln. Die Fachschulen müssen die Studierenden zu erfolgreichen Unternehmern und Mitarbeitern ausbilden. Es müsse ein kontinuierlicher Wissenstransfer zwischen Lehrern und Studierenden stattfinden. Die Halbwertzeit des Lernens werde immer kürzer und deshalb sei der Prozess des »Lernen lernens« mit dem Verbinden zum lebenslangen Lernen sehr wichtig. Dies müsse von den Fachschulen geleistet werden. Aber auch das Grundlagenwissen über die Optimierung der Produktionsprozesse in der Landwirtschaft und die Bedürfnisermittlung der Verbraucher für landwirtschaftliche Produkte seien wichtige Aufgaben im Schulbereich. »Die Zukunft der Landwirte und der Landwirtschaft steckt in den Köpfen des Berufsnachwuchses, also von Ihnen«, rief Schneider den Studierenden zu. »Sie stehen am Anfang einer Karriere in dem schönsten Beruf, den ich mir nur vorstellen kann. Aber die Herausforderungen in der heutigen Zeit sind größer als noch vor Jahren. Darauf müssen wir und Sie flexibel reagieren. Die richtigen Konzepte wird es nicht von der Stange geben. Aber das Unternehmer- und Mitarbeiterkönnen wird zukünftig eine immer größere Rolle für den beruflichen Erfolg spielen«, so der Präsident weiter.

Zur Diskussion waren im Agrarpolitikunterricht von den Studierenden unter der fachkundigen Betreuung des Agrarpolitiklehrers Friedhelm Keute Fragen erarbeitet worden. Sie bezogen sich auf die Themenkomplexe »Zukunftsperspektiven für junge Landwirte«, »Markt«, »Milch«, »Soziale Absicherung«, »Gentechnik«, »Bereitstellung von Flächen« und »Vorschriften und Gesetze«. Kernaussagen des Präsidenten dazu waren: Die hessische Landwirtschaft hat in allen Betriebzweigen eine positive Zukunft. Sie muss sich auch zukünftig auf volatile Märkte einstellen. Dazu muss als steuerliche Erleichterung eine Steuerausgleichsrücklage, zum Beispiel über vier Jahre, eingeführt werden. Die Förderung von benachteiligten Gebieten muss weitergehen. Dies gilt auch für die Investitionsförderung in der Landwirtschaft. Die Weiterführung der EU-Prämien von 2014 bis 2020 ist zwingend notwendig. Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe haben beide ihre Daseinsberechtigung. Die Konzentration auf zwei Standbeinen im landwirtschaftlichen Betrieb hat Vorrang vor der absoluten Spezialisierung. Ein Wachstumsmarkt in der Landwirtschaft wird die Energieversorgung sein. Ob nachwachsende Rohstoffe auf landwirtschaftlichen Flächen, Biogasproduktion oder die Getreideverbrennung, alles wird gebraucht. Die Discounterbeeinflussung wird wegen des Gewinnstrebens dieser Unternehmen an seine Grenzen stoßen. Der Markt wird qualitativ hochwertige Produkte nachfragen und honorieren. Die Werbung für landwirtschaftliche Produkte muss nach dem Wegfall der CMA, allen voran für die Milch, forciert werden. Die Aufstellung von Milchautomaten in Kindergärten und Schulen muss gemeinsam mit der Politik in die Wege geleitet werden. Die soziale Absicherung in der Landwirtschaft wird ein brennendes Thema der Zukunft. Schon zur Zeit muss ein Bauer, bedingt durch die derzeitige Alterspyramide, 3,8 Altenteiler versicherungsmäßig versorgen. Ohne Zuschüsse von EU, Bund und Land wird es zu gewaltigen Einschnitten kommen. Der HBV will keine Gentechnik. »Wir wollen nur herstellen was der Verbraucher will«, so die Aussage Schneiders. Patentrechte auf Pflanzen und Tiere dürfe es nicht geben. Der Flächenverbrauch durch Baugebiete und Ausgleichsflächen für Naturschutzzwecke müsse gestoppt werden. Vorrang habe der Baulückenschluss vor der Neuausweisung von Baugebieten. Die Erstellung von Leerstandskatastern in den Dörfern zeige in die richtige Richtung.

Zum Schluss dankte der Klassensprecher der Klasse, Andreas Füg, Wartenberg-Landenhausen, dem HBV Präsidenten für seine Bereitschaft mit den Studierenden zu diskutieren. Insbesondere gefielen der Klasse die offenen und klaren Aussagen. »Diese Art von Diskussionen im Agrarpolitikunterricht müssen wir ausdehnen«, so der Klassensprecher.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 22.02.2010 - 13.00 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang