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»Auszubildende sind für den Betrieb produktiv«

Artikel vom 29.06.2010 - 20.07 Uhr

»Auszubildende sind für den Betrieb produktiv«

Vogelsbergkreis (ks). Was kostet die Ausbildung eines Kfz-Mechatronikers oder einer Bäckereifachverkäuferin? Und bringt Ausbildung Betrieben etwas?
Prof. Dr. Dieter Timmermann referierte vor Vertretern von Firmen und Schulen und der Vogelsberg Consult über Kosten und Nutzen v
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Prof. Dr. Dieter Timmermann referierte vor Vertretern von Firmen und Schulen und der Vogelsberg Consult über Kosten und Nutzen von Ausbildung. (Foto: ks)
Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Bielefelder Bildungsökonom Professor Dieter Timmermann. Auf Einladung der Vogelsberg Consult hielt er jetzt in Schwalmtal-Rainrod einen Vortrag vor Vertretern von Firmen und Schulen. Es wurde auch eine Bilanz des seit drei Jahren laufenden Jobstarter-Projektes »Dual mit System« gezogen. Das sorgt für zusätzliche Ausbildungsplätze und motiviert vor allem kleinere und mittlere Unternehmen und solche, die noch nie ausgebildet haben. Firmen hilft man, den »passgenauen« Lehrling zu finden.

In den drei Jahren, in denen das Projekt läuft, wurden 144 neue Ausbildungsverträge »an Land gezogen,« berichteten Geschäftsführer Thomas Schaumberg und Harald Finke von der Vogelsberg Consult. Das macht einigen Aufwand nötig. So müssen mindestens 80 Firmen pro Jahr angesprochen werden, bis die 40 zusätzlichen Lehrstellen pro Jahr herausspringen. Junge Leute müssen intensiv »gecoacht« werden, um zu erkunden, welche Stelle auf sie passen kann. Das klappt häufig, auch wenn es im Einzelfall vorkommen kann, dass eine junge Frau nach Erfolg versprechenden Praktika im Blumenladen plötzlich feststellt, dass Floristin nichts für sie ist, weil sie dann am Samstag arbeiten muss. . .

34 der 144 Arbeitsstellen entstanden in sogenannten jungen Unternehmen und 31 in Firmen, die erstmals ausbildeten. Unter dem Strich kann sich die Erfolgsquote also durchaus sehen lassen. Die Azubis nahmen im Vogelsbergkreis um 4,6% auf 1855 zu, hessenweit betrug die Zunahme 3,4%. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe stieg im Kreis um 3,4% auf 694. Die meisten Lehrstellen finden sich in Handwerk und Industrie, sehr wenige in den sogenannten freien Berufen, etwa bei Ärzten oder Anwälten.

Diese Art der Ausbildungsförderung hat auch ihren Preis, pro Vertrag sind es 4000 Euro. Davon tragen Bund und EU 80%, den Rest der Kreis. Warum so viel Geld ausgeben? Thomas Schaumberg begründet das mit der demografischen Entwicklung. So kann man verhindern, dass noch mehr junge Leute abwandern. Firmen hilft man, ihren Fachkräftebedarf zu decken.

Referent Prof. Timmermann stellte einige Zahlen vor. Wichtig für Firmen: Die Kostenbelastung für die Betriebe durch die Ausbildung junger Menschen ist seit Anfang der 90er Jahre deutlich gesunken. Waren es 1972 im Durchschnitt rund 2193 Euro »netto«, so stieg die Belastung 1991 auf 8931 Euro, seitdem sinkt sie - bis zuletzt in 2007 auf 3596 Euro. Demgegenüber sei der »Ertrag«, den ein Azubi der Firma einbringt, ständig gestiegen, von durchschnittlich 1281 Euro in 1972 auf 11 692 Euro in 2007. »Das zeigt, das Auszubildende produktiv sind!« Timmermann machte deutlich, dass sich die Ausbildungsphilosophie in 40 Jahren sehr geändert hat. Kritisierten die Gewerkschaften in den 70ern noch »Ausbeutung statt Ausbildung« und ging die Rede vom »Stift, der den Hof fegen muss«, so war die Lehre eine Zeitlang danach sehr verschult, was sich später änderte, als der Arbeitsplatz wieder zum Lernort wurde.

Dadurch nahm die produktive Leistung der Lehrlinge enorm zu, die Kostenbelastung für die Betriebe ging zurück. Bei Mechatronikern sind übrigens die Kosten im Vergleich zum Ertrag während der Ausbildung relativ hoch (17 000 zu 4000 Euro), während bei Gärtnern oder Zahnarzthelferinnen das Verhältnis genau anders herum ist. Allerdings wurde klar gesagt, dass sich das nach der Ausbildung wieder verschieben kann. »Ausbildung leistet einen wichtigen Beitrag zum ökonomischen Erfolg eines Betriebs,« steht für Timmermann fest. Wer nicht ausbilde, begründe das gern mit dem Verweis auf die Kosten, das gilt gerade für kleine Firmen. Dass demgegenüber viele Vorteile stehen, zeigen andere Firmen: sie sparen sich durch die Übernahme gut ausgebilder junger Leute die mühsame Suche nach Fachkräften, es gibt weniger »Fehlbesetzungen,« weil man den Lehrling kennt.

Am Nachmittag ging es dann noch um Möglichkeiten, den geeigneten Azubi zu finden.

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Artikel vom 29.06.2010 - 20.07 Uhr
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