Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Politik »

Zivilisten fliehen vor bevorstehender Offensive

Artikel vom 08.02.2010 - 17.22 Uhr

Zivilisten fliehen vor bevorstehender Offensive

Kandahar (dpa) - Angesichts der bevorstehenden Militäroffensive in der südafghanischen Provinz Helmand fliehen Hunderte Zivilisten aus der dortigen Taliban-Hochburg Mardschah.
Afghanen fliehen vor  Militäroffensive gegen Taliban
Lupe - Artikelbild vergrössern
Afghanische Zivilisten fliehen vor der bevorstehenden Militäroffensive gegen die Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand.
© dpa
Der Sprecher der Provinzregierung, Daoud Ahmadi, sagte, bislang seien rund 90 Familien, etwa 500 Menschen, aus dem Distrikt Mardschah in die Provinzhauptstadt Laschkar Gah gekommen. Weitere 200 Familien aus anderen Distrikten hätten in Laschkar Gah Zuflucht gesucht. Man habe Nahrungsmittel und Unterkunft für bis zu 15 000 Flüchtlinge vorbereitet. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte, die Aufständischen würden Mardschah verteidigen und hätten rund um die gleichnamige Distrikthauptstadt Sprengsätze platziert.

Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte am Montag mit, am Vortag seien bei einem Bombenanschlag in der Provinz Helmand zwei britische ISAF-Soldaten getötet worden. Die Soldaten patrouillierten im Sangin-Distrikt, als ein Sprengsatz detonierte. Damit sind nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums seit der Vertreibung der Taliban aus Kabul im Jahre 2001 insgesamt 255 britische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Ebenfalls am Sonntag waren im Norden des Landes zwei schwedische ISAF-Soldaten und ihr afghanischer Übersetzer getötet worden.

Nach ISAF-Angaben bereiten sich 15 000 afghanische und ausländische Sicherheitskräfte auf die Offensive in Helmand vor. Die internationalen Truppen kommen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Estland. Um zivile Opfer zu vermeiden, hat die ISAF Flugblätter über Mardschah abgeworfen und die Bevölkerung vor der bevorstehenden Operation «Muschtarak» («Gemeinsam») gewarnt. Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen die Führung bei der Großoffensive übernehmen, die nach Militärangaben «bald» beginnen soll.

Ein Einwohner von Mardschah, der nicht namentlich genannt werden wollte und am vergangenen Freitag mit seiner Familie zu Fuß aus dem Distrikt geflohen war, sagte, die Taliban horteten Waffen in Mardschah. Die Aufständischen bereiteten sich auf die Kämpfe vor. Sie hätten in Moscheen verkündet, dass es genug Waffen für die Bewohner von Mardschah gebe, um ihren Distrikt zu verteidigen. Ein Mann aus Mardschah namens Abdul Wali, der ebenfalls in die Provinzhauptstadt geflohen ist, sagte: «Tausende Menschen sind schon gekommen, und Tausende weitere sind auf dem Weg von Mardschah nach Laschkar Gah.»

Der Distrikt Mardscha mit seinen mehr als 80 000 Bewohnern ist vollständig unter der Kontrolle der radikal-islamischen Taliban. Mardscha ist zugleich das wichtigste Zentrum für den Handel mit Rohopium, aus dem Heroin gewonnen wird. Die Taliban finanzieren sich unter anderem aus dem Drogenhandel.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 08.02.2010 - 17.22 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang