Bundeswehr wegen USA in Nordafghanistan unter Druck
München/Berlin (dpa) - Die massive Truppenaufstockung der USA im deutschen Verantwortungsbereich in Nordafghanistan stellt die Bundeswehr zunehmend in ein Licht der Führungsschwäche.
Bundeswehrgeneral Kasdorf: «Das deutsche Kommando im Norden wird verstärkt.»
Die USA wollen Medienberichten zufolge die Bundeswehr de facto «entmachten» und sich von ihr keine Befehle erteilen lassen. Außerdem gehe den USA die Stabilisierung der Region zu schleppend voran.
Der Stabschef der Afghanistan-Schutztruppe ISAF in Kabul, Bundeswehrgeneral Bruno Kasdorf, sagte hingegen der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntag, die US-Soldaten operierten unter deutschem Kommando. Der Bundestag berät am Mittwoch erstmals über die von der Regierung geplante Erhöhung der deutschen Truppe von 4500 auf 5350 Soldaten - ähnlich viele Kräfte wie die der USA im Norden.
In München forderte der afghanische Präsident Hamid Karsai bei der internationalen Sicherheitskonferenz die Truppen auf, den Krieg gegen die Taliban nicht in den Dörfern zu führen. «Ein Ende der Operationen in den Dörfern ist das, was das afghanische Volk selbst am meisten wünscht.» Es gebe dabei immer noch zivile Opfer. Die Kämpfe sollten am besten in den Rückzugsgebieten und Ausbildungslagern der Taliban geführt werden. Er bekräftigte, sein Land wolle bis 2015 selbst für seine Sicherheit sorgen können und niemandem mehr zur Last fallen.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bedauerte, dass in Afghanistan nach wie vor viele zivile Organisationen nebeneinanderher arbeiteten. Eine Ende dieser Zersplitterung erfordert eine wirkliche Kulturrevolution, die mit herkömmlichem Denken bricht.»
NATO-Politiker erklärten, durch die Truppenverstärkung würden in den nächsten Monaten auch ISAF-Soldaten sterben. «Es wird Tote geben und unsere Verbündeten sollten das wissen», sagte der republikanische US-Senator John McCain. Der britische Verteidigungsminister Bob Ainsworth meinte: «2010 wird ein schwieriges, aber auch ein entscheidendes Jahr». Die Bürger dürften nicht glauben, «dass es in den kommenden Monaten keine Opfer mehr gibt.» Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte: «Dieser Einsatz hat seinen Preis und ist mit einem hohen Risiko verbunden.»
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