Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Kultur »

Schlingensief startet «Operndorf» in Afrika

Artikel vom 06.02.2010 - 15.40 Uhr

Schlingensief startet «Operndorf» in Afrika

Berlin/Ouagadougou (dpa) - Der Berliner Theater- und Filmregisseur Christoph Schlingensief (49) startet an diesem Montag (8.2.) sein seit längerem verfolgtes Projekt eines «Operndorfes» im afrikanischen Burkina Faso.
Christoph Schlingensief
Lupe - Artikelbild vergrössern
Theaterregisseur Christoph Schlingensief erfüllt sich in Afrika einen Lebenstraum.
© dpa
Dazu will er in Anwesenheit zahlreicher Weggefährten und Freunde sowie Vertretern aus Politik und Kultur unweit der Hauptstadt Ouagadougou den Grundstein legen und den ersten Spatenstich vornehmen. Geplant sind eine Schule für Musik- und Filmunterricht, Theater- und Veranstaltungsräume, Werkstätten sowie eine Krankenstation. 13 Container von der Ruhrtriennale sind dazu bereits eingetroffen und wurden mit Polizeieskorte nach Laongo gebracht. Die Schule soll im Oktober eröffnet werden.

Planungsarchitekt ist der aus Burkina Faso stammende und in Berlin lebende Francis Kéré. Er hat als Zentralbau ein schneckenförmiges Gebäude geplant. Der an Lungenkrebs erkrankte Schlingensief nennt sein Projekt «Von Afrika lernen», es soll auch dem internationalen Kulturaustausch dienen. Dafür hat der Regisseur prominente Unterstützer gefunden. So hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler für das Projekt eingesetzt und auch nochmal während seiner gegenwärtigen Asienreise Burkina Faso um Unterstützung gebeten. Hilfe erhält Schlingensief auch von Regisseur Roland Emmerich, Sänger Herbert Grönemeyer und Schriftsteller Henning Mankell sowie dem Goethe-Institut und der Bundeskulturstiftung.

«Es ist der Wahnsinn, ich bin vollauf begeistert. Gestern habe ich vor Freude geheult», sagte Schlingensief. «Es ist ein Glücksgefühl ohnegleichen, dass ein kleiner Wunsch auf solche Bahnen kommt. Da machen mir auch die 35 Grad im Schatten tagsüber nur wenig aus.»

Der Regisseur («Das deutsche Kettensägenmassaker») bekräftigte, dass es ihm nicht darum gehe, «den Afrikanern deutsche Kultur beizubringen», sondern im Gegenteil. «Wir wollen alle voneinander lernen, mein Projekt soll Türen öffnen. Wir tauchen hier auch nicht als Bedrohung auf und verstehen uns auch nicht als Konkurrenz zu der hier sowieso vorhandenen lebendigen Kulturszene. Wir sind kein dekadenter Rotwein-Scheiß. Hier ist zum Beispiel der Tanz ein selbstverständlicher Kultur- und Lebensausdruck, ganz im Gegensatz zu so manchen durchtrainierten Tänzern in Europa, die den Hunger darstellen wollen.»

www.schlingensief.com

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 06.02.2010 - 15.40 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang