Bei der Grundsteinlegung für sein «Operndorf» in Burkina Faso rief er am Montag sogar Goethes Faust als «Schutzpatron» an, umrahmt von folkloristischen Darbietungen in Anwesenheit von Stammeshäuptlingen der Region wie auch Vertretern aus Kultur und Politik. «Ein Traum wird wahr, den zu verwirklichen vielleicht etwas anstrengend ist. Aber ich kann nur staunen und bin sehr, sehr glücklich», sagte der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Verweile doch, du bist so schön! Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in Äonen untergehn. Im Vorgefühl von solchem hohen Glück genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick.» Mit diesem «Faust»-Zitat und dem ersten Spatenstich in Laongo unweit der Hauptstadt Ouagadougou erfüllt sich der 49-jährige Berliner Regisseur, der mit Filmen wie «Das deutsche Kettensägenmassaker» bekannt wurde und in Bayreuth Richard Wagners Weltabschiedsoper «Parsifal» inszenierte, einen Herzenswunsch.
«Von Afrika lernen» steht als Motto über dem gesamten Projekt, das auch Bundespräsident Horst Köhler und andere Prominente wie der Sänger Herbert Grönemeyer, der Schriftsteller Henning Mankell und Hollywood-Regisseur Roland Emmerich unterstützen. Und ein Goethe-Zitat zur Grundsteinlegung mag auch eine kleine Reverenz vor einem anderen Projektpartner sein - dem Goethe-Institut, das seine Aktivitäten in Afrika verstärken will und ebenso wie Köhler auf die Kreativität der Afrikaner setzt. Dabei muss man aber auch akzeptieren und respektieren, «wenn dabei etwas anderes herauskommt, als man erwartet», meinte Schlingensiefs Planungsarchitekt, der aus Burkina Faso stammende und in Berlin lebende Francis Kéré.
Auf dem etwa fünf Hektar großen Gelände eine knappe Autostunde von der Hauptstadt entfernt sind eine Schule für 500 Kinder und Jugendliche mit Klassen für Musik- und Filmunterricht sowie Theater- und Veranstaltungsräume, Werkstätten und eine Krankenstation geplant. Im Oktober sollen die ersten Klassen den Unterricht aufnehmen. Kulturminister Filippe Savadogo hob bei der Grundsteinlegung den Ausbildungscharakter des «Operndorfes» hervor, das erneut zeigen werde, das sein Land über kreative Ressourcen und künstlerische Nachwuchskräfte verfüge.
Schlingensief versteht sein Projekt nicht als «reine Privataktion» und freut sich über die zahlreichen Spenden auch von vielen ungenannten Sponsoren. «Es geht mir hier nicht um Kunst l'art pour l'art, also um ihrer selbst willen, sondern vor allem darum, dass Leben und Politik kunstvoller gemacht werden sollen, Helfen und Schönheit kommen zusammen, die Reinheit des Lebens und der Kunst vereinen sich», sagte Schlingensief der dpa am Telefon.
Gießen (cw). Zum 23. mal organisierte und veranstaltete der Lions-Club von Justus v. Liebig Gießen seinen traditionellen Ostereiermarkt in der Kongresshalle in Gießen mit 45 Ausstellern. Mit dem Erlös unterstützt der Lions-Club Musikprojekte von Schulen aus Gießen und dem Kreisgebiet.
Die Ausschreibung erfolgt im Mai/Juni. Vorab die mit Hilfe interessierter Leser ermittelten Themen: Warten, Kontraste, Die Welt der kleinen Dinge, Kleider machen Leute (Jugend)