Überlingen (dpa) - Der Schriftsteller Martin Walser (82) hat eine neue Novelle mit dem Titel «Mein Jenseits» vorgelegt. Das Werk ist bei der Arbeit an seinem Roman «Muttersohn» entstanden, der 2011 bei Rowohlt erscheinen soll.
Martin Walser ist davon überzeugt, dass Sterbehilfe in der Zukunft zum Leben dazugehören wird.
In der Novelle erzählt der Held Augustin Feinlein, Chef eines Psychiatrischen Landeskrankenhauses, seine Lebensgeschichte, die eine Glaubensgeschichte ist. «Wir glauben mehr, als wir wissen», lautet sein Credo.
Was erwartet den Leser Ihrer neuen Novelle?
Walser: «Das Jenseits ist ja nicht das bekannteste Gelände von allen, es sei denn, durch religiöse Texte. Die Vielfalt der Erwartungen der Leser ist gar nicht zusammenzufassen. Jeder Leser liest sein Buch, nicht mein Buch. Der nimmt davon soviel er brauchen kann. Mich würde es natürlich freuen, wenn er alles brauchen kann. Der Held Augustin Feinlein zählt seit seinem 63. Geburtstag seine Lebensjahre nicht mehr.»
Wie erleben Sie das Älterwerden?
Walser: «Ich kann nicht von mir reden, allenfalls von Augustin Feinlein. Der ist tatsächlich von seinem eigenen Alter nicht beeindruckt. Das hat damit zu tun, dass er eine Liebe empfindet und nicht loswird, die 30 Jahre her ist. Diese Liebe zu Eva Maria, die nacheinander mit zwei anderen Männern verheiratet ist, ihm aber in großen Abständen sehr lakonische Grüße schickt - immer "In Liebe". Aber genauso wichtig ist der zweite Motivbereich: Dass Feinlein der Nachkomme eines Klosterabtes ist. Dieses Kloster hat wie viele früher einen regen Reliquienkauf und Reliquienverehrung betrieben. Der Vorfahr hat geschrieben, dass es nicht wichtig ist, ob die Reliquien echt sind. Feinlein glaubt an die Liebe zu Eva Maria so, wie man hier im Land an Reliquien glaubt. Glauben, was nicht ist, dass es sei.»
Wieviel Martin Walser steckt in Augustin Feinlein?
Walser: «Das kann man bei keinem Helden sagen. Ich glaube tatsächlich, dass das Wissen überschätzt wird in seiner Bedeutung für jeden einzelnen Menschen, für sein Innenleben. Die Handlungen, Glück und Unglück eines Menschen werden viel mehr von dem bestimmt, was er glaubt, als von dem, was er weiß. Liebe zum Beispiel ist eine reine Glaubenssache. Man weiß von einem anderen Menschen nicht wirklich etwas. Man glaubt, dass er so und so empfindet. Was da zusammenkommt als Bild von einem Menschen, das lässt sich nicht in mitteilbare Größen aufteilen.»
Am Anfang von «Mein Jenseits» erinnert sich der Held an einen Knecht in seinem Heimatdorf, der mit dem Alter langsam komisch wird. Der Wunderliche wird aber akzeptiert. Fehlt uns heute ein solch natürlicher Umgang mit alten Menschen?
Walser: «In Feinleins Dorf gab es eine Kultur des Umgangs mit älteren Menschen, die er nirgendwo sonst mehr angetroffen hat. Wo er hingekommen ist, da gibt es nur diesen Verdrängungswettbewerb nach dem Motto: Du bist jetzt soundso alt, und ich kann das besser als du. Zu so einer dörflichen Kultur gehört eine Tradition, die heute natürlich erloschen ist. Wir haben Altenpflege.»
Wie stellen Sie sich Ihr persönliches Jenseits vor?
Gießen (cw). Im letzen Jahr kamen 15.000 Besucher zur ersten Auflage der Messe »Garten Blumen Frühling« in die gießener Messehallen. In diesem Jahr locken 100 Aussteller auf 5.000 m² zum Besuch bis Sonntag, 14. März.
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