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Willkommen im »Riddle Club«

Artikel vom 17.04.2009 - 19.58 Uhr

Willkommen im »Riddle Club«

Sie tragen alle dieses unschuldige Weiß. Scharenweise schicke Kostüme, Hosen, Jacken, Hüte, Mützen, kurze Röcke und sogar weiße Westen. Das Großaufgebot strömt herein, durch den Zuschauerraum auf die Bühne: der Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar, der Philharmonische Chor Weimar, die »Ameisenkinder« (der Chor des Goethe-Gymnasiums Weimar) und die Statisterie des Nationaltheaters. Gleich ihr erster Auftritt ist überwältigend. Sie treten ein in die Arena, in der in den folgenden zweieinhalb Stunden eine Super-Show läuft. Die Show der 26. Live-Hinrichtung und einer sich anschließende Rätsel-Show à la »Wer wird Millionär?«. Hier heißt das »Turandot«, es geht um Leben und Tod in der letzten Oper von Giacomo Puccini.
The show must go on! 	(Foto: Anke Neugebauer)
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The show must go on! (Foto: Anke Neugebauer)
In Weimars Nationaltheater nun zu sehen als eine glanzvolle und moderne Inszenierung von Andrea Moses in einer absolut passenden Ausstattung (Bühne und Kostüme) von Christian Wiehle sowie der ungeheuer berauschenden musikalischen Leitung von Will Humburg. Das Premierenpublikum im ausverkauften Nationaltheater war völlig aus dem Häuschen, Bravos und andere Begeisterungsrufe ergänzten den stürmischen Applaus.

Auf Andrea Moses ist man im vergangenen Jahr nicht nur in Thüringen aufmerksam geworden. Sie inszenierte in Meiningen das Strauss-Doppel »Salome« (2006) und »Elektra« (2007). In diesem Jahr inszeniert sie Brechts »Die Mutter« in Oberhausen und eben »Turandot« in Weimar. Und der Erfolg scheint ihr weiterhin sicher zu sein. Stellt sie doch mit ihrer Puccini-Arbeit nicht nur die schöne, kalte und männermordende Prinzessin Turandot (einfach nur herrlich: Catherine Foster) in den Mittelpunkt und den vom »Nessun dorma« lebenden, sie abgöttisch liebenden, aber ihr ebenbürtig kalten Prinzen Calaf (wunderbar und mit vielen Bravos bedacht: Ki-Chun Park). Auch die Gesellschaft wird bedacht: Das Stadion füllt sich, die Show-Bühne wird freigegeben. »Willkommen in Turandot’s Riddle Club« ist am Rundpodest zu lesen, das einmal mehr an die TV-Shows erinnert. Und Turandot, diese zur wirklichen Liebe unfähige Frau, lebt ihren Show-Mythos aus.

Alles ist Show. Auch der unbekannte Prinz gehört dazu, ein ebenso kaltherziger Mensch wie die Principessa, der die ihn Liebenden eiskalt opfert für sein Ego. Die junge Sklavin Liú (mit wundervoll frischem Sopran: Larissa Krokhina) und sein Vater Timur, der entthronte Tartarenkönig (eindrucksvoll: Renatus Mészár), können ihn nicht erweichen. The show must go on. Und über aller Tragik schweben die Claqueure Ping, Pang und Pong.

Mit fantastischen Regie-Einfällen und ebenfalls in strahlend weißen Anzügen werden der Kanzler (Alexander Günther), der Marschall (Artjom Korotkov) und der Küchenmeister (Frieder Aurich) präsentiert. Dazu gibt es Video-Übertragungen aus dem Backstage-Bereich (Kamera: Bahadir Hamdemir). Was bleibt, ist die Erkenntnis: Als Zuschauer ist man schließlich unschuldig. Sylvia Obst

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Artikel vom 17.04.2009 - 19.58 Uhr
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