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Wetzlarer Festspiele: Michael Quast in »Orpheus in der Unterwelt«

Artikel vom 29.06.2010 - 19.06 Uhr

Wetzlarer Festspiele: Michael Quast in »Orpheus in der Unterwelt«

Großes Theater auf kleiner Bühne. Eine Reise vom Himmel in die Unterwelt. Ein Orchester, die Götterwelt, Orpheus und Eurydike und wie sie alle heißen. Auf der Bühne: zwei Männer- ein Pianist und ein Schauspieler. Das Stück: »Orpheus in der Unterwelt« von Jacques Offenbach. Wer es nicht gesehen hat, kann es kaum glauben, auch der berühmte Cancan ist dabei. Der Akteur: Michael Quast. Er singt und tanzt, spricht, rotzt, lacht und jammert.
Immer wieder gern gesehen: Michael Quast ist »Orpheus in der Unterwelt«.	(Foto: Bernd Deck)
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Immer wieder gern gesehen: Michael Quast ist »Orpheus in der Unterwelt«. (Foto: Bernd Deck)
Der Vorhang geht auf - das Orchester spielt. Letzte Regieanweisungen bevor die »öffentliche Meinung« auftritt, die eine arrogant und überheblich, die andere gibt sich volksnah. Eurydike, die Schöne, eitel und lebenshungrig, verheiratet mit dem langweiligen, entliebten Orpheus. Derweil dieser sie geigend von seiner Musik zu überzeugen sucht, fleht sie jammernd um Gnade. Das alles ist Quast zur gleichen Zeit. Auch der süße Schmeichler Pluto, mit (imaginärem) Minipli und Hawaii-Hemd, der Eurydike als Aristaios in die Unterwelt entführte.

Jacques Offenbachs erstes abendfüllendes Stück, das die griechische Sage um Orpheus und Eurydike persifliert, ist wie geschaffen für den Schauspieler und Kabarettisten, der die große Bandbreite der Charaktere genüsslich zelebriert. Die Götter des Olymp besuchen den Hades, um gegen den liebestollen, aber geizigen, um »den Ruf der Firma« besorgten Jupiter zu revoltieren - und um sich zu amüsieren. Die Doppelmoral der besseren Gesellschaft des Zweiten Kaiserreichs Frankreichs wollte Offenbach karikieren, Quast transportiert die Szene in die moderne, von Bankenkrise und staatlichem Sparzwang gebeutelte Gesellschaft.

In der Unterwelt feiern die Götter, von Diana bis Minerva, von Mars bis Merkur. »Durch das Wolkenloch zwängt sich eine üppige Schönheit«, es ist die Venus und keinem fällt auf, dass den lauen Sommerhimmel kein Wölkchen trübt.

Wäre da nur nicht diese dicke Fliege, die Eurydike zu bezirzen sucht. Surrend umschwirrt sie der verliebte Jupiter, wie in der Uraufführung 1858; das im Duett dargebotene Gesumse ist nicht der einzige Höhepunkt dieser zweistündigen Ein-Mann-Show, einzig getoppt nur von dem - mithilfe von vier strumpfbandtragenden Fingern inszenierten - Höllen-Cancan, dem wohl bekanntesten Musikstück dieser Operette.

Nie nur im Hintergrund lässt Rhodri Britton die Melodien am Flügel erklingen, von den Gassenhauern bis zu den im Stück zahlreich verwendeten musikalischen Zitaten. »Das darf doch nicht wahr sein«, meint Pluto entsetzt zu Jupiter, der ihn dazu verurteilt, Eurydike freizugeben. Nein, das kann nicht wahr sein! Und doch, es liegt »ein leichter Schwefelgeruch in der Luft«, an diesem lauen Sommerabend im Lottehof in Wetzlar. Doris Wirkner

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Artikel vom 29.06.2010 - 19.06 Uhr
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