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Vivaldis »Orlando furioso« begeistert in Frankfurt

Artikel vom 15.02.2010 - 20.51 Uhr

Vivaldis »Orlando furioso« begeistert in Frankfurt

Antonio Vivaldis »Orlando furioso« zeigt die Frankfurter Oper als Erstaufführung. Der gelungene Barockklang zu aktionsreichem Spiel lässt das Premierenpublikum jubeln.
Nicht ganz bei Sinnen: Orlando (Sonia Prina, l.) im Hochzeitsnest von Medoro (Paula Murrihy, M.) und Angelica (Brenda Rae).	(Fot
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Nicht ganz bei Sinnen: Orlando (Sonia Prina, l.) im Hochzeitsnest von Medoro (Paula Murrihy, M.) und Angelica (Brenda Rae). (Foto: Monika Ritershaus)
Die von Liebe, Sehnsucht und Eifersucht gebeutelte Titelfigur scheitert an der Realität und verfällt dem Wahnsinn. Dass Orlando sich in diesem Prozess nicht zum edelklassisch-tragischen Helden entwickeln muss, das zeigt die neue Produktion der Frankfurter Oper. Antonio Vivaldis »Orlando furioso« hatte am Sonntag Premiere. Das an diesem Haus erstmals aufgeführte Werk erwies sich als Musiktheater im besten Sinn, und das nicht nur dank der theaterwirksamen Komposition des venezianischen Meisters, sondern auch dank der Regie von David Bösch, der vom Schauspiel kommt.

Über drei Stunden garantiert voller Spielfreude und Aktionismus auf der optischen Seite – hier sprudelten die Einfälle besonders im zweiten Teil gar etwas zu üppig. Valentinstag und Fassenacht wurden passend in die Ausstattung integriert und gaben der Felseninsel der Zauberin Alcina zusätzlich zum stimmungsbildenden Lichtwechsel (Olaf Winter) liebenswürdige Farbigkeit.

Die Ausstattung – Felsen-Bar und Kostüme der Zeit um 1960 – besorgten Dirk Becker und Meentje Nielsen. Dramaturg Zsolt Horpácsy hatte im zweiten Teil des Dramma per musica leichte Kürzungen vorgenommen, was dem Text von Grazio Braccioli (nach dem vielfach bearbeiteten Versepos von 1516 des Lodovico Ariosto) keinen Abbruch tat.

Ironie und Komik bildeten zur tiefsinnigen Charakterzeichnung ein Gegengewicht in Böschs Inszenierung und sorgten für Leichtigkeit in den Wirrnissen der Liebesbeziehungen. Da ist Alcina in ständiger optischer Verwandlung als Femme fatale, deren Zauberkraft durch ihre erste wahre Liebe (Ruggiero) gebrochen wird. Und Orlando, der wegen unerfüllter Liebe zu Angelica verrückt wird. Die beiden Liebespaare Ruggiero/Bradamante und Medoro/Angelica kommen auch nicht ohne Konflikte aus. Astolfo, der Alcinas Residenz putzt, neigt wegen unerfüllter Liebe zu Alcina zur Selbstverstümmelung. Eine komplizierte Geschichte, die durch Vivaldis sprechende Musik zum Theatererlebnis wird.

Die Klänge aus dem Orchestergraben waren vom Allerfeinsten. Das Museumsorchester spielte unter der Leitung des erfahrenen, international renommierten Barockspezialisten Andrea Marcon. Von hoher Präsenz bis zum letzten Takt erwies sich der speziell besetzte Klangkörper, dem Cembalo und zwei Theorben besondere Farben verliehen. Die etwa bei Zornesarien und Gewitterstimmung schlagbetonte Technik der Celli und des Kontrabasses gaben rhythmischen Biss. Der typisch venezianische Bläser-Schönklang wurde in einer der herrlichsten, intimsten Passagen der Oper greifbar, nämlich im Solo der Traversflöte während der innigen Begegnung zwischen Ruggiero und Alcina. Die nonverbale Magie dieser Schlüsselszene – einer der musikalischen Höhepunkte – wurde durch verständnisvolle Personenführung unterstützt.



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Artikel vom 15.02.2010 - 20.51 Uhr
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