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Vielversprechender »Ring«-Auftakt in München

Artikel vom 06.02.2012 - 17.36 Uhr

Vielversprechender »Ring«-Auftakt in München

Leichtfüßig über alle »Rheingold«-Klippen gehüpft: Einhellige Zustimmung für Andreas Kriegenburgs Inszenierung der Wagner-Oper.

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Gesanglich überzeugend (v. l.): Stefan Margita als Loge, Johan Reuter als Wotan und Sophie Koch als Fricka. (dpa-Foto)
Gerade ist Frankfurt fertig mit seinem »Nibelungen-Ring« da geht es in München los, wo freilich auch schon im Juni die »Götterdämmerung« auf dem Programm steht. Vor allem an diesen beiden »frischen« Projekten wird sich dann wohl Bayreuth messen lassen müssen, wenn dort im Wagner-Jubeljahr 2013 Frank Castorfs Deutung über die Bühne geht.

In München spielt Regisseur Andreas Kriegenburg sogar selbst mit. Zumindest taucht er zwischen seinen unzähligen Statisten auf, die sich auf der Bühne versammeln, wenn sich der Zuschauerraum füllt. Wenn Kent Nagano dann den Taktstock hebt, werden sie ziemlich überzeugend zum wogenden Rhein. Oder im Hintergrund von Harald B. Thors schlichtem Bühnenkasten mit den beweglichen Seitenwänden zur Mauer von Walhall. In Nibelheim, für das die Boden- und Deckenplatte beklemmend schräg aufeinander zulaufen, um nur einen schmalen Stollen freizulassen, gibt’s mal keine Kinder(ballett)arbeit. Doch immer, wenn dort hinten einer von den dreckverschmierten Nibelungen unterm Peitschenschwung oder den geschleppten Lasten zusammenbricht, wird er einfach in einer Bodenluke entsorgt und jedes Mal gibt es kurz danach eine kleine Stichflamme. Ausbeutung und Menschenverachtung pur als zynischer Hintergrund. Auch die Riesen in ihrer arbeitsblauen Kluft sind nicht allzu weit davon entfernt. Sie werden auf großen Würfeln aus gepressten Menschen hereingeschoben und können sich bei Bedarf mit Riesen- Mantel samt XXL-Armen und -beinen ziemlich aufplustern.

Zu diesen verblüffend schlichten kapitalismuskritischen Klartextbildern kommt eine durchweg kammerspielartige Präzision bei der Figurenzeichnung. Kriegenburg hüpft obendrein auch noch ziemlich leichtfüßig über die meisten szenischen »Rheingold«-Klippen. Mit einem personifizierten (weiblichen) Rheingold oder beim Tarnhelmzauber in Nibelheim durch Blendscheinwerfer Richtung Publikum. Als Drache freilich bringt’s Alberich nur zum lodernden Wurm, als Kröte dann aber plausibel zur grün bedressten Kröte. Am Ende kann Wotan nur noch mit letzter Kraft seine Götterpose wahren. Er bricht immer wieder zusammen oder droht gar in das gähnende metaphorische Loch zu stürzen, das der Container mit den Lösegeld-Goldbarren für Freia hinterlassen hat, als er samt totem Riesen in der Versenkung verschwand. Im Grunde ist diese Sippschaft schon jetzt am Ende.

Kriegenburg versucht mit einer mehr intellektuellen als optischen Opulenz zum Kern der Geschichte vorzudringen. Und das vor allem mit Menschen-Bildern auf einer Tabula-rasa-Bühne. Man darf gespannt sein, ob er diesen Platz, quasi unabhängig von der Rezeptionsgeschichte, bis zur »Götterdämmerung« glaubhaft auszufüllen vermag.

Die vokalen Stars im durchweg überzeugenden Ensemble sind der Alberich-Einspringer Johannes Martin Kränzle und der geradezu belcantistische Loge-Entertainer im roten Anzug, Stefan Margita. Die Möchtegernmachtpose seines Wotan schließt bei Johan Reuters zwar auch einige Intonationsfreiheiten ein, doch im Zusammenspiel mit der souveränen Fricka Sophie Koch, Levente Molnárs Donner, Thomas Blondelles Froh, Catherine Wyn-Rogers kalkweiß lemurenumringter Urmutter Erda und vor allem der exzellenten Freia von Aga Mikolaj überzeugt die Götterfraktion insgesamt.

Kent Nagano geht erstaunlich sinnlich in die Vollen, deckt dabei aber nur ganz selten mal einen der Sänger zu. Am Ende werden er und die Bayerische Staatskapelle für ein spannendes »Rheingold« ebenso gefeiert wie die Protagonisten. Bei Kriegenburg und seinem Team wirkt die einhellige Zustimmung obendrein erleichtert über einen vielversprechenden »Ring«-Auftakt.

Joachim Lange

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Artikel vom 06.02.2012 - 17.36 Uhr
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