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Tony Christie bleibt in der Alten Oper keinen Hit schuldig

Artikel vom 09.02.2012 - 17.49 Uhr

Tony Christie bleibt in der Alten Oper keinen Hit schuldig

Nicht der ganz große Wurf, aber unterhaltsam und charmant: Der Entertainer aus Mittelengland versteht sich auch nach 50 Jahren seiner Karriere auf das Musikgeschäft.

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Die Faust geballt: Tony Christie zeigt allen in der Alten Oper, was er noch draufhat. (axc)
Da hatten sich die Veranstalter wohl einen größeren Publikumsandrang versprochen: Das Konzert mit Tony Christie wurde kurzerhand in den Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt verlegt, aber auch der war längst nicht voll besetzt. Schade eigentlich, denn Respekt verdient die 50-jährige Karriere des 1943 in Mittelengland geborenen Sängers allemal – und sein mit ihm älter gewordenes Publikum, aber auch die wenigen Jüngeren im Saal, kann er immer noch nach allen Regeln der Showkunst unterhalten.

Ob man nach zwei Stunden Musik voll zufrieden oder eher leicht enttäuscht ging, hing wie üblich von den Erwartungen ab. Wer sich aufgrund Christies mächtig nach Northern Soul klingenden aktuellen Albums »Now’s the time« auf den Weg gemacht hatte, wurde eher leicht enttäuscht. Zwar deutete die Besetzung der Band mit drei Bläsern mehr auf Soulig-Rockiges als auf Schlager hin, aber es landeten nur fünf Songs des feinen Tonträgers auf der Bühne. Wer hingegen vor allem die vielen Hits des Vokalisten mit der Goldkehle hören wollte, wurde gründlich verwöhnt. »Don’t go down to Reno«, »Las Vegas«, »I did what I did for Maria« – Christie blieb keinen seiner großen Erfolge schuldig, und zum Schluss erhoben sich sogar einige Fans, um in den Stuhlreihen ein paar vorsichtige Tanzbewegungen zu wagen.

Schlank, kniefit und selbstverständlich bestens in Krawatte und Anzug gekleidet – Christie kennt die Regeln des Musikgeschäfts in- und auswendig. Fast zu jedem Lied hat er eine Geschichte zu erzählen. Oft spielt seine Familie eine Rolle: »Maria« ist zufällig auch der zweite Name seiner Tochter, »All I ever care about is you« ist seiner Frau gewidmet.

Nach seinen Hits der frühen Siebziger wurde es in den Achtzigern ruhiger um Christie, die Hallen kleiner. Kurz vor Ende des Jahrtausends dann ein neues Lebenszeichen: Der Sänger mit dem Hang zum Heldentenor – und in diesem Segment immer ein wenig im Schatten des Waliser »Tigers« Tom Jones – kam in Sheffield mit Jarvis Cocker von »Pulp« zusammen, und auch aus dieser Kooperation gab es ein paar Songs in Frankfurt zu hören, etwa »Walk like a panther« oder die ins Hymnisch-Sentimentale ausufernde Ballade »Born to cry«, Letztere mit einem der rar gesäten Gitarrensoli (Dave Day). Aber auch aus anderen, in Deutschland wenig bekannten Schaffensphasen des Entertainers gab es etliches zu hören, zum Beispiel den Smokey-Robinson-Song »Shop around« aus Christies Engagement (2011) im Londoner Musical »Dreamboats & Petticoats« oder Frankie Laines Sixties-Hit »Jezebel«. Bei Christies Tribut an Tony Bennett klang es im Duett mit Keyboarder Daniel McCormack tatsächlich mal nach Bluesclub, bevor der Rest der Band einstieg und das Ding doch noch zu einem veritablen Schmachtfetzen anschwellen ließ.

Der unsägliche Mitklatschschlager »Sweet September« beendete das Konzert: griechisches Flair, ein Sirtaki andeutender Christie, Modulation auf einen Ton höher vor dem letzten Refrain – Cindy & Bert und Rex Gildo ließen grüßen. Die Zugabe »Amarillo«, ein auch nach 41 Jahren nicht kaputtzukriegender toller Song aus Neil Sedakas Feder, machte das wieder wett: im Grunde zwar Schlager, aber wenigstens ohne die genreübliche Streicherwatte und überzeugend gesungen. Axel Cordes

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Artikel vom 09.02.2012 - 17.49 Uhr
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