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»Tannhäuser«-Inszenierung an der neuen Oper in Oslo überzeugt

Artikel vom 12.03.2010 - 19.25 Uhr

»Tannhäuser«-Inszenierung an der neuen Oper in Oslo überzeugt

Mit Stefan Herheims »Tannhäuser«-Inszenierung hat die neue Oper in Oslo ihre Feuertaufe bestanden. Das 500-Millionen-Euro-Haus ist damit im Opern-Europa angekommen.
Prachtvolles Bühnenbild: Mit Wagners »Tannhäuser« hat Regisseur Stefan Herheim die 500 Millionen Euro teure neue Oper in Oslo in
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Prachtvolles Bühnenbild: Mit Wagners »Tannhäuser« hat Regisseur Stefan Herheim die 500 Millionen Euro teure neue Oper in Oslo in die erste Liga der Spielstätten befördert. (Foto: Oper Oslo)
Die Kirsten Flagstad aus Bronze auf dem Vorplatz scheint immer noch zu staunen über die neue Oper in Oslo. Der 500 Millionen Euro teure Bau liegt wie eine verkantete Eisscholle am Fjord, gleich neben dem Bahnhof, und hat ihre bisher größten Schlagzeilen vor knapp zwei Jahren dem gewagten Dekolleté der deutschen Kanzlerin zu verdanken. Ansonsten gab es für das knapp 1400 Menschen Platz bietende Haus die unvermeidlichen Startschwierigkeiten im Opernnachwuchsland Norwegen. Wo das Publikum ohne heiligen Ernst im Gepäck auch schon mal eine »Tannhäuser«-Aufführung mit Szenenapplaus anreichert.

Was im jüngsten Fall kein Wunder ist, denn Stefan Herheim und seine Ausstatterin Heike Scheele haben dem Haus jetzt seine eigentliche Feuertaufe verpasst. Maßgeschneidert, mit jeder Menge projizierten Bildern der Oper selbst und ihrer Stadt. Scheinbar das gesamte Personal des gängigen Repertoires drängelt sich im Schnelldurchlauf am Anfang der Pariser Fassung auf der Bühne. Damit vor allem versucht Frau Venus ihrem Heinrich von einer Logenkopie aus, zu imponieren. Wenn der sich dann aber doch losreißt und der ganze Fundusplunder in der Versenkung verschwindet, findet er sich in einer Osloer Straßenszene zwischen lauter Pennern und der Heilsarmee wieder, zu der auch er und Elisabeth gehören.

Die stürmt nach der Pause dann in die Zentrale ihrer Truppe, wo Elisabeth Strids ausgesprochen tonschön aufblühender Gruß an die teure Halle zum Weckruf für die dort nächtigenden Unbehausten wird. Der ziemlich vereinsmeiernde Sängerwettstreit artet dann beim Stichwort Venusberg plötzlich aus. Schon legen die berufsmäßigen Gutmenschen mit ihren Uniformjacken auch ihre pseudoreligiöse Sanftmut ab und machen sich wie die übelsten Populisten über den abtrünnigen Tannhäuser her. Es ist einer der stärksten Momente und von erheblicher Fallhöhe, weil direkt ans Publikum adressiert. In dieser existenziellen Bedrängnis wird Rom für Tannhäuser zu einem nachvollziehbaren Fluchtweg.

Wenn er von dort zurückkommt, sitzt Elisabeth irre geworden in den Trümmern der auseinander geflogenen Heilsarmeewelt und hat einen Bühnenabgang als Theater-Maria. Doch auch den Triumph, den die wieder auftauchende, entfesselte Welt der Oper am Ende noch einmal feiert, in dem sie den Sänger in eine Minnesängerkluft steckt und sterbend integriert, bricht Herheim durch die falschen Operngesten des gesamten Personals, über die nur der zu Einsicht gekommene Wolfram schier verzweifelt.

Der Scheintriumph auf der Bühne wird in Wahrheit, also im Saal, dank Herheim, aber dann doch ein echter. Christian Badea und sein Orchester lassen keinen Zweifel an der vorzüglichen Hausakustik, auch wenn sie Glück haben, dass der Bühnenzauber von mancher Grobheit im Graben ablenkt.

Das Ensemble erreicht nicht bei jeder Rolle das exzellente Niveau der Elisabeth, aber Gary Lehmanns Heinrich hat Kondition und kein Problem mit der Rom-Erzählung, Judit Némeths Venus verströmt auch stimmliche Sinnlichkeit, Geert Smits nutzt seine Wolfram-Vorlagen. Auch die übrige Sängermannschaft und der Chor schlagen sich wacker. Und Oslo ist damit in Opern-Europa angekommen. Joachim Lange

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Artikel vom 12.03.2010 - 19.25 Uhr
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