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Streit um des Esels Schatten

Artikel vom 31.03.2008 - 18.42 Uhr

Streit um des Esels Schatten

Nicht gerade ein Schildbürgerstreich, aber skurril ist der Hintergrund zu Richard Strauss' letztem Bühnenwerk doch: als ihn der Direktor des Ettaler Klostergymnasiums 1947 um »ein Singspiel auf humanistischer oder christlicher Grundlage« für seine Schüler bat, sagte der greise Komponist umgehend zu. Unverhohlen signalisierte er, im Gegenzug erhoffe er sich »eine wenn auch nur mittelmäßige Matura« seines Enkels, der an der Eliteschule nicht gerade als strebsamer Schüler galt.
Schlussbild aus »Des Esels Schatten«	(Foto:M. Hoernschemeyer)
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Schlussbild aus »Des Esels Schatten« (Foto:M. Hoernschemeyer)
Im übrigen erbitte er ein Textbuch, möglichst zum Thema der Abderiten: die alten Griechen aus der thrakischen Stadt Abdera - »Schildbürger« der Antike.

So entstand »Des Esels Schatten« von Hans Adler nach einer Episode aus Christoph Martin Wielands satirischem Roman »Geschichte der Abderiten« (1774-81). Über den Skizzen der Komposition starb Richard Strauss 1949. Karl Haussner ergänzte und instrumentierte das kleine Werk, das als diesjähriges Projekt des Theaterjugendorchesters Münster am Wochenende eine mehr als würdige Aufführung erlebte ganz im Sinn des damaligen Ettaler Schulmeisters, heute hochaktuell. Der Pater dachte sich, wenn Schüler Werke großer im Idealfall noch lebender - Komponisten selbst aufführen, ist das die beste Basis, ihre Neugier auf weitere Werke dieser Musikmeister zu wecken. Eben diese Theorie setzt die Münstersche Kooperative von Städstischer Musikschule und dem Sinfonieorchester seit acht Jahren konsequent um- bislang als einziges deutsches Stadttheater. Orchestermusiker studieren mit ihren jungen »Kollegen« die diversen Parts ein. Auf der Bühne stehen Chor und Solisten der Städtischen Bühnen.

Unter dem jungen Kapellmeister Peter Meiser spielten die 63 Winzlinge, Teenies und Abiturienten hochkonzentriert. Schauspiel-Oberspielleiter Markus Kopf führte flott und witzig Regie, und das Ensemble spielte gut gelaunt mit. Der Esel ist ein geschnitztes Kinderspielzeug auf Rädern sein Schatten also minimal. Wozu also überhaupt all das Geschrei, gar schließlich ein Gerichtsprozess und eine Demonstration aller Bürger auf dem Marktplatz, ob der Zahnarzt für seine beschwerliche Dienstreise durch die glutheiße Wüste von dem Eseltreiber nur das Tier oder auch dessen Schatten gemietet habe. Am Ende einigt man sich natürlich gütlich. Der Esel bekommt ein Denkmal - und circa 99 rote Luftballons steigen von der Rampe in den Bühnenhimmel. Marieluise Jeitschko

Nächste Vorstellungen im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen Münster: 5. und 13. April. Karten: 0251-5909100.

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