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Staatstheater Wiesbaden begeistert mit Kleists »Michael Kohlhaas«

Artikel vom 05.02.2010 - 19.37 Uhr

Staatstheater Wiesbaden begeistert mit Kleists »Michael Kohlhaas«

Das Staatstheater Wiesbaden zeigt im Kleinen Haus Kleists »Michael Kohlhaas«. Das Ensemble spielte bei der Premiere mit viel Elan. Das Publikum war begeistert.
Während Kohlhaas (Michael Günther, 2. v. r.) sich ankleidet, kriegt Nagelschmidt (Oliver Breite, l.) einen Ausraster.	(Foto: Mar
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Während Kohlhaas (Michael Günther, 2. v. r.) sich ankleidet, kriegt Nagelschmidt (Oliver Breite, l.) einen Ausraster. (Foto: Martin Kaufhold)
»Michael Kohlhaas«, Kleists berühmte Novelle, hat den exemplarischen Fall eines Mannes zum Inhalt, den Betrug, mit Füßen getretenes Rechtsempfinden und sein verletztes Ehrgefühl zum Räuber und Mörder werden lassen. Dem echten Hans Kohlhase widerfuhr vergleichbare Rechtsverletzung, die ihn nach seinem Rachefeldzug grauenvoll enden ließ: Er wurde gerädert. Kleist lässt in seiner Novelle den in chaotischer Zeit besinnungslos zur Selbsthilfe greifenden Rosshändler und Mörder Michael Kohlhaas den Tod durchs Beil sterben.

Die Erzählung steht in klug gestraffter, stark akzentuierter Theaterfassung von Konstanze Lauterbach und Dramaturgin Dagmar Borrmann im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters auf der von Andreas Jander mit hölzerner Hausfront gestalteten Bühne. Glücklicherweise durchweg in Kleists Text, der in Anlehnung an den antiken Chor zwischendurch immer wieder erklärend oder kommentierend gesprochen wird. Die mimisch und gestisch lebhaft unterstrichenen und vom Ensemble deutlich artikulierten Szenen faszinieren. Die Alltagskleidung der kleinen Leute sowie die der Standespersonen schuf Karen Simon, die das Geschehen untermalende Musik Achim Gieseler.

Der als grundehrlich und gewissenhaft geltende Rosshändler Michael Kohlhaas gerät mit dem ihn übelst mitspielenden, ihn betrügenden Junker Tronka in Konflikt. Vergebens nach Gerechtigkeit suchend, greift er, als ihm auch noch die Frau ermordet wird, zu verhängnisvoller Selbsthilfe, die in Anarchie mündet und an den Grundfesten des Staates rüttelt. Der Rebell wird zum Amokläufer. Er schart seine Leute zusammen, brennt Tronkas Schloss nieder, verwüstet seine Besitzungen, plündert und mordet hemmungslos, wobei er weder Frauen noch Kinder verschont.

Da schaltet Martin Luther sich ein, verspricht dem Wahnsinnigen, vom Fürsten eine Amnestie zu erwirken, wenn er dem Morden ein Ende macht und redet ihm ins Gewissen. Doch die fanatisierte Anhängerschar hat Blut geleckt und macht weiter.

Gespielt wird von den durch Lauterbach individuell geführten 15 Darstellern (in über 40 Partien) mit umwerfendem Elan und blitzschnellem Wechsel der sehr unterschiedlichen Rollen. Glänzend Michael Günther als Kohlhaas. Ihm adäquat zur Seite stehen unter anderem Doreen Nixdorf als Lisbeth (und Wahrsagerin), Lars Wellings als arroganter Junker Tronka, Uwe Kraus als Luther (und Graf Wrede), Oliver Breite als Sächsischer Kurfürst (und Nagelschmied) sowie Jörg Zirnstein in der Partie des treuen Knechts Herse. Begeisterter Beifall für Regieteam und Ensemble. Britta Steiner-Rinneberg

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Artikel vom 05.02.2010 - 19.37 Uhr
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