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Sinfonieorchester Stuttgart in Wiesbaden

Artikel vom 18.07.2010 - 18.09 Uhr

Sinfonieorchester Stuttgart in Wiesbaden

Wilder Wind und mächtige Masse erstand zum Auftakt des Konzerts im Rahmen des Rheingau Musik Festivals vor den Ohren des Publikums, als Sir Roger Norrington am Samstag das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR durch die Ouvertüre zum »Fliegenden Holländer« führte.
Wilder Wind und mächtige Masse erstand zum Auftakt des Konzerts im Rahmen des Rheingau Musik Festivals vor den Ohren des Publikums, als Sir Roger Norrington am Samstag das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR durch die Ouvertüre zum »Fliegenden Holländer« führte - und die Hörer in Richard Wagners von der Naturgewalt des Ozeans inspirierte Tondichtung entführte. Die blechstrahlende Partitur wurde dabei kraftvoll umgesetzt in dem signalhaft aufstrebenden Holländer-Thema, während den Passagen mit den schön gespielten Bläsersoli etwas mehr lyrischer Kontrast gutgetan hätte. Die Musikfreunde im voll besetzten Thiersch-Saal des Kurhauses goutierten ein pastoses Gemälde von farbstarker, etwas behäbiger Valenz.

Nach Wagners assoziationsreicher Welt stand ein andersgeartetes Highlight der Romantik auf dem Programm: Robert Schumanns 1850 komponiertes Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129. Zurückhaltung und Noblesse machten hier den Unterschied zur grell-opulenten Malerei aus. Das ging bis in den Klang des Cellos hinein: Solist war der Frankokanadier Jean-Guihen Queyras - nach seinem Auftritt am 30. Juni mit dem Arcanto-Quartett in dieser Saison zum zweiten Mal beim RMF. Auch hier wieder gefiel er durch stilsichere Gestaltung in den drei ineinander übergehenden Tempi und bewies offenkundige Vertrautheit mit dem Stuttgarter Ensemble (er lehrt an der Musikhochschule der schwäbischen Hauptstadt), denn ein geschlossenes, homogenes Hörbild war die Stärke der Interpretation.

Mit drei Akkorden beginnt das Orchester, bevor das Cello das Hauptthema von seelenvoller Melodik vorstellt; dieses Thema verklammert die Sätze zu einer Einheit. Queyras' Cappa-Instrument aus dem Jahre 1696 passte mit seinem schlanken, seidig-sanglichen Ton wunderbar zu dem verinnerlichten Ausdruck besonders der träumerischen Momente. Sir Norrington leitete mit sparsamem Körpereinsatz und der notwendigsten Gestik das souverän musizierende Orchester, dessen Chef er seit zwölf Jahren ist. Der sympathische Dirigent gehört nicht zu jenen Pultstars mit extrovertiertem Temperament, bei denen das Publikum die Musik aus den Bewegungen »lesen« kann.

Queyras' sensible Darbietung wurde mit anhaltendem Beifall belohnt, und er bedankte sich mit einer beispielhaft sauber intonierten Etüde des Cellisten und Komponisten Jean-Louis Duport (1749-1819).

Nach der Pause erklang Antonin Dvoraks 7. Sinfonie d-Moll op.70, die 1884 in London uraufgeführt wurde. Das Düster-Bedrohliche im Beginn der Sinfonie erinnert von fern durchaus an Wagners Holländer-Stimmungsbilder; auch hier kontrastieren die Leidenschaft im Hauptthema und die Ruhe des Seitenthemas, in dem die Holzbläser ihre besondere Qualität zeigten. Im Poco adagio erschienen die lyrischen Passagen ein wenig massiv. Dem etwas statisch wirkenden Satz folgte ein Scherzo von volkstümlich-tänzerischem Rahmen-Charakter mit einem melancholischen Einschub.

Insgesamt lebendig gelang das Finale mit seinen dramatischen Steigerungen und dem »Bläserwind« darin, der mit etwas mehr gespenstischem Ausdruck zu einem plastischeren Bild hätte beitragen können.

Slawische Gefühls-Extreme hatten in der Darbietung der Stuttgarter keinen Platz: Norrington verzichtete auf ekstatische Ausbrüche in dieser komplexen, im Zusammenspiel und in den einzelnen Parts anspruchsvollen Sinfonie zugunsten eines soliden, geschlossenen Gesamteindrucks.

Das Publikum war's zufrieden und spendete herzlichen Applaus. Olga Lappo-Danilewski

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Artikel vom 18.07.2010 - 18.09 Uhr
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