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Schauspiel Frankfurt zeigt »Wilhelm Meisters theatralische Sendung«

Artikel vom 30.08.2010 - 20.19 Uhr

Schauspiel Frankfurt zeigt »Wilhelm Meisters theatralische Sendung«

Der Glaube an die einende Kulturnation und das aufklärerische Selbstbildungsprinzip bleiben Worte. Im Hintergrund Kirchenmusik, sakral, kryptisch, fast gregorianisch, auch ein bisschen Burschenschaft und Ostermesse in Auswahl von Sir Henry. Hauptsächlich Hugo Wolf und Bach. 27 Liedteile singt der gemischte vierstimmige Chor der EuropaChorAkademie in den Raum, der synthetisiert mit Licht und spießig steifen Roben das alte Deutschland ergibt, in dem »nur dem Edelmanne gewisse persönliche Ausbildung« vorbehalten war, während das Bürgertum durch seinen Arbeitsethos definiert und in Schach gehalten wurde.

Den mitteleuropäischen Wahrnehmungsmodus ab absurdum zu führen, ist die große Stärke des Stücks. Der Dynamik des Lichts und der Ideen stehen Gesang, Bewegung und Wort meist diametral gegenüber. Selbst ein zweimaliges Tutti tritt mit den Pendelbewegungen der Schauspieler auf der Stelle. Die Crescendi saufen ab. Wieder redet der Meister nur. Der Unterton bleibt, selbst der von Nimtz vorgeschlagene, kapitalistische Gegenentwurf nach Worten von Karl Marx klingt bloß dahergesagt - und deshalb akut aktuell. Der Deutschland-Raum bleibt schwarz-weiß-kariert. Das ist die deutsche Krankheit: »Nicht in deinem Stande, sondern in dir liegt das Armselige.« Christina Mohr



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Artikel vom 30.08.2010 - 20.19 Uhr
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