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Niedeckens »Liedertafel« in der Stiftsruine

Artikel vom 10.05.2009 - 18.56 Uhr

Niedeckens »Liedertafel« in der Stiftsruine

Mit musikalischer Prominenz garnieren die Festspiel-Verantwortlichen im osthessischen Bad Hersfeld seit einigen Jahren ihren Probenbeginn samt Vorstellung der Ensembles, mit denen anschließend die Festspiele bestritten werden. Nach Konstantin Wecker und Götz Alsmann in den Vorjahren waren an diesem Samstag der Kölner Musiker Wolfgang Niedecken mit BAP und zwei hochkärätigen Gästen in der Stiftsruine zu sehen und zu hören - »unplugged«, wie sich das für eine Klassik-Bühne ziemt.
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Intendantin Elke Hesse nannte dieses Gastspiel gar eine »Sensation« für »Bap Hersfeld«, wo dann vom 13. Juni bis 2. August Theater gespielt wird: »West Side Story«, Kleists »Käthchen von Heilbronn« und »Odyssee« sowie »Pension Schöller«.

Das mit der »Sensation« kam nicht von ungefähr: Binnen 75 Minuten war unlängst der Vorverkauf für das BAP-Gastspiel beendet, waren alle 1300 Tickets vergriffen. Dass die Geschichte dieses einen Konzerts bereits vergangenen Sommer auf Naxos begonnen hatte, konnte man während jeder Minute dieser dreieinhalbstündigen Veranstaltung spüren: Das war von langer Hand vorbereitet, mit viel Liebe zum Detail. Niedeckens »Liedertafel« barg ausschließlich Schätze und Kleinode, darunter eine Reihe aktueller »Radio Pandora«-Lieder, ein »Marokko-Block« inklusive der Rumba »Wünsch mir Du wör’s he«, ein paar Kölsche Mantras - und ein andalusisch anmutendes »Verdamp lang her«-Arrangement.

Sting-Percussionist Rani Krija war die erwartet filigran agierende Ergänzung von Rhythmus- ebenso wie von Klangfraktion, Geigerin Anne de Wolff (»Rosenstolz«) erweist sich mehr und mehr als Glücksfall für BAP. Mit ihrer Fidel macht sie die Dylan-Adaptionen erst rund, mit der Bratsche knüpft sie bei Bedarf maghrebinisch-orientalische Klangteppiche. Sie ist am Satzgesang beteiligt, greift auch zum Akkordeon. Was noch hinzu kam an diesem wie im Flug vergehenden Abend: Niedeckens Lichttechniker nutzten die ganze Bandbreite der Hersfelder Festival-Infrastruktur. Das forderte auch des Sängers »bessere Hälfte« heraus: Tina Niedecken, Fotografin, mitten im Publikum sitzend, dokumentierte jedes der rund 25 verschiedenen Bühnenbilder mit der »Taschen-Digi«. Wer weiß, ob man das nicht noch einmal brauchen kann.

no/Fotos: no

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