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Monster Truck macht im Mousonturm Musiktheater

Artikel vom 04.03.2010 - 10.00 Uhr

Monster Truck macht im Mousonturm Musiktheater

Das Kollektiv Monster Truck macht Musiktheater: Die Performance »Everything is Flux Redux« rauschte durch den Frankfurter Mousonturm.
Seltsame Wesen in verwirrenden Handlungen: Das Performancekollektiv Monster Truck arbeitet sich in Frankfurt ab.	(Foto: Teuwen)
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Seltsame Wesen in verwirrenden Handlungen: Das Performancekollektiv Monster Truck arbeitet sich in Frankfurt ab. (Foto: Teuwen)
Man kennt das Theater, in- und auswendig, frontal oder von den Seiten, und manchmal auch von hinten. Aber wie sieht es eigentlich von unten aus? Im Frankfurter Mousonturm wurde das Publikum, grüppchenweise in einer dunklen Box aus dem Foyer in den Bühnenraum gerollt und fand sich schließlich in einer Art mannshohem Käfig wieder, auf dessen Gitterdach sich wundersame Szenen ereigneten. Da rollten, radelten und randalierten fünf Gestalten mit Schulranzen und Mickey-Maus-Ohren aus Lautsprecherboxen zentimeternah über den Zuschauerköpfen, es wurde staubgesaugt und Bier hinaufgeangelt, hinabgereicht wurden im Austausch rätselhafte Botschaften auf Papierröllchen, dazu Würstchenketten, Karotten und Weintrauben.

Das Performancekollektiv Monster Truck, das hier am Werk ist, wurde 2005 in Gießen von Studierenden des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft gegründet, mittlerweile lebt und arbeitet die Gruppe in Berlin. Zahlreiche Performances und Installationen haben sie mittlerweile entwickelt und an renommierten Spielstätten und Festivals in ganz Deutschland gezeigt, charakteristisch ist die bildgewaltige Ästhetik; ferne Fantasiewelten zwischen Bombast und Trash.

Die Arbeit »Everything is Flux« entstand im Frühjahr 2009 als Förderprojekt des Fonds Experimentelles Musiktheater für das Düsseldorfer Schauspielhaus. Mit der Initiative werden Künstler zu spartenübergreifender Arbeit ermutigt - Monster Truck arbeitete mit einem Komponisten zusammen. Mittlerweile gehen sie wieder getrennte Wege; am Mousonturm zeigte die Gruppe nun erstmals eine neue Version der Arbeit mit der Ergänzung »Redux« im Titel, mit eigenen Tönen und in anderer Besetzung. Auf der Bühne standen neben dem aktuellen Stamm des Kollektivs (Manuel Gerst, Matthias Meppelink, Sahar Rahimi und Ina Vera) die beiden Gäste Alice Ferl und Marcel Schwald.

Das Bewusstsein für Klang und die Musikalität von Szenen blieb erhalten und wurde sorgfältig ausgebaut. Die Inszenierung ist wortlos, der ausgeteilte Liedtext zu Vangelis’ »Conquest of paradise« schreibt strophenweise die rhythmisch gemurmelten »Ms« vor - die Musik wird zum Medium der Kommunikation. »Everything is Flux« ist von H. G. Wells Science-Fiktion-Roman »Timemachine« inspiriert - frei assoziiert man eine Reise durch die Zeit, sieht seltsame Wesen in verwirrenden Handlungen agieren, vergleicht oben und unten, denkt an Metropolis und Ähnliches und rätselt über die eigene Rolle im Geschehen. Wird man gemästet? Oder gefangen gehalten?

Derweil haben die Akteure eigene Probleme: Es wird gekämpft, ein König stirbt in einer Wanne voll Blut, ein Held wird neben einem Haufen Kassettenrekorder begraben. Schließlich ein rettender Ritter im hellblau gestrickten Kettenanzug auf einem verwahrlosten weißen Wasservogel, grob durch die Zuschauer gezerrt, die endlich aus ihrem Käfig entlassen werden und die Installation von außen umkreisen können.

Eine Freiheitsikone im Wurstscheibengewand führt mit einer Glühbirne in die neue Welt. Es bleiben drei erschöpfte Gestalten, die auf Schultüten ein heulendes Wolfskonzert tröten. Zitate, Samples und Kommentare sind weder zu übersehen noch zu überhören: Monstertruck macht Musiktheater - und so sieht es auch aus. Mein lieber Schwan!

Das Ganze mit einer Wagner-Oper zu verwechseln, ist aber nicht zu befürchten, dabei trägt das Spektakel durchaus Züge eines Gesamtkunstwerks - gigantisch, gewaltig, vereinnahmend und verausgabend.

Anna Teuwen

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Artikel vom 04.03.2010 - 10.00 Uhr
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