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Mit dem »Rheingold« startet Pariser Oper neues »Ring«-Projekt

Artikel vom 05.03.2010 - 19.23 Uhr

Mit dem »Rheingold« startet Pariser Oper neues »Ring«-Projekt

Mit dem »Rheingold« startet die Pariser Oper ihr neues »Ring«-Projekt von Philippe Jordan und Günter Krämer. Herausgekommen ist weniger ein psychologisierender Auftakt-Thriller als vielmehr eine Germanenshow zwischen Revue und Comic.
Mit roten Fahnen gen Germania: In Paris ist Wagners »Rheingold« weniger ein psychologisierender Auftakt-Thriller, sondern eher R
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Mit roten Fahnen gen Germania: In Paris ist Wagners »Rheingold« weniger ein psychologisierender Auftakt-Thriller, sondern eher Revue und Comic. (Foto: Opéra national de Paris, Charles Duprat)
In Bayreuth haben sie immer noch keinen Regisseur dafür, in Leipzig macht man es gleich ohne. Die Berliner Lindenoper beginnt damit schon mal an der Scala, und in Frankfurt startet am 2. Mai das große, eigenproduzierte »Ring«-Schmieden fürs Wagnerjahr 2013. Man kann vieles gegen Nicolas Joel sagen, aber immerhin garniert auch er seine Kehrtwende, weg von Gerard Mortiers Pariser Intermezzo, mit einem kompletten »Ring«- Zyklus. Dem ersten in Paris seit Hans Knappertsbusch vor über 50 Jahren.

Bei Peter Stein und Georg Solti blieb es 1976 beim »Rheingold«. Da werden sie jetzt wohl, schon mit Blick aufs Wagner-Jahr 2013, für das die Tetralogie am Stück schon eingeplant ist, mehr Ausdauer haben. Mit Günter Krämer, der Anfang der Neunziger in Hamburg den »Ring« schon einmal inszeniert hat. Auch Philippe Jordan hat sich in Zürich schon einmal am langen »Ring«-Atem erprobt.

Krämer liefert nun in Paris weniger den psychologisierenden Auftakt-Thriller als eine Germanenshow zwischen Revue und Comic - mit zumindest behaupteter tieferer Bedeutung. Mit Selbstzitaten, wie der bei Krämer obligaten, effektvollen Spiegelwand, und schönen Einfällen, wie den wellenden Rheinwasserpflanzen aus roten Langhandschuhen, zwischen denen die schaukelnden Rheintöchter verschwinden; einer Weltenkugel im goldenen Koordinatengitter; oder dem mit einfachsten Theatermitteln als bedrucktes Wolkentuch hingewedelten Regenbogen.

Doch auch mit Versatzstücken aus der reichlich frequentierten »Ring«-Kiste wie dem abgehackten Alberich-Finger oder den kohleverschmierten Grubenarbeiter-Nibelungen auf Knien. Offen plakativ-politisch wird’s dann, wenn die Riesen ihre Leute mit roten Fahnen in den Saal stürmen lassen, um vom archaisch brustbepanzerten, nicht allzu clever dreinschauenden Wotan Vertragstreue einzufordern.

Dass Fafner dann nicht nur zum goldbarrenversessenen Brudermörder, sondern gleich noch zum faschistoiden Sklaventreiber mutiert, der auch nach der Bezahlung noch dafür sorgt, dass seine Leute, die wohl größte Tribünentreppe der Operngeschichte an die Rampe ziehen, gehört zu dieser besonderen, etwas holprigen »Ring«-Dialektik, bei der sich die Götter als Germanenanführer stilisieren, denen turnendes, männliches Jungvolk die Großbuchstaben für ein Walhall hinterherschleppt, das hier natürlich Germania heißt.

Das ist meist zumindest unterhaltend, wenngleich oft in den Abläufen erstaunlich unscharf mit der Musik abgestimmt. Stimmlich wird in Paris mit reichlich Wasser gekocht. Falk Struckmanns Wotan ist bestenfalls routiniert.

Spitzenniveau liefern lediglich Sophie Koch (Fricka), Qiu Lin Zhang (Erda) und vor allem Günter Groissböck (Fafner) und Iain Paterson (Fasolt). Der Mittdreißiger Jordan lässt keinen Zweifel daran, dass er den ganzen »Ring« schon im Visier hat, kann sich aber anfangs zurücknehmen, um dann doch im Finale den großen Ton aufzutragen, der im bombastischen Sound das drohende Unheil schon mitschwingen lässt. Den Mut zu mehr dramatisch ausleuchtendem Furor wird er da schon noch finden.

Joachim Lange

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Artikel vom 05.03.2010 - 19.23 Uhr
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