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Jubel für die »Götterdämmerung« in Frankfurt

Artikel vom 30.01.2012 - 19.50 Uhr

Jubel für die »Götterdämmerung« in Frankfurt

In goldenem Lichte leuchtet der Ring: »Götterdämmerung« setzt den Schlussakkord für die neue Frankfurter Wagner-Tetralogie. Jubel besonders für die Musiker.

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Dämmert’s Siegfried (Lance Ryan) bei diesem Anblick? Gutrune (Anja Fidelia Ulrich) schärft sich die Lippen. (Foto: Monika Rittershaus)
Die vier konzentrischen Ringe sind zur kargen kreisförmigen Bühnenfläche geschlossen. Kein mystischer Lichtzauber im Prolog entrückt die Realität, wenn die drei Nornen ihre Seile aufrollen. Die Weltesche gibt es nicht in dieser »Götterdämmerung«, vielmehr sind es die erstarrten Götter selbst, die in das blutrote Gespinst einbezogen werden, bis Alberich im goldenen Anzug und unbemerkt von den Schicksalsweberinnen, über die Bühne schleicht, das Messer zückt – und wieder verschwindet: »Das Seil – es riss!« Und am Ende ist es auch der Mann im Glanzanzug, der es mit einem goldenen Lichtblitz als Warnung ins Publikum schreit: »Zurück vom Ring.«

Am Sonntag wurde in der Frankfurter Oper Wagners Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« mit der Premiere der »Götterdämmerung« abgeschlossen. Damit ist der erste Durchgang einer »Ring«-Produktion geleistet, die im Mai 2010 mit dem »Rheingold« begann. Da standen Aktion, Ironie und Tiefgründiges nebeneinander, und Regisseurin Vera Nemirova hat diese Elemente im Welttheater der »Götterdämmerung« beibehalten. Sie stellt auch Bezüge zu den vorangegangenen »Ring«-Teilen her (so findet sich zu Beginn die mutierte Göttergruppe ähnlich dem Schluss von »Rheingold«).

Naturgemäß nimmt das erzählerische Element in den langen Mono- und Dialogen hier breiteren Raum ein, die jedoch dank schauspielerischer Feinheiten keine Längen aufkommen ließen. Die Charaktere sind sinnvoll durchgestaltet bis hin zum tragikomischen Gunther, der in seiner Gegenwärtigkeit sehr gut ankam. Zum Schluss reift er gar zu menschlicher Größe: Er steht dem sterbenden Siegfried bei – und begreift.



Resignation ist fehl am Platz



Manche Ideen dagegen überzeugen nicht: Brünnhilde reißt ihrem falschen Eroberer die Brille vom Gesicht und gibt dann unspektakulär ihren Ring ab; Resignation passt nicht in diese dramaturgisch wichtige Szene. Zur musikalischen Opulenz des Weltenbrandes (»Starke Scheite schichtet mir«) ballt sich der Chor zum rotierenden Knäuel mit Lämpchen zusammen, während Brünnhilde ganz vorn im Spot ihren herrlichen Abschiedsmonolog zu singen hat. Das mag ins Konzept passen, nimmt jedoch der Schlussszene Kraft. Witzig und zeitgemäß erscheinen die Rheintöchter in Gummistiefeln, den Glitzerfummel unter Wetterjäckchen, mit ihrer Demo »Rettet den Rhein« in einer Megafon-Pantomime. Sie »fahren« im Schlauchboot auf einem der separat schräg gestellten, rotierenden Ringe.

Held Siegfried, gerade frisch dem Bade und der liebevollen Waschung durch Brünnhilde entstiegen, geht auf Rheinfahrt – im Schlauchboot und in güldenes Licht gehüllt, ein wenig Kitsch darf sein. Brustpanzer und Flügelhelm gehören ebenso zur Ausstattung wie moderne Sport- und Alltagskleidung (Kostüme: Ingeborg Bernerth). In der Lounge der Burgundenresidenz (der Sicherheitstrakt ist mit äugenden Monitoren ausgerüstet) zeigt sich eine Variante der genialen Bühnenkonstruktion von Jens Kilian, die von kosmischen Dimensionen bis zum Bunker alles möglich macht. Nicht zu vergessen die gezielte Lichtregie (Olaf Winter), die mit Andeutungen sowie grellen Akzenten klaren Vorgaben folgt.



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Artikel vom 30.01.2012 - 19.50 Uhr
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