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Händels »Alessandro« bei den Maifestspielen in Wiesbaden

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Artikel vom 26.05.2013 - 18.16 Uhr

Händels »Alessandro« bei den Maifestspielen in Wiesbaden

Händels »Alessandro« wurde bei den Maifestspielen in Wiesbaden bei der Premiere zum Tourneeauftakt bejubelt.

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Alessandro (Max Emanuel Cencic) strahlt zwischen zwei Prinzessinnen: Rossane (Blandine Staskiewicz, l.) und Lisaura (Adriana Kucerova). (Foto: Kaufhold)
Barockoper boomt. Und wenn so ein Knaller wieder ausgegraben und nach langer Zeit zur Aufführung neu eingerichtet ist, steigt die Spannung. Nach der hochgelobten CD-Produktion von Georg Friedrich Händels »Alessandro« ist nun das Spiel um den göttergleichen makedonischen Herrscher erstmals in fast identischer Besetzung in Szene gegangen. Die Europapremiere des Projektes von Armonia Atenea, Parnassus Arts, Opéra Royal de Versailles und des Händel-Festivals in Halle fand am Samstag im Rahmen der Maifestspiele in Wiesbaden ein restlos begeistertes Publikum. Jubel für »Alessandro« im Großen Haus! Händels Dreiakter wird danach szenisch in Versailles, Bad Lauchstedt und in Athen zu erleben sein, konzertant in weiteren europäischen Städten.

Die österreichisch-griechische Koproduktion mit dem Ensemble Armonia Atenea unter Leitung von George Petrou hat in Lucinda Childs eine kongeniale Regisseurin gefunden, die Barock und Gegenwart geschickt ausbalanciert und die Dramatis Personae sensibel führt; die Bühne von Paris Mexis mit der Spannung zwischen opulenten, historisierenden Kulissen und nüchternem Stage-Ambiente in den Kammerspielszenen unterstreicht effektvoll das turbulente Spiel um Krieg und Macht, um verzwickte Liebeswirrungen und Rivalentum, das schließlich mit der Versöhnung aller endet.

Prächtiger Kostümbarock und das Flair der Goldenen Zwanziger korrespondieren dabei miteinander. Die Handlung wird narrativ kommentiert von Tänzern (Childs ist professionelle Choreografin). Ein bemerkenswertes Aufgebot von Counterstimmen und zwei großartige Sängerinnen bringen Glanz auf den Spuren berühmter Bühnengrößen des 18. Jahrhunderts: des Kastraten Senesino, der Primadonnen Bordoni und Cuzzoni, Stars in Händels Londoner Produktionen. Senesino gab 1726 in der Uraufführung Alexander den Großen, dessen Historie dem Komponisten und seinem Librettisten Paolo Rolli als Folie diente.

Der unbestrittene Gesangsgott des aktuellen Abends war Max Emanuel Cencic, der mit Jaroussky und Mehta zum derzeit angesagtesten Trio hoher Männerstimmen zählt und in seiner flexiblen Mezzolage wohl die heldischste Tönung repräsentiert. Seine Intonation blieb selbst beim Steppen in königlichen Barockpumps ohne Fehl und Tadel.

Die dunkelste Klangfarbe als Countertenor brachte Xavier Sabata auf die Bühne als Tassile. Er liebt die skythische Prinzessin Lisaura, die wiederum Alessandro liebt. Diesen liebt auch die persische Prinzessin Rossana; er wiederum flirtet mit beiden. Das zeitigt unterhaltsamen Spott, Schmacht- und Zornesarien. Herrlich Lisauras emotionaler Ausbruch »No, più soffrir non voglio«, den Adriana Kucerova mit verzwirbelten Koloraturen zu rasselnden Bläser- und Streicherklängen zu einem der zahlreichen virtuosen Glanzlichter machte.

Äußerlich ebenso attraktiv und gesanglich auf der Höhe brillierte Blandine Staskiewicz als mondäne Rossane. Gelungen der Beginn des zweiten Aktes mit ihrer melancholischen Reflexion um Liebe und Sehnsucht bei Vollmond.



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Artikel vom 26.05.2013 - 18.16 Uhr
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