HR-Sinfonieorchester eröffnet Saison in der Alten Oper
Das HR-Sinfonieorchester hat die Saison mit einer großartigen Interpretation osteuropäischer Meister eröffnet. Am Klavier: Ewa Kupiec.
Brillanter Saisonauftakt in der Alten Oper: Pianistin Ewa Kupiec. (Foto: HR)
Der Saisonauftakt des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt stand ganz im Zeichen Osteuropas: Nicht nur die beiden hochkarätigen Gäste - Dirigent Stanislaw Skrowaczewski und Pianistin Ewa Kupiec - wurden in Polen geboren. Auch die Familien Frédéric Chopins und Dmitrij Schostakowitschs, deren gigantische Werke die Musiker gemeinsam mit dem heimischen Orchester am Donnerstag- und Freitagabend präsentierten, stammen zum Teil aus unserem östlichen Nachbarland. Kupiec und Skrowaczewski, beide bestimmende Figuren der polnischen Musik, gelang eine stilechte und ergreifende Interpretation des ersten Klavierkonzerts Chopins; auch Schostakowitschs fünfte Sinfonie beeindruckte durch ihre gewaltige Intensität.
2010 darf er auf den Bühnen nicht fehlen: Frédéric - eigentlich Fryderyk - Chopin feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Als Schöpfer genialer Klaviermusik ist er den meisten durch seine Walzer bekannt; hat er doch nur wenig für andere Instrumente und Orchester komponiert. Seine beiden Klavierkonzerte, von denen das HR-Sinfonieorchester das als zweites geschriebene, aber zuerst erschienene Konzert e-Moll spielte, gehören jedoch zum Kanon des internationalen Musiklebens.
Internationale Aufmerksamkeit kommt ebenso Skrowaczewski zu: Der 86-jährige Dirigent und Komponist wartet seit einem halben Jahrhundert mit großen Erfolgen auf, seit 1979 war er mehrmals mit den HR-Sinfonikern als Gastdirigent aktiv. Gemeinsam mit Kupiec am Flügel gelang ihm mit Chopins Klavierkonzert ein brillanter Saisonauftakt. Obwohl die Solistin mit ihren effektvollen Läufen, zarten Themen und tänzerischen Passagen immer den Mittelpunkt des Geschehens bildete, war das Orchester mehr als eine harmonische Klangkulisse: Orchester und Pianistin atmeten zusammen, Chopins transzendente Leichtigkeit schwebte im Raum.
Den Charakter der drei frühromantischen Sätze spürten Musiker und Publikum in aller Intensität. Der erste Satz stand im Zeichen lyrischer Themen, die vom Orchester exponiert und vom Piano aufgegriffen und weitergeführt wurden. Die Kadenz, deren Basstriller in der linken Hand dem Konzert einen düsteren Anstrich gaben, forderte das Können der brillanten Pianistin.
Den emotionalen Mittelpunkt des Werkes bildete die als Romanze betitelte Nocturne. Chopin, der den zweiten Satz seines Klavierkonzerts mit »einer Träumerei bei Mondenschein zur schönen Frühlingszeit« beschrieb, fordert hier subtile Schattierungen, die das Orchester und die Pianistin zu einer bemerkenswerten Klangwirkung steigerten. Mitreißend mutete das Rondo an: Die im Vivace vorgetragene stilisierte Volksmusik beendete das Klavierkonzert mit Verve. Die virtuosen Passagen meisterte Kupiec in allen drei Sätzen mit großer Fingerfertigkeit - wie warme Regentropfen perlten die Kaskaden, lieblich und melancholisch zugleich; die Pianistin erntete begeisterten Applaus.
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