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HR-Sinfonieorchester eröffnet Saison in der Alten Oper

Artikel vom 05.09.2010 - 19.26 Uhr

HR-Sinfonieorchester eröffnet Saison in der Alten Oper

Die fünfte Sinfonie Schostakowitschs kam wie ein Sturmgewitter daher. Mächtig und kühn intonierte das Orchester unter Dirigent Skrowaczewski die Komposition. Damit wurde man der Geschichte des viersätzigen Werks in d-Moll gerecht: Auf dem Höhepunkt des stalinistischen Terrors rehabilitierte sich der damals 31-jährige Schostakowitsch nach massiven Angriffen der Kommunistischen Partei mit der 5. Sinfonie, ohne sich musikalisch zu verraten. Die weitgehende Rückkehr zur Tonalität und die klassische Form stimmten die Zensoren gnädig - sie bemerkten nicht, dass sich unter dem optimistischen Jubel des Finales andere Intentionen verbargen.

Skrowaczewski, der als Komponist im Vorfeld noch einmal Hand angelegt und bestimmende Passagen gemeinsam mit dem Orchester besonders herausgearbeitet hatte, brachte die dem Stück innewohnende Ambivalenz klanggewaltig zum Ausdruck. Die energische Gestik des Moderato im doppelt punktierten Rhythmus versiegte im dritten Takt; die Violinen hoben im Piano eine ausgedehnte melodische Phrase elegischen Charakters an. Das zarte Thema der ersten Violinen wurde nach und nach zum lärmenden Militärmarsch entstellt - im Anschluss erklangen die Streicher im Unisono der eintönigen Stimme der Parteidirektive.

Bitterer Sarkasmus auch im Allegretto: Durchdringende Blechbläser unterbrachen die mit Leichtigkeit vorgetragenen Passagen der Soloviolinen; ein grotesker Ländler beendet das unorganische Zwiegespräch. Das Largo des dritten Satzes kulminierte in Resignation und Trauer, klagende Laute der Klarinette, des Xylophons und des Klaviers wurden von den Streichern getragen. Das Finale im Allegro non troppo durchbrach mit scheinbar jubelnden Passagen die melancholische Stimmung - zu sehr aufgesetzt wirkte allerdings der Optimismus, als dass er für echt angesehen werden konnte.

Mit satten Cello- und Bassklängen, pointiertem Schlagwerk und fein ausgeführten Solopassagen sorgten Skrowaczewski und das Sinfonieorchester für Begeisterung im Publikum: Niemand konnte sich der Klangkraft entziehen, die Musiker wurden mit stürmischem Applaus belohnt. Christina Rühl



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Artikel vom 05.09.2010 - 19.26 Uhr
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