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Famoses Gedenkkonzert in Dresden mit Christian Thielemann

Artikel vom 18.02.2010 - 19.50 Uhr

Famoses Gedenkkonzert in Dresden mit Christian Thielemann

Gedenkkonzert in Dresden: Christian Thielemann wandelt mit Beethovens »Missa solemnis« auf Karajans Spuren. Die Sächsische Staatskapelle, der Chor und die Solisten überzeugen.
Ohne Partitur und ohne Taktstock: Christian Thielemann führt in Dresden die Sächsische Staatskapelle, den Chor und die Solisten
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Ohne Partitur und ohne Taktstock: Christian Thielemann führt in Dresden die Sächsische Staatskapelle, den Chor und die Solisten mit sicherer Hand durch Beethovens »Missa solemnis«. (Foto: Matthias Creutziger)
»Dona nobis pacem« - mit dieser inständigen Bitte endet Beethovens monumentale »Missa solemnis«. Selten hatte sie eine derart kathartische Wirkung wie beim jüngsten Sinfoniekonzert in der Dresdner Semperoper unter Christian Thielemann. Traditionell seit 1951 widmet die Sächsische Staatskapelle mit zwei Konzerten (wir besuchten die zweite Aufführung) dem Gedenken der Bombenangriffe von 1945. Und natürlich wächst einer solchen Friedensbitte angesichts der Aufmärsche von Neonazis eine noch größere Bedeutung zu. Noch wenige Tage vor dem Konzert hatte Isang Enders, 22-jähriger Solocellist der Kapelle, seine Teilnahme an dem Konzert aus Angst und Protest gegen den Rechtsextremismus abgesagt. Damit wären noch nicht alle Turbulenzen genannt, die das politische und kulturelle Leben Dresdens in den vergangenen Tagen und Wochen zu verkraften hatte. Denn ferner machen der Semperoper, die zeitgleich ihr 25-jähriges Jubiläum feiert (wir berichteten), die Zwistigkeiten mit Fabio Luisi zu schaffen.

Unerwartet hatte der Italiener seinen 2012 auslaufenden Vertrag als Generalmusikdirektor vorzeitig gekündigt, nachdem er erfahren hatte, dass sein Orchester in diesem Jahr ein vom ZDF zu übertragendes Silvesterkonzert mit Thielemann plant. Ob Luisi zur Vertragserfüllung gezwungen werden kann, ist eine rein juristische Angelegenheit - noch gibt es für die anstehenden Premieren keinen Ersatz für ihn.

Nur so viel konnte Thielemann am Rande eines Pressegesprächs klarstellen: Dass das ZDF schon vor langer Zeit mit der Idee an ihn herangetreten war, ihn mit welchem Orchester auch immer für ein Silvesterkonzert gewinnen zu wollen. Nun schien die Zeit reif, und eine andere Option für ein Silvesterkonzert hätte ohnehin nicht existiert.

All diese Spannungen und Misslichkeiten - sie fielen nun ab von den Musikern, und auch vom Publikum, das, wie üblich bei den Gedenkkonzerten, in aller Stille stehend das Ereignis ausklingen ließ.

Im Ganzen war dies ein großes musikalisches Erlebnis, auch wenn man nicht umhinkommt, dass diese »Missa« mit ihrer monumentalen Partitur, ihrer komplizierten, polyphonen Satztechnik und sinfonischen Dramatik ein sperriges, schwer verständliches Werk ist.

Eines noch dazu, das an den Chor und an die Solisten mit seiner instrumentalen Ausrichtung höchste Anforderungen stellt. Schon die grandiose Konzertsängerin Elisabeth Schwarzkopf befand den Sopransolopart als einen der heikelsten der Literatur, vor allem das Solo im »Benedictus« mit plötzlichen Fortissimo-Ausbrüchen und vielen aufsteigenden Skalen, die in einem Pianissimo münden.



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Artikel vom 18.02.2010 - 19.50 Uhr
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