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Doppelpremiere an der Wiesbadener Oper

Artikel vom 14.03.2010 - 18.42 Uhr

Doppelpremiere an der Wiesbadener Oper

Gianni Schicchi tritt hinzu und ist mit seinen Ideen der bigotten Erbschleichergesellschaft immer um eine Nasenlänge voraus. Das Problem nämlich: Der Verstorbene hat in seinem Nachlass alles der Kirche vermacht. Ein neues Testament soll her, und der schlaue Schicchi legt sich statt Don Buoso ins Bett und mimt den Todkranken, der sein Testament diktiert. Der vermeintlich Sterbende vermacht »seinem alten Freund Gianni Schicchi« dabei den Hauptteil... Dieser auch mit Körpergröße bühnenfüllende Bariton ist der Bulgare Kiril Manolov, jüngst hier als Falstaff in der Gunst des Publikums, das er stets mit starker Darstellung in den Bann zieht. Jede der zahlreichen weiteren Figuren der italienischen Buffa erwies sich als passend besetzt und vervollständigte die bunte Gesellschaft mit individueller Optik.

Die Regie setzte in diesem Einakter auf Aktion und burleskes Spiel in Kontrast zum eher dezent geführten Vorgängerstück. Hier wie dort hat das Orchester eher dienende Funktion, unterstreicht karikierend, was gerade abläuft. Leitmotivische Verwobenheit und originelle Harmonien sind beiden Opern gemeinsam ebenso wie der vorwiegende Deklamationsstil. Das weitgehende Fehlen von eingängiger Melodik macht den überraschenden Reiz des späten Werks von Puccini aus. Am Pult des Staatstheater-Ensembles stand Marc Piollet, der seine Musiker wie gewohnt sensibel, nervig und temperamentvoll durch die französische und italienische Tonsprache führte und dabei die Feinheiten der Partituren nie aus Augen und Gestik verlor.

Olga Lappo-Danilewski



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Artikel vom 14.03.2010 - 18.42 Uhr
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