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Doppelpremiere an der Wiesbadener Oper

Artikel vom 14.03.2010 - 18.42 Uhr

Doppelpremiere an der Wiesbadener Oper

Zwei Einakter, witzig, ironisch, dabei ebenso eingängig wie musikalisch kunstvoll, bringt die Wiesbadener Oper jetzt an einem Abend heraus: Ravels »Die spanische Stunde« und Puccinis »Gianni Schicchi«.
Die gierige Verwandtschaft sitzt in »Gianni Schicchi« bei Tisch: Szene mit Betsy Horne, Erik Biegel, Bernd Hofmann, Felipe Rojas
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Die gierige Verwandtschaft sitzt in »Gianni Schicchi« bei Tisch: Szene mit Betsy Horne, Erik Biegel, Bernd Hofmann, Felipe Rojas Velozo, Reinhold Schreyer-Morlock und Merit Ostermann (v. l.).
So unterschiedlich wie die beiden Komponisten Maurice Ravel und Giacomo Puccini sind, macht gerade ihre Kombination den Reiz der Neuproduktion aus: Am Samstag hatten im Staatstheater »Die spanische Stunde« und »Gianni Schicchi« Premiere. Die Theaterbesucher fühlten sich von beiden Komödien gut unterhalten und honorierten dies mit ausgiebigem Beifall - besonders nach dem prall dargebotenen Spaß um eine erbgeile Florentiner Familie und ein gefälschtes Testament.

Musikalisch von hohem Reiz gibt sich Ravels 1911 in Paris uraufgeführte »L'heure espagnol«. Unabdingbar ist eine französische Aufführung wie auch in Wiesbaden (mit Übertitelung), da die Sprachmelodie mit dem Gesangsparlando Hand in Hand geht. Das etwa einstündige Stück heißt denn auch »musikalische Komödie«, da das Schauspiel betont ist und die Musik zwar Atmosphäre schafft, aber in erster Linie die Schilderung des Geschehens und der Charaktere unterstreichend begleitet - ob es die tickenden Uhren im Hause des Uhrmachers und seiner schönen Frau Concepción sind oder die spanischen Anklänge frei nach »Carmen«, die dem Liebhaber Gonzalvo zugeordnet sind. Besondere Farben instrumentaler Akzente wirken extra griffig bei den komischen Momenten, Jazziges nicht ausgenommen. So gesehen ist Ravel eher auf der Höhe der Zeit gewesen als sein italienischer Kollege Puccini, dessen »Schicchi« 1918 uraufgeführt wurde. Nun sind allerdings italienische und französische Tradition ohnehin zwei unterschiedliche Stränge in der Musikgeschichte.

Der Uhrmacher Torquemada, ein verschrobener Bastler, ist außer Haus, Anbeter der vernachlässigten Ehefrau finden sich ein: der dicke Bankier Gomez und der junge Dichter Gonzalvo. Ein dritter Mann ist in der Wohnung zugange: Ramiro, ein hübscher, strammer Maultiertreiber. Er hat schließlich den offenkundigen Erfolg im Schlafzimmer der Schönen. In dem humorvoll vorgetragenen Schluss-Couplet aller fünf Beteiligten wird in kunstvollem Habanera-Rhythmus dem Publikum die Moral von der Geschicht' verkündet. Regisseur Carlos Wagner hält sich hier an eine dezente, andeutungsreiche Realisierung, was zu der geistvollen Musik mit ihren Anspielungen harmoniert.

Wenn der Gesamteindruck dennoch nicht so recht prickeln will, liegt das an dem statischen Bühnenbild (Conor Murphy) mit hochgestapelten Uhrenkästen in Rohholz und an der die Femme fatale persiflierenden Darstellung der schönen Concepción. Das ist die Mezzosopranistin Ute Döring im Tiger-Cocktailkleid. Ein umwerfend monomaner Uhrmacher ist Erik Biegel (Tenor); auch dieser Torquemada nutzt die Gunst der Stunde, um zwei Uhren teuer an Gonzalvo und Gomez zu verkaufen. Sehr spanisch als Schöngeist Gonzalvo: Jonas Gudmundsson, imponierend im rosa Anzug: Hye-Soo Sonn als Bankier.

Nach der gewissen ironischen Distanz der »Spanischen Stunde« kam umso praller Puccinis Einakter daher. Die Uhrengehäuse werden zu Nachlasstruhen, Bühnenbild-Elemente erscheinen leicht abgewandelt. Der verstorbene Don Buoso Donati auf seinem Lager ist von Verwandten umwimmelt. Ein Kompliment an Kostüm- und Maskenbildner für die Vielfalt der Typen; die Familie Donati ist mit längeren Nasen gesegnet, die Federkrägen erinnern an Karneval. Kaum wiederzuerkennen ist etwa Ute Döring als alte Tante Zita, und Hye-Soo Sonn als Mühlenerbe Betto von Signa fährt im Rollstuhl mit eingegipstem Bein herum und hängt an der Grappaflasche - um nur zwei Bespiele aus der bunten Gesellschaft zu nennen. Schönste Commedia-Figuren bringt das junge Liebespaar Lauretta und Rinuccio auf die Bretter. Emma Pearson (Lauretta) bekam für ihre berühmte Arie »O mio babbino caro« verdienten Szenenapplaus, während Felipe Rojas Velozo als ihr Rinuccio einen Elvis-Verschnitt mit Tolle und schönem Tenor gab.



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Artikel vom 14.03.2010 - 18.42 Uhr
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