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Doppeloper in Köln mit Bartók und Poulenc

Artikel vom 15.03.2010 - 19.16 Uhr

Doppeloper in Köln mit Bartók und Poulenc

Doppeloper in Köln: Béla Bartóks »Herzog Blaubarts Burg« nimmt eine unfreiwillig komische Wendung, während Francis Poulencs Solo-Drama »La voix humaine« (Die menschliche Stimme) durchaus überzeugen kann.
Im Dickicht der Gefühle: Die »Frau« (Nicola Beller Carbone) irrt in Poulencs Solo-Drama »La voix humaine« durch einen Wald volle
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Im Dickicht der Gefühle: Die »Frau« (Nicola Beller Carbone) irrt in Poulencs Solo-Drama »La voix humaine« durch einen Wald voller Ängste. (Foto: Bernd Uhlig)
Am Ende hatte Regisseur Bernd Mottl die Lacher auf seiner Seite. Herzog Blaubarts schmerzhafte Einblicke in seine geschundene Seele, die Béla Balász in düstere Worte und Béla Bartók in ebenso dunkle Töne gegossen hat, entpuppen sich als Männer-Albtraum in einem altvorderen Eheschlafzimmer mit Hometrainer und Ölschinken über den Kopfkissen. Damit nimmt die Neuinszenierung von Bartóks Einakter »Herzog Blaubarts Burg« an der Kölner Oper eine unfreiwillig komische Wendung, mit der sich die ansonsten gelungene Produktion selbst infrage stellt.

Judiths Begierde, die sieben Tore in Herzog Blaubarts Burg zu öffnen, um Einblick in die letzten Winkel seiner zerrissenen Seele zu nehmen, als Traum zu deuten, diese Idee ist nicht neu. Herbert Wernicke gelang ein Meisterstück in Hamburg und anderswo, als er das Stück zweimal hintereinander spielen ließ, jeweils aus der Sicht Judiths und der des Herzogs. Auch Mottls Werksicht kommt dem Ernst und der unterschwelligen Grausamkeit der seelischen Demontage, vom desaströsen Schluss abgesehen, erfreulich nahe.

Mottl verzichtet auf optischen Mummenschanz und richtet bei der Öffnung der Folter-, Schatz- und Rüstkammern den Blick auf die Reaktionen des unglücklichen Helden. Das alles inszeniert der Regisseur pointiert und gekonnt, wobei Johannes Martin Kränzle und Takesha Meshé Kizart in den Hauptrollen das Konzept mit Haut und Haaren umsetzen. Dass Kizart stärker durch ihre darstellerische Intensität als durch ihre mitunter verwaschene Diktion überzeugt, schmälert den Gesamteindruck nicht. Ein Herzog von furchteinflößender Autorität, die allmählich in sich zusammenbricht, gelingt Kränzle. Schade um den verpatzten Schluss.

Mottl wäre besser beraten gewesen, auch das Finale der Bartók-Oper offenzuhalten. So wie vor der Pause in Francis Poulencs Solo-Drama »La voix humaine« (Die menschliche Stimme). Ein 40-minütiger Monolog einer verlassenen Frau, eingekleidet in einen fiktiven Telefondialog mit einem unsicht- und unhörbar bleibenden Mann. Ein Monolog, der Abgründe bis hin zu Selbstmord- und Mordvisionen offenlegt. Eine anspruchsvolle Herausforderung für die Sopranistin Nicola Beller Carbone, die die schwierige Partie hintergründig und differenziert gestaltet, wenn sich auch das helle Timbre ihrer Stimme nicht immer ideal mit dem Orchesterklang vermischen will.

Mottl lässt die Frau durch eine überdimensionale Waldlandschaft irren, wo sie Reliquien der Beziehung zu einem Altar arrangiert und an einem Grab schaufelt. Ob für die Erinnerungen, ihren Geliebten oder für sich, bleibt offen. Oleg Caetani am Pult des Gürzenich-Orchesters bringt die schillernde Musik so glutvoll zum Klingen wie man es von Generalmusikdirektor Markus Stenz lange nicht hören konnte. Als Gastdirigent, der auch die Wiederaufnahme des »Don Carlo« übernehmen wird, ein großer Gewinn für die Kölner Oper. Pedro Obiera



(Die nächsten Aufführungen in der Kölner Oper sind am 19., 21. und 26. März; Kartentelefon: 02 21/22 12 84 00)

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Artikel vom 15.03.2010 - 19.16 Uhr
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