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«Die Soldaten» triumphieren in Salzburg

Artikel vom 21.08.2012 - 14.58 Uhr

«Die Soldaten» triumphieren in Salzburg

Salzburg (dpa) - Es war ein Spektakel ohne Effekthascherei: Mit der modernen Zimmermann-Oper «Die Soldaten» haben Dirigent Ingo Metzmacher und Regisseur Alvis Hermanis den Salzburger Festspielen ihr Highlight gegeben.
«Die Soldaten»
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Die Oper «Die Soldaten» wurde in Salzburg gefeiert. Foto: Barbara Gindl
© dpa
Breitbeinig sitzt Marie (Laura Aikin) auf ihrem Hochbett, auf dem noch ihr Teddy liegt. Langsam zieht sie Stroh zwischen den Beinen hervor, das vorher noch unter dem Kleid einen Babybauch gebildet hat. In genau diesem Stroh hat sie zuvor ihre Unschuld verloren. Wenig später wird sie von Soldaten auf ein echtes Pferd gehoben und paradiert sich räkelnd mit anderen reitenden Frauen wie auf dem Straßenstrich vor der geifernden Männermeute. Das naive Bürgermädchen ist endgültig Soldatenhure.

In drastisch-einprägsamen Bildern hat der lettische Regisseur Alvis Hermanis die selten gezeigte Oper «Die Soldaten» des deutschen Komponisten Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) in Szene gesetzt. Das Mammutprojekt der Salzburger Festspiele begeisterte bei seiner Premiere am Montagabend in der Felsenreitschule auf allen Ebenen. Das Publikum bedachte das moderne Musiktheater nach dem gleichnamigen Schauspiel des Goethe-Zeitgenossen Jakob Michael Reinhold Lenz mit Jubel und Ovationen.

«Ich habe gedacht, die schmeißen mich raus, das kann ich nicht», erinnert sich Aikin an ihre Gedanken zu Beginn der Proben. Dann sei ihr klargeworden, dass ja alle im selben Boot sitzen. Denn die Oper fordert Solisten wie Musiker bis an die Grenzen des Machbaren. Zudem hat sie mit rund 170 Musikern - vom Riesenorchester bis zur Jazzband - eine Größe, die normale Theaterräume sprengt. Doch obwohl sich eher selten ein Haus an sie herantraut, gelten die in Zwölftontechnik komponierten «Soldaten» neben Alban Bergs «Lulu» und «Wozzeck» als eine der wichtigsten Opern des vergangenen Jahrhunderts.

Ingo Metzmacher, der während seiner Karriere immer wieder mit der hochkomplexen Oper in Berührung kam und auch beim Uraufführungs-Dirigenten Michael Gielen assistierte, führte die Solisten und die Wiener Philharmoniker sicher durch das Klangfeuerwerk ungeahnten Ausmaßes. Er setzt die Musiker bis unter die Decke auf die Beleuchtungsbrücke, die Musik kommt für die Zuschauer von allen Seiten, man fühlt sich gefangen in einem mitreißenden (Alb)traum: Die Partien der Solisten überlappen sich häufig, von zarten Tönen bis dramatischen Geräuschentladungen ist das Klangspektrum ungewohnt weit, dazwischen mischen sich Fetzen von Altbekanntem.

Regisseur Hermanis betont in seiner ersten Opernproduktion nicht so sehr die von Zimmermann intendierte Militarismus-Kritik, sondern erzählt die Geschichte von Marie als universelles Drama der Menschenvernichtung, aus der es für alle Beteiligten kein Entkommen gibt. Das gelingt ihm auf grausam-poetische Weise, ohne ins Spektakelhafte abzugleiten.



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