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Derber Slapstick mit rasantem Tempo

Artikel vom 17.11.2009 - 19.50 Uhr

Derber Slapstick mit rasantem Tempo

Ben Jonsons Komödie »Volpone« begeistert im Staatstheater Wiesbaden als turbulenter Klamauk ohne Tiefgang.
Derbheiten und Slapstick garantiert: Volpone (Rainer Kühn, l.) nimmt Diener Mücke (Wolfgang Böhm) aufs Korn. 	(Foto: Martin Kauf
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Derbheiten und Slapstick garantiert: Volpone (Rainer Kühn, l.) nimmt Diener Mücke (Wolfgang Böhm) aufs Korn. (Foto: Martin Kaufhold)
Die prall gefüllte Kassette, das »Licht seines Lebens«, hat er tief im Bühnenboden versteckt. Volpone, der ebenso reiche und geizige wie gerissene alte Fuchs, der keineswegs ausschaut, als ob sein letztes Stündlein nahe sei, hat freilich allen Grund zum Misstrauen: Die lieben Verwandten liegen wie Aasgeier auf der Lauer und können - in der Hoffnung auf eine stattliche Erbschaft - den Tag seines Ablebens kaum erwarten. Volpone weiß das und beschließt, ihnen die Festtagssuppe zu versalzen.

Am Ende haben sich der korrupte Notar Geier (Sebastian Muskalla), Herr Rabe (Franz Nagler), Herr Krähe (Jörg Zirnstein), Frau Krähe (Eva-Maria Damasko), die Hure Canina (Monika Kroll) und der vom Vater enterbte Beamte Leo (Florian Thunemann) gehörig verrechnet: Volpone (Rainer Kühn) haut sie alle in die Pfanne, sich selbst allerdings auch, wie sich am Schluss bei der Testamentsverlesung herausstellt. Der Mann, der felsenfest glaubte, alle gierigen Dummköpfe übertölpeln und dabei auch noch kräftig verdienen zu können, muss erleben, dass Mücke (Wolfgang Böhm), der gelehrige Diener, schließlich als Alleinerbe dasteht.

»Volpone«, Ben Jonsons vor 400 Jahren geschriebene bitterböse Typenkomödie, die Shakespeare 1604 im »Globe« uraufführte, steht in der Übersetzung Stefan Zweigs (Fassung Sabrina Zwach) und in der Regie von Herbert Fritsch im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden auf der Bühne.

Fritsch bringt das Stück, das schon mancherlei Bearbeitungen erfuhr, jedoch nicht als satirische Spiegelung menschlicher Habgier auf die Bühne, sondern als in schnellstem Tempo über die Bretter sausende Commeda dell’arte: Ein turbulenter, von Viktoria Behr üppig kostümierter publikumswirksamer Klamauk, dem frenetischer Beifall sicher ist.

Jonsons scharfer Zynismus indes hat zwischen den sich jagenden Derbheiten und Slapsticks keinen Platz. Literaturkenner mag es stören, doch es geht auch so. Fritsch zielt aufs breite Publikum - und gewinnt. Mit seinem spielbegeisterten Ensemble, das prächtig funktioniert, ging er kein Risiko ein. Der Erfolg gibt ihm recht.

Britta Steiner-Rinneberg

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Artikel vom 17.11.2009 - 19.50 Uhr
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