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»Der Name der Rose« und »Was ihr wollt« in Feuchtwangen

Artikel vom 26.06.2012 - 18.10 Uhr

»Der Name der Rose« und »Was ihr wollt« in Feuchtwangen

Klein, aber fein: Die Kreuzgangspiele an der romantischen Straße bieten in diesem Sommer zwei Inszenierungen von Intendant Johannes Kaetzler und Regisseur Meinhard Zanger auf hohem Niveau.

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Mit seinen gelben Strümpfen gibt sich Malvolio (Bernd Reheuser) bei der Gräfin Olivia (Lulu Bail) endgültig der Lächerlichkeit preis. (Foto: Forster)
Sie zählen zu den kleineren der zehn deutschen Festspielorte, doch ihr intimer Charakter ist zugleich ihr großer Trumpf. Die Kreuzgangspiele Feuchtwangen blicken auf eine lange Tradition zurück. Seit 1949 wird der romantische Innenhof des ehemaligen Benediktinerklosters bespielt und glänzt bis heute durch ein hohes professionelles Niveau. Dabei ist ein geschmackvoller Umbau vor zwei Jahren der renommierten Spielstätte gut bekommen: Nicht nur die Beleuchtungstechnik ist jetzt auf dem neuesten Stand, die Zuschauer können nun auf insgesamt 511 bequemen gepolsterten Sitzen Platz nehmen und sich unter freiem Himmel verzaubern lassen.

Was eignet sich besser für dieses verwunschene Gemäuer als Umberto Ecos Kloster-Krimi »Der Name der Rose«? Johannes Kaetzler, seit 2009 Intendant der Festspiele und von 1989 bis 1993 Oberspielleiter am Stadttheater Gießen, hat die Bühnenadaption des Roman-Bestsellers adäquat in Szene gesetzt. Hautnah kann das Publikum die seltsamen Morde anno 1327 in einer italienischen Benediktinerabtei miterleben, bei denen wissbegierige Mönche ihrer eigenen Neugier zum Opfer fallen. Dabei fließt nicht nur reichlich Blut, am Ende geht die kostbare Bibliothek – das Ziel der Begierde – eindrucksvoll in Flammen auf.

Jerry Marwig, der durchaus dem Hauptdarsteller Sean Connery in der Kinoverfilmung ähnlich sieht, hält als William von Baskerville sicher die Fäden der Ermittlung in der Hand. Messerscharf analysiert er die komplizierten Vorfälle; ihm zur Seite steht aufgeweckt Luzian Hirzel als naseweiser Novize Adson. In dem homogenen Männerensemble verleihen Peter Heeg als würdevoller Abt, Wolfgang Beigel als geheimnisvoll durchtriebener Jorge von Burgos und Thomas Hupfer als verrückter Salvatore ihren Rollen besonderes Profil. Den einzigen weiblichen Part übernimmt einfühlsam Clara Cüppers, die als junge bitterarme Frau den unbedarften Adson in die Kunst der Liebe einführt.

Cüppers’ große Stunde schlägt in der zweiten Produktion dieses Feuchtwanger Festspielsommers: In der Shakespeare-Komödie »Was ihr wollt« streift sie als gestrandete Viola keck die Hosen über, um sowohl dem Grafen Orsino als auch der Gräfin Olivia ordentlich den Kopf zu verdrehen. Grasgrün ist dieses Illyrien, eine Oase der unglücklich Verliebten, auf die Viola nach einem Schiffsunglück gespült wird. Der klampfende Herzog (Ulrich Westermann) trägt mit stolzer Brust ein Jimi-Hendrix-T-Shirt, und seine angebetete Olivia (Lulu Bail) erscheint nach abgelegter Trauer in fröhlich-buntem nabel- und rückenfreiem Gewand (Ausstattung: Annette Wolf).

Regisseur Meinhard Zanger, der ebenfalls fünf Jahre in Gießen wirkte und jüngst mit seiner »Sommernachtstraum«-Inszenierung im Gasometer von Münster für Furore sorgte (wir berichteten), hat die Verwechslungskomödie auf einer poppigen Urlaubsinsel verortet, auf der geometrisch geschnittene Buchsbäume als Versteck für Weinflaschen und quengelnde Haushofmeister dienen. Letzterer ist bei Bernd Reheuser in köstlichen Händen: Sein Malvolio mit Schnupftuch strotzt vor Eitel- und Überheblichkeiten und erweist sich als dankbares Opfer für den Streich der kessen Maria – bei Nagmeh Alaei ein Kammermädchen mit Sex-Appeal.



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Artikel vom 26.06.2012 - 18.10 Uhr
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