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»Der Diener zweier Herren« im Bockenheimer Depot macht Laune

Artikel vom 10.03.2010 - 19.21 Uhr

»Der Diener zweier Herren« im Bockenheimer Depot macht Laune

Andreas Kriegenburgs Inszenierung von »Der Diener zweier Herren« im Bockenheimer Depot in Frankfurt macht Laune. Man muss kein Prophet sein, um nach dieser gefeierten Premiere des Commedia-dell’arte-Dauerbrenners von Carlo Goldoni zu behaupten: Dieses Stück wird der Renner der Saison.
Und das Akkordeon spielt dazu: Akteure in Steillage bei »Diener zweier Herren« in Frankfurt.
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Und das Akkordeon spielt dazu: Akteure in Steillage bei »Diener zweier Herren« in Frankfurt.
Die Vaganten kommen. Nach und nach stimmen sie ihre Instrumente, suchen sich ihren Platz in der Manege. Ein Ansager mit Megafon brieft noch eben das Publikum, führt einen Sicherheits-Check wie im Flughafen durch. Dann könnte es eigentlich losgehen, das Spiel um den »Diener zweier Herren«, dem Commedia-dell’arte-Dauerbrenner von Carlo Goldoni. Aber erst einmal sehen wir eine junge Frau mit leerem Kinderwagen, den sie traurig durch die Jahreszeiten schiebt, und ihrem Kauderwelsch ist bröckchenweise zu entnehmen, dass sie sich sehnsüchtig ein Baby wünscht. Doch wo bleibt der passende Mann dazu?

Genau: Es geht ums Heiraten bei Goldoni, um die Frage, wer nun wen am Ende bekommt. Drei Paare werden sich schließlich finden - nach allerlei albernen Verwechslungen, abstrusen Notlügen und lautstarken Beschimpfungen. Happy End auf der ganzen Linie - nicht völlig. Als wolle er uns ein wenig die Suppe versalzen, gibt’s bei Andreas Kriegenburgs atemberaubender Aufführung doch noch einen Toten zum Schluss - ein peinlicher Zwischenfall, hatte ein Darsteller einfach nicht richtig aufgepasst.

Wer einmal eine Inszenierung von Kriegenburg erlebt hat, weiß, dass er Ungewöhnliches auf hohem ästhetischen Niveau erwarten darf. Der Bildermagier eröffnet dem begeisterten Zuschauer komplett neue Sichtweisen auf altbekannte Stoffe, die in ihrer Fantasie, ihrem Perfektionismus, ihrer Artistik nicht zu übertreffen sind. Kriegenburgs Einstudierungen sind Labsal für die Seele und ein Genuss für Augen und Ohren!

Häufig kreiert er - wie bei Kafkas »Prozess« - seine spektakulären Bühnenbilder selbst. Auch wenn diese Arbeit diesmal Harald Thor übernahm, fasziniert die Ausstattung kaum weniger: Eine Hälfte eines aufgeschnittenen Amphitheaters ist zu sehen mit steil aufsteigenden Rängen, auf denen die neun Akteure balancieren, klettern, rutschen wie in der besten Zirkusvorstellung. Und damit nicht genug: Sie fliegen im Trapezring, tänzeln auf dem Balken, schweben mit den Luftballons am Regenschirm. Beharrlich dreht sich unten das Trichterrund, treibt das Geschehen voller Poesie und Melancholie vorwärts, während die Artisten sich durchaus mal eine Butterbrotpause gönnen oder ihre Späße mit einem verletzten Kollegen treiben.

Damit wir uns richtig verstehen: Hier agieren ausgebildete Schauspieler und keine durchtrainierten Manegenkünstler oder perfekte Profimusiker. Wer mit Kriegenburg arbeitet, muss fit und vielfältig sein. Immer wieder beschwört der so erfolgreiche Regisseur den Ensemblegeist - bei ihm gibt es keine Hauptrollen, jeder ist wichtig. So steht auch der Diener Truffaldino von Mathis Reinhardt nicht im absoluten Mittelpunkt - wendig und pfiffig fungiert er als ein Rädchen im gut geölten Getriebe der Theatermaschinerie, in der jeder auf jeden achtet und seine Verabredung peinlich genau einhält. Auf einmal werden aus den sonst eher unterbelichteten Parts der beiden streitenden Väter bei Roland Koch (Pandolfo) und Thomas Huber (Doktor Lombardi) weise Studien älterer Männer der traurig-komischen Art.



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Artikel vom 10.03.2010 - 19.21 Uhr
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