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Der Berlinale-Effekt - «Es ist die Hölle los»

Artikel vom 06.02.2012 - 09.03 Uhr

Der Berlinale-Effekt - «Es ist die Hölle los»

Berlin (dpa) - Woran erkennt man den Berlinale-Profi? Er sitzt um Punkt 10.00 Uhr morgens am Rechner und bricht in Wutanfälle aus, wenn der Kartenkauf im Internet nicht klappt. Oder er steht am Schalter in den Arkaden am Potsdamer Platz in der Schlange, mit einem ausgetüftelten Stundenplan.
Warten auf Berlinale-Tickets
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Das ist echter Enthusiasmus: Um Berlinale-Tickets zu bekommen, harrten manche Fans seit Samstagabend vor den Schaltern aus. Foto: Maurizio Gambarini
© dpa
Der Profi hat sich zehn Tage Urlaub genommen. Nachts träumt er von dem Festival-Trailer mit Bärenfeuerwerk, der die Filme auf der Leinwand einläutet. Draußen ist es dieses Jahr sibirisch kalt, da bietet es sich an, zwischen den Jackenbergen im Kino zu überwintern. Der Berlinale-Marathon kann beginnen.

Ob Angelina Jolie, Bollywood-Blockbuster oder Teeniestar Robert Pattinson: Der Blitzlicht-Faktor ist bei der 62. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele, die am Donnerstag beginnen, beträchtlich. Aber auch Freunde des gepflegten Nischenkinos dürften bei 400 Werken aus aller Welt auf ihre Kosten kommen. Wo kann man schon Filme aus Vietnam oder Burkina Faso sehen? Eine Doku über 14-jährige Mütter oder eine restaurierte Fassung von Sergej Eisensteins «Oktober» aus dem Jahre 1928 mit Orchestermusik?

Auch wenn es viele Festivalmuffel gibt, die Berlinale stürzt die Stadt alljährlich in einen cineastischen Ausnahmezustand. Mehr als 20 Kinos zeigen Berlinale-Filme, etwa 300 000 Tickets werden verkauft. Karten bekommt man in der Regel immer. Nur nicht zwingend für den Film mit Meryl Streep auf dem roten Teppich.

Berlin wird ohnehin gerade von Touristen überrannt, worüber der selbst zugezogene Hauptstädter gerne lästert. Zu den Filmfestspielen schwillt der Besucherstrom noch einmal an. «Wir rechnen mit 60 000 Berlinale-Touristen», sagt Christian Tänzler vom Tourismusverband Visit Berlin. «Die Stadt bekommt ein schönes internationales Flair.»

Butler Ricardo steht im Hotel Adlon parat. Aber welcher VIP in der Präsidentensuite mit Blick aufs Brandenburger Tür absteigen wird, verrät das Hotel nicht. Filmleute melden sich oft erst kurzfristig an. «Man muss da eine hohe Flexibilität mitbringen», sagt eine Sprecherin. Die Fans sind zurückhaltend und warten meist brav vorm Hotel. «Der Kreischfaktor ist nicht mehr ganz so hoch.»



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