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Dem Bühnenzauber fehlt der Schwung

Artikel vom 10.02.2009 - 19.01 Uhr

Dem Bühnenzauber fehlt der Schwung

Das fünfjährige Refugium der Wuppertaler Oper im Schauspielhaus hat den Appetit des Publikums auf Musiktheater unter regulären Bedingungen offenbar erheblich genährt. Nahezu sämtliche Vorstellungen der ersten großen Opern-Produktion im renovierten Haus sind ausverkauft. Und der designierte Schauspielchef der Wuppertaler Bühnen, Christian von Treskow, versuchte sich gleich an einem der schwierigsten Werke, an Mozarts »Zauberflöte«. Auffällig an seiner Inszenierung ist der starke dramaturgische Bruch zwischen den beiden Akten, über dessen Fallstricke Treskow deftig stolperte.
Die Königin der Nacht (Elena Fink, links) drängt ihre Tochter Pamina (Dorothea Brandt) zur blutiger Rache an Sarastro 	(Foto: Mi
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Die Königin der Nacht (Elena Fink, links) drängt ihre Tochter Pamina (Dorothea Brandt) zur blutiger Rache an Sarastro (Foto: Michael Hörnschemeyer)
Zügig, mit gekonnter Personenführung zieht der erste Akt vorüber, wobei der Regisseur auch rücksichtsvoll mit der Musik umgeht. Doch gerade der große Respekt vor Mozarts Musik führt im zweiten Akt zu einem dramatischen Spannungsabfall. Die strengen Zeremonien am Hof Sarastros, die für Mozart ungewöhnlich eindeutigen moralischen Appelle verleiteten Treskow, aber auch Kapellmeister Evan Christ zu einer Tempoverzögerung, die zusammen mit den weihevoll gesprochenen Dialogen jeden Schwung zum Erliegen brachten. Da konnte die letzte Papageno-Szene auch nicht mehr viel retten.

Die tief-schwarzen Bilder am Hof Sarastros hellen die Laune auch nicht gerade auf. Die geradezu triefende Frömmigkeit, mit der Sarastro die freimaurerisch geprägten Riten zelebriert, kollidiert mit Treskows problematischer Charakterzeichnung der beiden Kontrahenten, der Königin der Nacht und Sarastro. Treskow ergreift zu einseitig Partei für die Königin mit ihren Machtansprüchen und verzerrt Sarastro zu einem moralischen Fundamentalisten von diktatorischer Herrschsucht. Eine Sehweise, die dem Freimaurer-Ethos des Werks widerspricht und die oft beklagte Widersprüchlichkeit des Librettos unterstreicht.

Wer mit moralischen Schuldzuweisungen arbeitet, kommt bei Mozart nicht weit. Der Mensch ist bei ihm noch komplexer strukturiert als bei Shakespeare. Da fällt von Treskow der Umgang mit den »menschlicheren« Figuren des Tamino und der Pamina, von Papageno ganz zu schweigen, erheblich leichter. Und hier kann die Inszenierung auch ihre zweifellos vorhandenen Meriten ausspielen. Was den Spannungsverlauf des Abends angeht, agiert Evan Christ synchron mit dem Regisseur. Da müssten die Zügel stellenweise, vor allem im zweiten Akt, straffer gezogen werden.

Vokal kann sich die Aufführung hören lassen. Das Prinzenpaar mit Dorothea Brandt als Pamina und Dominik Wortig als Tamino können zusammen mit dem burschikos auftrumpfenden Papageno von Thomas Laske am stärksten überzeugen. Elena Fink als Königin der Nacht kann ungeachtet ihrer Koloraturgewandtheit unangenehme Schärfen in den Höhen nicht vermeiden, und Mischa Schelomianski verfügt als Sarastro zwar über die nötige Tiefe, wirkt aber in der Mittellage etwas blass.

Dankbarer Beifall für das Ende eines langen Exils. Im März wird die nächste Kraftprobe mit Wagners »Tristan« gestemmt. Pedro Obiera



(Die nächsten Aufführungen im Wuppertaler Opernhaus sind am 12., 15., und 21. Februar sowie am 6., 12., 21. und 27. März; Karten-Telefon: 02 02/5 69 44 44)

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Artikel vom 10.02.2009 - 19.01 Uhr
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