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Das Oberhaupt der Familie

Artikel vom 17.04.2009 - 19.54 Uhr

Das Oberhaupt der Familie

90 Jahre alt wäre sie vorgestern geworden: Liesel Christ, deren Name das von ihr gegründete Frankfurter Volkstheater seit einiger Zeit in seinem Titel führt. Ihre letzte Rolle Mitte der neunziger Jahre war jene der Frau Gudula Rothschild in Carl Rösslers Lustspiel »Die fünf Frankfurter«, das nun aus Anlass des runden Geburtstags und zum Gedenken an die 1996 verstorbene Prinzipalin aufgeführt wurde.
Frau Gudula (Anette Krämer, 3. v. r.) mit ihren fünf Frankfurter Söhnen Salomon (Steffen Wilhelm, Carl (Thomas Koob), Jakob (Gio
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Frau Gudula (Anette Krämer, 3. v. r.) mit ihren fünf Frankfurter Söhnen Salomon (Steffen Wilhelm, Carl (Thomas Koob), Jakob (Giovanni Romano), Anselm (Jochen Nötzelmann) und Nathan (Thomas Hessdörfer (v. l.) (Theaterfoto)
Da ist es - bei dieser Ausgangssituation und bei allem Glorienschein, der im Großen Hirschgraben strahlt - kein leichtes Unterfangen, sich dieses Parts anzunehmen und Vergleiche geradezu herauszufordern. Aber Anette Krämer macht’s - und warum auch nicht! Seit geraumer Zeit hat sich die Schauspielerin das Fach erobert, das zuvor die Chefin »abdeckte«, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Mutter Courage und Claire Zachanassian folgen. Aber aktuell: Anette Krämer gibt der Gudula - auch wenn sich die Kostümbilder (Bärbel Christ-Heß, Claudia Rohde) gleichen - eine robustere, zupackendere Tonart als die Christ, die verdeutlicht, dass nach dem Tod ihres Mannes sie das wahre Oberhaupt der Familie trotz aller internationalen Umtriebigkeit ihrer fünf Söhne ist, die sich zu »Gipfelkonferenzen« stets im Haus ihrer Mutter in der Frankfurter Judengasse einfinden.

So auch diesmal, wenn es um die Verleihung der Baronie geht, wenn einer plant, seine Tochter mit einem christlichen Herzog zu verheiraten und wenn dann alles ein wenig anders kommt.

Das Stück, das episodenhaft daherkommt, geizt nicht mit Nebenrollen. Das ist das Hauspersonal mit Silvia Tietz (Rosa) und Natascha Letic (Lieschen) sowie der Hofjuwelier Boel (Kurt Spielmann). Feine Studien liefern Hans Zürn als konservativer Fürst von Klausthal-Agordo, Gabriel Spagna als leise ironischer Herzog Gustav und Michael Schatkowski als seine Schranze Fehrenberg. Die fünf Frankfurter sind der pragmatische Salomon von Steffen Wilhelm, der poltrige Anselm von Jochen Nötzelmann, der unauffällige Nathan von Thomas Hessdörfer, der spillrige Carl von Thomas Koob und das smarte »Jaköbchen« von Giovanni Romano, der seine Liebe Betty findet. Nora Jokhosha spielt sie bis in die kleinste Nuance ausgefeilt, wie auch die ganze Inszenierung von Natascha Retschy präzis erarbeitet ist. Hans-Peter Gumtz

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Artikel vom 17.04.2009 - 19.54 Uhr
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