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Blech-Sinfonie mit überraschenden Tönen

Artikel vom 27.08.2009 - 20.19 Uhr

Blech-Sinfonie mit überraschenden Tönen

Englische Kult-Band Stomp glänzt mit neuer Show in der Alten Oper Frankfurt.
Müllmagie: Die Mitglieder der Percussionband Stomp steppen, tanzen, stampfen und trommeln wieder mit einem Haufen Schrott über d
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Müllmagie: Die Mitglieder der Percussionband Stomp steppen, tanzen, stampfen und trommeln wieder mit einem Haufen Schrott über die Bühne der Alten Oper in Frankfurt. Die englische Kulttruppe ist noch bis zum 30. August in der Mainmetropole zu Gast. (dpa)
Es ist lediglich ein Haufen Schrott - und doch so viel mehr. Wenn die acht Musiker der Perkussion-Gruppe Stomp Besen und Mülldeckel, Streichholzschachtel und Papiertüte, Spülbecken und Gummipfropfen, Reifenschläuche und Radkappen zwischen die Finger bekommen, gerät der eigentliche Charakter dieser Dinge schnell in Vergessenheit. Denn die Band entlockt den Alltagsgegenständen magische Klänge und begeistert mit Rhythmen in Perfektion. Und so wird auch auf der Bühne der Alten Oper in Frankfurt zum Auftakt der Deutschland-Tournee begeistert im Takt geklappert, geplatscht, geklopft, geratscht, geklöppelt und geklatscht: Eine Blech-Sinfonie mit überraschenden Tönen. Die englische Rhythmustruppe, die von den beiden Straßenmusikern Luke Cresswell und Steve McNicholas ins Leben gerufen wurde und seit 1991 bereits über elf Millionen Menschen in 43 Ländern begeistert hat, zog die Zuschauer am Mittwochabend in der nahezu ausverkauften Alten Oper mit ihrer neuen Show in den Bann - und erntete nach dem 100-minütigen Spektakel stehende Ovationen.

Die Mitglieder der Putzkolonne können weit mehr, als mit Mülltonnen und -deckeln umherwirbeln und mit voller Energie Höllenlärm erzeugen; sie bewegen sich auch in ganz feinen und leisen Klangwelten sicher. So beispielsweise, wenn die zwei Frauen und sechs Männer mit Feuerzeugen spielen und im mucksmäuschenstillen Saal eine Flamme nach der anderen aufflackern lassen, aus dem Solo ein Oktett wird. Und dann ein Trio das Zippen übernimmt. Im abwechselnden An und Aus der Sturmfeuerzeuge formt sich nicht nur atmosphärisch Ansprechendes, sondern ganz nebenbei ein ganz sachter, feiner Rhythmus. Musik entsteht bei Stomp gar beim Zeitunglesen, wenn Seiten erst geblättert, gefaltet und geknickt werden, später dann zerknüllt und zerrissen; beim Putzen, wenn Straßenfeger Sand mit Besen und Kehrblech in einen Mülleimer schaufeln; in riesigen Traktorreifen, den sogenannten Donuts, auf denen nach Herzenslust getrommelt wird, und beim Tanz mit lackierten Blechdosen, die selbst beim Flug durch die Luft noch harmonisch klingen. Musik ganz ohne (teure) Musikinstrumente, nur mit durchtrainierten Körpern und jeder Menge Unrat vom Schrottplatz - auch dem Schulunterricht könnte eine ordentliche Portion Stomp nur guttun.

Bei dem Bühnenspektakel gibt es keinen Text und keine Handlung - doch das tut der Show keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Denn Stomp ist weit mehr als nur ein Spiel mit dem Rhythmus; es lebt von der Mimik und Gestik der unterschiedlichen Charaktere, ihrer kindlich überschäumenden Energie, ihrer explosive Freude und ihres komischen, einfachen Humors; von dem Tanz und der Performance sowie vom Zusammenspiel der verschiedenen Persönlichkeiten - auch deswegen gleicht keine Show der anderen.

Gemeinsam ist den Auftritten der Stomper nur eins: Der Haufen Alltagsmüll und Schrott - der doch so viel mehr ist. Eine furiose Show.

Am 10. Januar endet die Deutschlandtour von Stomp in Dortmund. In der Alten Oper in Frankfurt gastieren die Künstler noch heute (21 Uhr), Samstag (17 und 21 Uhr), Sonntag (16 und 20 Uhr).

Nora Brökers

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Artikel vom 27.08.2009 - 20.19 Uhr
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