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Bei Jimi Hendrix ganz auf die Kraft der Bläser gesetzt

Artikel vom 15.09.2008 - 17.10 Uhr

Bei Jimi Hendrix ganz auf die Kraft der Bläser gesetzt

Den allerersten Auftritt unter ihrem neuen Leiter Örjan Fahlström hatte die hr Bigband am 6. September während der »Remember Albert Mangelsdorff«-Gala in der Alten Oper, das erste Heimspiel im Großen Sendesaal in der Bertramstraße folgte gut eine Woche später im Rahmen des hr-Kulturtags.
Dirigent Örjan Fahlström	(Foto: axc)
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Dirigent Örjan Fahlström (Foto: axc)
Geboren wurde Örjan Fahlström vor 55 Jahren im schwedischen Umeå - dort, wo alljährlich ein hochkarätig besetztes Jazzfestival stattfindet. Seine Instrumente sind das Vibrafon und Percussion, bereits mit 24 gründete er seine eigene »International Bigband« und arbeitete in Deutschland auch mehrfach mit der NDR Bigband. Seit drei Jahren lehrt er als Professor für Komposition und als Leiter der Dirigierabteilung an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm.

Während er sich bei dem Albert Mangelsdorff-Tribut noch auf relativ gewohntem Jazzterrain bewegt hatte, wagte Fahlström, der bereits Elton John und Billy Joel in das Jazzidiom übertragen hatte, im Sendesaal einen neuerlichen Blick über den Tellerrand des Jazz: »The Spirit of Jimi Hendrix« lautete das Motto beim hr-Kulturtag. Dass Hendrix, wenn er denn länger gelebt hätte, seine Jazzwurzeln weiter verfolgt hätte, ist mittlerweile ein alter Hut, auch an die Jazz- oder Jazzrockadaptionen durch Gitarristen wie Nguyên Lê oder Christy Doran hat man sich dankbar gewöhnt. Wenn sich jedoch eine Bigband daran macht, den gitarrendominierten Rock in den naturgemäß bläserlastigen Bigbandklang zu überführen, schwebt nur der Geist des großen Arrangeurs Gil Evans über dem Projekt. Der hätte um ein Haar mit Hendrix selbst aufgenommen, wenn der große Gitarrist aus Seattle nicht kurz vorher (1970) gestorben wäre.

Anders als Evans, der bei seinem legendären 1974er Hendrix-Projekt zumindest auf zwei Tracks Gesang verwendete, verzichtete Fahlström bei seinen Arrangements komplett auf Vokales und setzte ganz auf die Kraft der Bläser. Tony Lakatos (Tenorsax) unterstrich das Hymnische in »Hey Joe«, Heinz Dieter Sauerborns Sopransax verlieh »Fire« unerwartet lyrische Momente, Axel Schlosser bürstete mit seiner Trompete »Ain't No Tellin'« kräftig gegen den Strich. Vor allem Keyboarder Peter Reiter war gut beschäftigt: Die schwurbelnde Hammond in »Voodoo Chile« und Fender Rhodes-Tupfer in »Fire« prägten den Gesamtsound ebenso stark wie die von Martin Scales gewohnt expressiv gespielte Gitarre. Vor allem »Voodoo Chile« und »If Right Was Wrong« swingten mächtig, wie es sich für Jazzadaptionen ja auch gehört.

Das Konzert wurde aufgezeichnet und wird in drei bis vier Monaten am Samstagabend auf hr2 zu hören sein. Live und vor der eigenen Haustür kann Gießen die hr Bigband am 9.10. erleben, wenn sie im heimischen Stadttheater mit der schwedischen Sängerin Rigmor Gustafsson auftritt. Am 30.10. und 1.11. hat die Bigband mit Gitarrist Bill Frisell und Keyboarder Uri Caine zwei höchst prominente Gäste im Rahmen des 39. Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt. Zur Weihnachtszeit wird im Frankfurter Musiklokal Südbahnhof die bewährte »Swinging Christmas« geboten (12./13.12.). Axel Cordes

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