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Bad Hersfelder Festspiele zeigen Maxim Gorkis »Sommergäste«

Artikel vom 20.06.2010 - 22.10 Uhr

Bad Hersfelder Festspiele zeigen Maxim Gorkis »Sommergäste«

Stefan Reck gibt den egozentrischen Rechtsanwalt realitätsnah mit Zwischentönen. Eine exzellente Leistung mit differenzierter Mimik bietet Charlotte Sieglin als ernste Warwara, in Erscheinung und Bewegungen zunächst ganz der Typ feine Gesellschaftsdame, aber innen kocht es und sie entscheidet sich letztendlich, die feine Gesellschaft zu verlassen. Marie Therese Futterknecht als träumerische Jungpoetin Kalerija in völkischem Outfit verleiht ihrem Part passende komisch-missionarische Akzente. Uwe Schmieder als Ingenieur Suslow trägt zynische Züge offen zur Schau, frivol tritt Viola Neumann als seine Frau Julija auf. Frank Jordan ist der abgearbeitete Arzt Dudakow, Tabea Scholz als seine Frau Olga wandelt sich vom Mütterchen zur gemäßigt Emanzipierten.

In Gorkis Stück begehren die Frauen auf, die Männer sind schwerfällig und unsicher. Nur der junge Wlas, der die ältere Ärztin auch für ihre feurigen Ideen liebt, macht da eine Ausnahme. Lars Westström spielt ihn sehr natürlich. Die mutige Ärztin ist als Heldin neuen Typs bei der brillant agierenden Emanuela von Frankenberg in besten Händen. Eine beeindruckend realistische Figur vermittelt auch Johannes Terne als eitler, unentschlossener Schriftsteller Schalimow. In kleineren Rollen überzeugen Andreas Vögler (Rjumin), Jörg Reimers (Doppelpunkt), Michael Witte (Zamyslow), Günter Schößböck und Karsten Kramer (Wächter) sowie Franziska Weber als liebenswerte Kinderfrau. Die farbenfrohe Ausstattung (Rudy Sabounghi) gibt der Sakralarchitektur schöne Akzente: Ein horizontales Lichtband mit wechselnden Farben lässt Glasfenster assoziieren, und die glitzernde Spiegelmosaikkugel in der letzten Szene projiziert flirrend bewegte Punkte über die gesamte grandiose Architektur (Licht: Henrik Forberg). Die Musik (Arturo Annecchino) bleibt meist diskret andeutend im Hintergrund, nur in den turbulenten Szenen erklingt bezaubernde Straßenmusik.

Es wurde Zeit für die Öffnung nach Osten in Bad Hersfeld. Das lange Zögern mag wohl an der ehemaligen Nähe der Spielstätte zum Eisernen Vorhang gelegen haben. An den Stücken russischer Autoren bestimmt nicht, denn die haben genug künstlerisches Kaliber und hohes Spielpotenzial. So lassen sich Gorkis über 100 Jahre alte Datscha-Szenen problemlos auf unsere gesellschaftliche Gegenwart übertragen. Wie sich am Samstag eindrucksvoll zeigte.

Olga Lappo-Danilewski



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Artikel vom 20.06.2010 - 22.10 Uhr
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