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Arp-Museum Rolandseck: Buthe-Ausstellung mit »Novembermorje« eröffnet

Artikel vom 28.08.2009 - 17.44 Uhr

Arp-Museum Rolandseck: Buthe-Ausstellung mit »Novembermorje« eröffnet

»Die Störche sind die direkte Linie zwischen Marrakesch und Köln.« 1970 arbeitete Kunstprofessor Michael Buthe für einige Monate in einer traditionellen marokkanischen Stofffärberei. Ein Neuanfang, auch für seine Kunst, die sich, zuvor noch der Arte Povera verpflichtet, der Vielfalt der Farben öffnete, neue Themen fand in den Mythen des Orients.
Wolfgang Niedecken und Anne de Wolff bereicherten die Vernissage mit dem Lied »Novembermorje«, einer Hommage an den vor 15 Jahre
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Wolfgang Niedecken und Anne de Wolff bereicherten die Vernissage mit dem Lied »Novembermorje«, einer Hommage an den vor 15 Jahren verstorbenen Künstler Michael Buthe
Später verlegte der Wahl-Rheinländer seinen Zweitwohnsitz nach Marrakesch. Keine große Umstellung für einen, dem Köln schon immer die »südlichste Stadt in Deutschland« gewesen war, und, umgekehrt, auch im Neuen Spuren des Vertrauten fand: »Die ganzen jecken Typen da unten. Genau wie die Kölner auch. Leicht daneben. Marrakesch, das Köln der Nordafrikaner.«

Der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Oliver Kobold hat sich nicht zum ersten Male ausführlich mit dem vierfachen Documenta-Teilnehmer Buthe (1944 - 1994) beschäftigt, von dessen ¼uvre aus den 1960er/70er Jahre das Arp-Museum Bahnhof Rolandseck bei Remagen bis zum 29. November etwa 60 Zeichnungen, Collagen und Objekte zeigt. Kobold ist der »Geheimrat« des Kölner Rockmusikers und Künstlers Wolfgang Niedecken (»BAP«), der wiederum Buthe-Vertrauter war. Und der, nach dessen Tod, das Lied »Novembermorje« geschrieben und veröffentlicht hatte, eine punktgenaue Hommage an den »Muezzin der Phantasie«. Kobold gelang es mit Bravour, für die von rund 250 Gästen besuchte Ausstellungseröffnung am Donnerstag eine umfangreiche Abhandlung über Verbindendes und Trennendes zwischen den Werken zweier renommierter Künstler zu unterbreiten und dabei auf verblüffende Parallelen hinzuweisen.

Bei marokkanischen Lufttemperaturen (und anschließenden kulinarischen Feinheiten vom Maghreb) war - zum Teil auch seitens der Kuratoren Karsten Müller (Hamburg) und Oliver Kornhoff (Rolandseck) - die Erörterung des »Buthe-Novembermorgen-Komplexes« ein tragendes Element. Hier die herausfordernden Exponate der Schau »Michael Buthe. Der Engel und sein Schatten«, die im ersten Halbjahr 2009 im Hamburger Ernst-Barlach-Museum zu sehen und in diesem Zusammenhang für diese Zeitung am 16. Mai im »Wochenend« Anlass für eine »Spurensuche in Marokko«-Reportage war. Und andererseits das besagte Lied, das der Kölner Sänger gemeinsam mit »Rosenstolz«- und »BAP«-Geigerin Anne de Wolff inmitten der überwältigenden Werkschau vortrug. Ein Kleinod.

Wer einer von Niedeckens »üblichen Verdächtigen« ist, erinnert den Songtext »Paar Daach fröher« (1993), wo von jemandem die Rede ist, der an einem Herbstabend den Schwalben nach auf ihrem Weg Richtung Nordafrika nachschaut. An Tagebuchbriefe aus Marokko. An eine wie eine Verheißung erscheinende Überfahrt nach Tanger. An Bob Dylans demütig stimmendes »Every Grain of Sand«, von »W.N.« gelurt auf einem Dach in Taroudannt. Für Kobold ist klar: »Das konkrete Reiseziel auf dem Maghreb verwandelt sich in einen mit persönlichen Erwartungen und Erinnerungen, mit subjektiver Energie aufgeladenen Ort jenseits des Alltags, wird Marokko: Traumvorstellung, Ort des Atemholens, imaginierte Chance des Neubeginns.«

Um die Möglichkeit, im Winter dort arbeiten zu können, habe er Buthe immer beneidet, sagt Niedecken gern, dessen Marokko-Lieder so indirekt auch Buthes Bilderwelten eingedenk bleiben, die in der Interpretation des Stuttgarters »Gruß sind an den fernen Maler-Kollegen oder (...) Erinnerung an einen Freund«.



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Artikel vom 28.08.2009 - 17.44 Uhr
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