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»Design eines Autos ist nicht trennbar von der Funktion«

Artikel vom 10.02.2010 - 17.58 Uhr

»Design eines Autos ist nicht trennbar von der Funktion«

»Design entsteht immer, wenn man eine Idee umsetzt« – so formuliert es Professor Justus Theinert von der Hochschule Darmstadt (h_da) im Gespräch mit unserer Zeitung. Es geht – immer noch – um das Auto der Zukunft. Wie könnte es aussehen?
Das Team der Hochschule Darmstadt mit den beiden Professoren Hugo Bubenhagen und Justus Theinert.	(Foto: h_da, Britta Hüning)
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Das Team der Hochschule Darmstadt mit den beiden Professoren Hugo Bubenhagen und Justus Theinert. (Foto: h_da, Britta Hüning)
Der Professor und die Studierenden Sarah Mauk, Marcel Schwegler und Michael Wolters aus dem Fachbereich Gestaltung haben sich Gedanken gemacht – gemeinsam mit Professor Dr.-Ing. Hugo Bubenhagen sowie den Studenten Michael Weyland und Andreas Koch aus dem Fachbereich Maschinenbau und Kunststofftechnik.

Welcher Philosophie man beim Autobau folgt, ist nicht einfach Gedankenakrobatik: »Schließlich ist das Auto auch Wohnraum - und das bedeutet, dass Lebensstilattribute zum Tragen kommen müssen.« Professor Justus Theinert ist Industriedesigner. Doch wer hinter dem Fachgebiet Gestaltung der Hochschule Darmstadt eine rein der Ästhetik huldigende Einrichtung vermutet, der irrt. »Das Design eines Autos beispielsweise ist nicht trennbar von der Funktion«, erläutert der Wissenschaftler im Gespräch. Das Lebensgefühl auf vier Rädern also - es basiert auf komplexen Ideen für die vielfältigen Anforderungen, die an ein Fahrzeug gestellt werden. Denn schließlich soll das Vehikel ja möglichst die eierlegende Wollmilchsau noch in den Schatten stellen: Schön und schnell und umweltfreundlich und kompakt und geräumig... und... und... und...

Ganz klar liegt für die Gruppe um die beiden Professoren beim Nachdenken über das Auto der Zukunft der Fokus auf dem Material, wie es Wissenschaftler Theinert formuliert: »Ein starker Mix ist hier die Zukunft - für jedes Detail wird eine andere Zusammensetzung benötigt, je nach Funktion.« Eine größere Vielfalt sei nötig, die die Autos weiterhin außen robust und widerstandsfähig, aber deutlich leichter »und damit sparsamer« mache, ohne dass die Sicherheit darunter leiden dürfe. Hochfeste Stähle seien unverzichtbar, aber es müssten auch mehr Kunststoffvarianten zum Einsatz kommen. Laut Prof. Theinert biete da der Innenraum das größte Potenzial - man denke gerade auch an Auskleidung, Dämmung, verbesserte Sitze oder auch die Gestaltung der Armaturenbretter.

Apropos Armaturenbrett: Das liefert Designer Theinert das Stichwort für eine Entwicklung, die die Hochschule Darmstadt derzeit gemeinsam mit Bosch vorantreibt und die Mitte März dieses Jahres fertiggestellt sein soll: Das Instrument der Zukunft könnte ein Dashboard sein - »im Prinzip in der Art eines apple-i-pad, das man in das Auto mitbringen und sozusagen ans Armaturenbrett anstöpseln kann, und wo die eigenen Daten wie etwa Durchschnittsverbrauch, Kilometerstand oder auch Sitz- und Spiegeleinstellungen gespeichert sind.« Denn das sind die Stichworte: Individualität und Flexibilität. »Den Innenraum zu individualisieren wird künftig bei der Gestaltung noch wichtiger werden. Gerade beim Carsharing, das nach Ansicht des Professors noch zunehmen wird, sei das ein Faktor: »Damit der Fahrer, wenn er in ein fremdes Auto einsteigt, das Gefühl hat: ›Das ist meins‹.«

Möglicherweise wird es bald keine Spiegel mehr geben, sondern Kameras; man könnte womöglich die Farbe des Innenraums ebenso individuell verändern wie das Thema Leuchten optimieren. Der Gedankenspiele gibt es viele - und die Lösungsvorschläge von Designern müssen für die unterschiedlichsten Nutzerprofile passen. Bei einem Lkw gibt es nun einmal andere Anforderungen an die Optik als bei einem Sportwagen: »Wir versuchen also, ein Nutzungsszenario aufzubauen und daraufhin Veränderungen am Auto vorzuschlagen, die eben keineswegs rein ästhetischer Natur sind,« bekräftigt Theinert. Und wie spart das alles Sprit? Durch weniger Gewicht, das ist klar - doch was bringt die äußere Form, also das Thema Aerodynamik? Der Professor winkt ab: »Gar nicht so viel. Am besten lässt sich Sprit sparen, wenn der Fahrer sich verändert.« Und dabei könnte man ihm in Zukunft vielleicht besser helfen - mit Signalen, durch die er merkt, dass er jetzt in einem Bereich mit schlechten Verbrauchswerten fährt, und durch Hinweise, wann die Bilanz wieder ausgeglichen ist. Das alles sind neue Ansätze in der Anzeigentechnologie - denen Prof. Theinert eine Spritersparnis von 25 bis 30 Prozent zutrauen würde.

Nicht zuletzt lieferte das Team der Darmstädter Hochschule noch die Idee, die Flexibilität sozusagen auf die Spitze zu treiben. Wie wäre es, einen Mittelteil einzubauen, den man bei Bedarf herausnehmen könnte? Das wäre dann doch wohl zu schön, um wahr zu werden - oder?

 

Annette Spiller

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Artikel vom 10.02.2010 - 17.58 Uhr
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