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»Denkbar wäre auch so eine Art Schutzengel«

Artikel vom 09.02.2010 - 18.47 Uhr

»Denkbar wäre auch so eine Art Schutzengel«

Schön, flexibel, anpassungsfähig, umweltbewusst, intelligent und dazu noch sparsam: Was sich liest wie eine Kontaktanzeige, ist in Wirklichkeit ein breitgefächerter Kriterienkatalog der ganz anderen Art. Gesucht wird: Das Auto der Zukunft. Oder zumindest eine gewisse Vision davon, die eine oder andere Idee, wie es bei der Fahrzeugentwicklung weitergehen könnte. In welchen Kategorien denken (junge) Entwickler, Ingenieure, Designer?
Alternativ
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Sebastian Geyer
Für die heutige Ausgabe fassten uns die wissenschaftlichen Mitarbeiter Sebastian Geyer, Nico Dziubek, Fabian Regh, Gunther Seipel und Student Peter Mirwaldt vom Fachbereich Fahrzeugtechnik der Technischen Universität Darmstadt (TU) in einem Interview Denkmodelle und Vorschläge ihrer Projektarbeitsgruppe zusammen.

Wieviele Leute aus Ihrem Fachbereich waren in das Brainstorming involviert?

Aus unserem Fachgebiet waren vier wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Student beteiligt.

Was muss ein Auto der Zukunft der Meinung Ihrer Gruppe zufolge unbedingt können oder haben?

Die größte Herausforderung besteht zunächst bei der Entscheidung für ein Antriebssystem. Längerfristig stehen zwei Konzepte zur Auswahl: ein reiner Elektroantrieb oder die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle. Um eine möglichst große Reichweite bei vertretbarem Bauraum zu erreichen, liegt noch Forschungsarbeit bei der Speicherung elektrischer Energie beziehungsweise von Wasserstoff vor uns. Da nach unserer Meinung hier das größere Potenzial beim Wasserstoff liegt, sehen wir diese Technologie zurzeit vorne. Ein wichtiger Entwicklungsschritt, um auch bei zukünftigen Antriebstechnologien den Energiebedarf herabzusetzen, ist eine weitere Reduzierung der Fahrwiderstände. Der maßgebliche Einflussfaktor der Fahrwiderstände ist neben der Fahrzeugmasse und dem Rollwiderstand insbesondere der Luftwiderstand. Die Karosserieform bestimmt diesen maßgeblich und sollte daher dem Ideal, der Tropfenform, zumindest bei höheren Geschwindigkeiten nahe kommen.

Das Fahrzeug der Zukunft sollte eine hohe Anpassungsfähigkeit hinsichtlich des Fahrzustands – etwa in der Stadt oder bei Überlandfahrten –, hinsichtlich der Nutzung wie Personen- oder Warenbeförderung und bei den Anforderungen des Fahrers (sportlich, komfortabel, autonom fahrend) aufweisen. Trotz vieler neuartiger Technologien sollte das Fahrzeug intuitiv bedienbar bleiben und bei der Entscheidungsfindung in dem vom Fahrer gewünschten Maß unterstützen. Dazu gehört auch das Anstreben eines wartungsfreien Autos, bei dem zum Beispiel weder der Luftdruck eingestellt werden muss noch Fahrzeugwäschen notwendig sind. Das Thema der Sicherheit ist weiter aktuell. Hierbei können passive Sicherheitssysteme zugunsten wirksamerer aktiver Sicherheitssysteme in den Hintergrund treten, was sich wiederum positiv auf die Fahrzeugmasse auswirkt.

Stichwort Fahrassistenzsysteme und Steuerung des Autos per Touchpad – wie muss man sich das vorstellen und woran forscht die TU?

Die Steuerung des Autos per Touchpad (ein großer Bildschirm mit einzelnen Tasten als Schaltfläche; Anm. d. Red.) ist sicherlich noch eine Zukunftsvision. An unserem Fachgebiet wird derzeit an einem neuartigen Fahrzeugführungskonzept mit dem Namen »Conduct-by-Wire« geforscht, bei dem der Fahrer dem Fahrzeug Manöver übermitteln kann. Die Modellvorstellung entspricht dabei dem eines Kutschers, der seinen Pferden »Manöverbefehle« übergibt, die diese wiederum mit einer gewissen Grundintelligenz ausführen. Ein Fahrstreifenwechsel auf der Autobahn könnte dann beispielsweise mit einem Manöverauftrag vom Fahrzeug automatisch ausgeführt werden. Die bisherige Fahrzeugbedienung über Lenkrad, Gas- und Bremspedal würde entfallen, was wiederum neuen Bedienkonzepten Platz machen würde. Hier wäre das Touchdisplay eine mögliche Variante, aber auch ein Joystick wie im Flugzeug oder andere Bedien- und Anzeigeelemente sind denkbar.

Ein rundum mitdenkendes Auto – wie ist die längerfristige Vision?

Die längerfristige Vision ist die Weiterverfolgung bisheriger Entwicklungen auf dem Gebiet der Fahrerunterstützung. Hinzu kommen werden Systeme wie Überhol-, Kreuzungs- oder Ausweichassistenten, also weitere Systeme, die neue spezifische Anwendungsbereiche zum Ziel haben. Der nächste Schritt wird die Zusammenführung dieser einzelnen Systeme hin zu einem übergreifenden Konzept sein. Eine große Bedeutung wird im Hinblick auf die Altersentwicklung unserer Gesellschaft auch die Altersassistenz erhalten, die den Fahrer seinen Bedürfnissen entsprechend bei der Erfüllung der Fahraufgabe unterstützt und auch im hohen Alter eine größtmögliche Mobilität ermöglicht. Denkbar ist auch eine Art »Schutzengel«, die den Fahrer überwacht und im Notfall das Fahrzeug in einen sicheren Zustand überführt, es etwa auf dem Seitenstreifen zum Stehen bringt und einen Notruf absetzt.

Annette Spiller

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Artikel vom 09.02.2010 - 18.47 Uhr
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