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Zweifelhafter Ruf schreckt Investoren ab

Artikel vom 27.07.2010 - 08.00 Uhr

Zweifelhafter Ruf schreckt Investoren ab

Bad Nauheim - Die Bad Nauheimer Kliniklandschaft ist in Bewegung geraten. Ein Berliner Investor streckt seine Fühler nach der Pitzer-Gruppe aus, was die heimische Gesundheitsbranche aufschreckt: Das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) ist an einer Übernahme der Diabetes-Klinik interessiert.
Seit Jahren ein Problemfall: die Parkinson-Klinik. 	(Foto: nic)
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Seit Jahren ein Problemfall: die Parkinson-Klinik. (Foto: nic)
Auf der Wunschliste der Kerckhoff-Klinik GmbH steht das Kerckhoff-Rehazentrum - beide Häuser gehören zu Pitzer. Über so viel Interesse würden sich die Verantwortlichen der Parkinson-Klinik, für die am 26. Mai ein Insolvenzantrag gestellt wurde, sicherlich freuen. Fragt man nach bei möglichen Investoren, fällt unisono das Wort »marode« und gemeint ist die wirtschaftliche Lage der Träger-GmbH des Spezialkrankenhauses.

Bürgermeister Bernd Witzel, Vorsitzender des GZW-Aufsichtsrats, winkt auf Anfrage ebenso ab wie Marcus Jürgens, Geschäftsführer der Kalovida Grundbesitz GmbH, der die Gebäude in der Franz-Groedel-Straße gehören. Witzel und Jürgens halten die Unternehmensstruktur für undurchschaubar und wollen sich auch aufgrund der Geschichte des Krankenhauses, die mit zahlreichen Klagen, Ermittlungsverfahren wirtschaftlichen Flauten, Entlassungen von Spitzenpersonal und einem Gewaltverbrechen belastet ist, nicht auf ein Geschäft einlassen. Äußerst einsilbig geben sich Insolvenzverwalterin Petra Fuchs und die derzeitige Geschäftsführerin der Parkinson-Klinik, Marion Schiebel-Zuske. Unterlagen, die der Redaktion vorliegen, lassen den Verdacht zu, dass der Insolvenzantrag spät, wenn nicht sogar zu spät gestellt wurde. Insolvenzverschleppung ist strafbar.

Ein Blick ins Zeitungsarchiv genügt, um die Vergangenheit der Parkinson-Klinik, deren Existenz nun ernsthaft gefährdet ist, als bewegt bezeichnen zu können. Wobei die Verantwortlichen, allen voran die verstorbene Karin Prokein, Entscheidungen in der Öffentlichkeit als harmlos oder gar als erfolgversprechend verkauften. Ein Beispiel aus dem Jahr 2002: »Einvernehmlich«, so die offizielle Sprachregelung, trennte sich die Klinik damals von der renommierten Chefärztin Prof. Alexandra Henneberg. Tatsächlich war eine handfeste Auseinandersetzung vorausgegangen. Schon damals gab es Gerüchte über ein bevorstehendes Aus der Klinik. Weniger unklar drückte sich Prokein 2007 aus, als sie erneut einen Chefarzt feuerte, diesmal fristlos. Vorwurf: Unregelmäßigkeiten bei privatärztlichen Abrechnungen. Ob es zu der angekündigten Strafanzeige gegen den Mediziner kam, ließ die Geschäftsführerin nie verlauten.

Spätestens 2006 spitzte sich die finanzielle Lage in der Franz-Groedel-Straße zu. Und wieder hatte Prokein scheinbar eine Lösung des Problems parat. Nachdem der ehemalige Eigentümer der Immobilie Insolvenz anmelden musste, zauberte die Geschäftsführerin den ägyptischen Geschäftsmann Khaled Al-Toukhy als Käufer aus dem Hut. In einer Pressemitteilung wurde der Eindruck erweckt, der Eigentümer der Kairoer Misr-University for Science und Technology habe auch die Klinik übernommen. Tatsächlich wurden nur die Immobilien veräußert - was selbst dem Käufer offenbar nicht klar war.

Käufer über den Tisch gezogen?

So schildert es heute zumindest Kalovida-Geschäftsführer Marcus Jürgens: »Al-Toukhy hat in dem guten Glauben gehandelt, für 5,5 Millionen Euro Gebäude und Betriebs GmbH zu erwerben.« Heißt auf gut Deutsch: Der Ägypter sei über den Tisch gezogen worden. Und Jürgens glaubt auch zu wissen wie. Der Mitarbeiter Prokeins - ebenfalls Ägypter und heute wegen Totschlag an seiner Chefin im Gefängnis - habe den Vertrag falsch übersetzt. Weiterer schwerer Vorwurf des Kalovida-Geschäftsführers: Damals sei von der Klinikleitung ein Gutachten vorgelegt worden, wonach die Immobilie in gutem Zustand sei, was sich als falsch erwiesen habe.



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Artikel vom 27.07.2010 - 08.00 Uhr
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