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Vorwurf: Partnerin heimtückisch ermordet

Artikel vom 03.11.2009 - 18.08 Uhr

Vorwurf: Partnerin heimtückisch ermordet

Gießen/Gemünden (ti). Mit einem 400 Gramm schweren Schlosserhammer hat er seine 35-jährige Lebensgefährtin getötet. Heimtückisch sagt die Staatsanwaltschaft und wirft dem 58-Jährigen Mord vor.
Im Affekt während eines Streits, behauptet der Täter. Am Dienstag begann der Prozess gegen den gebürtigen Wettenberger vor dem Gießener Landgericht. Zum Auftakt räumte der frühere selbstständige Konditormeister die Tat vor der Fünften Großen Strafkammer ein, stellte allerdings sich selbst als Opfer dar.

Laut Staatsanwalt Mike Hahn war der 58-Jährige am frühen Morgen des 10. Mai in das Zimmer im Obergeschoss des gemeinsamen Wohnhauses in Burg-Gemünden geschlichen, in dem seine Partnerin auf einer Matratze lag. Mindestens neun Mal soll er mit dem Werkzeug gegen ihren Kopf geschlagen haben. Die 35-Jährige starb unmittelbar an den Folgen ihrer Verletzungen. Angebliche Motive: Beziehungsprobleme und Streit wegen der gemeinsamen zehnjährigen Tochter.

Während der Anklagevertreter davon ausgeht, dass die Zimmertür nicht verschlossen gewesen war und der mutmaßliche Mörder seine Freundin im Schlaf erschlug, behauptet der Täter, er habe sie eingetreten, weil sich seine Lebensgefährtin nach einem Streit eingeschlossen habe. Als er das Zimmer betreten und versucht habe sie zu beruhigen, sei die Situation eskaliert. Die zweifache Mutter habe nach einem Messer gegriffen und ihn bedroht. »Da habe ich die Nerven verloren. Dann ist das Unglück passiert«, so der 58-Jährige unter Tränen. Anschließend sei er stundenlang planlos durch die Gegend gefahren, bevor er sich der Polizei stellte. Anlass für den Streit sei gewesen, dass er die Tochter Tage zuvor - angeblich nach einem tätlichen Übergriff der Mutter auf Kind und Mann - in die Obhut des Jugendamtes gegeben hatte. In den vorangegangenen Monaten sei es immer wieder zu Reibereien gekommen, weil seine Lebensgefährtin unzufrieden mit der von ihm verrichteten Hausarbeit gewesen sei. Außerdem habe sie ihm Fehler bei der Erziehung vorgeworfen.

Nachdem die Familie 2007 von Friedberg - dort führte das Paar viele Jahre ein Café - in den Vogelsberg gezogen war, ging die 35-Jährige arbeiten, während sich ihr Mann um Haus und Kind kümmerte. »Wir haben uns ständig in den Haaren gehabt«, sagte der Angeklagte. In der Woche vor der Tat habe seine Partnerin die Tochter sogar geschlagen, auf ihn sei sie mit dem Messer losgegangen. Er habe deshalb Anzeige erstattet. Nach einer kurzfristigen Versöhnung kam es am Abend vor Muttertag angeblich erneut zum Streit, der am Morgen schließlich eskaliert sei. »Sie konnte sich nicht einkriegen«, so der 58-Jährige.

Für den Staatsanwalt passte in der Einlassung einiges nicht zusammen. Zu viele Widersprüche weise diese im Vergleich zu früheren Aussagen auf. Von einem angeblichen Suizidversuch, den der derzeit in der JVA Gießen Einsitzende am Tag vor der Tat unternommen haben will, war im Ermittlungsverfahren nicht die Rede gewesen. Auch die Angaben zu Handlungsabläufen unmittelbar vor der Tat wichen von früheren Einlassungen ab. »Ich bin ein bisschen überrascht«, meinte Mike Hahn, der dem 58-Jährigen ordentlich auf den Zahn fühlte. Er habe nicht daran gedacht, gab der Konditormeister als Erklärung für die Differenzen an. »Ich war so verwirrt.« Gewalttätige Übergriffe auf Familienmitglieder in der Vergangenheit stritt der zweifache Vater ebenso ab wie den Vorwurf, das Messer erst nach der Tat im Zimmer abgelegt zu haben. Die Anklage geht jedoch genau davon aus, weil keine Blutspuren darauf gefunden worden waren. Er wisse nicht, wie es dahin gekommen sei, gab der Angeklagte an. Der Hammer dagegen, »der war schon immer oben«.

Zahlreiche Zuhörer verfolgten im voll besetzten Gerichtssaal die Verhandlung. Angehörige der 35-Jährigen weinten, als der Staatsanwalt die Anklageschrift verlas. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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Artikel vom 03.11.2009 - 18.08 Uhr
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