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Vorleser lassen Gewaltpotenzial deutlich sinken

Artikel vom 03.02.2010 - 09.00 Uhr

Vorleser lassen Gewaltpotenzial deutlich sinken

Wetzlar (mab). Inwiefern ehrenamtliche Vorleser in Wetzlar einen entscheidenden Beitrag zur Gewalt- und Kriminalität-Prävention leisten, war am Montag Thema eines wissenschaftlichen Symposiums in den Räumen der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar.
Dazu präsentierten Kriminologen und Familiensoziologen der Universität Gießen Untersuchungen und Erkenntnisse rund um bereits angewandte Projekte zur Gewaltprävention und stellten diese in den Kontext des bundesweit einmaligen Pilotprojekts »Vorlesen in Familien« der Phantastischen Bibliothek.

Erschließt sich nicht jedem gleich der Zusammenhang zwischen Vorlesen und Prävention, erkannte doch der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Manfred Schweizer, das Potenzial, das in dem seit 2005 laufenden Projekt steckt. Dieses unterscheidet sich von anderen Vorleseprojekten in einem entscheidenden Punkt: Nicht der Spracherwerb steht im Mittelpunkt, sondern das Bestreben, auch solche Familien aufzufangen, die sich als am Rande der Gesellschaft stehend empfinden und entsprechend wenig Selbstbewusstsein spüren oder gar an ihre Kinder weitergeben können. Dadurch, dass ehrenamtliche Vorleser regelmäßig in diese Familien gehen, bewegt sich einiges. Anna Fleth, Mitarbeiterin des Instituts für Wirtschaftslehre des Haushalts und der Verbraucherforschung, begleitete das Projekt mit einer Evaluation, deren Ergebnisse Prof. Uta Meier-Gräwe präsentierte.

Wenig überraschend steigerten sich - wenn auch nicht bewusst angestrebt - Sprach- und Lesekompetenz der Kinder. Auch wiesen sie ein deutlich höheres Konzentrationsvermögen auf. Solchermaßen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, zeigten sie weniger aggressives Verhalten, lösten Konflikte zunehmend verbal. Das Gewaltpotenzial sank spürbar.

Überraschender war da schon die Beobachtung, dass auch bei den Eltern eine deutliche Entwicklung zu verzeichnen war: Diese nahmen sich in ihrer Vorbildrolle plötzlich anders war, verbrachten - angeregt durch die Vorleser - mehr Zeit mit ihren Kindern, fassten teilweise sogar den Mut, sich zu Deutschkursen anzumelden, wie in drei Familien mit Migrationshintergrund geschehen. »Vorlesen in Familien« unter der derzeitigen Leitung von Angelika Nitschke und Carina Böhm war 2005 von Bettina Twrsnick, der Leiterin der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, ins Leben gerufen worden und wird seit 2007 von der Crespo Foundation getragen. Nun soll das Projekt eine gewaltige Hürde nehmen: Stadt und Land, die letztlich von der ehrenamtlichen Arbeit der Vorleser profitieren, sind aufgefordert, sich an der finanziellen Unterstützung zu beteiligen. Diese ist notwendig, um die Ausbildung der Vorleser zu gewährleisten, die nicht nur in Sprache und Ausdruck geschult werden, sondern auch Einblicke in Psychologie und nicht zuletzt die Bibliotherapie gewinnen müssen, auf deren Ansatz das Projekt fußt. Darüber hinaus ist ein enges Netz an Begleitung und Supervision notwendig, um die Vorleser auch während ihres Einsatzes nicht allein zu lassen.

Fast 100 Vorleser sind derzeit in festem Einsatz, 25 Familien stehen auf einer Warteliste. Noch fehlen männliche Vorleser, die für das Projekt unbedingt wünschenswert sind. Info bei der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Turmstraße 20, Tel. 0 64 41/40 01-0, E-Mail: zfl@phantastik.eu

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Artikel vom 03.02.2010 - 09.00 Uhr
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