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Totenkopf ist auch Teil der Alltagskultur

Artikel vom 24.09.2011 - 15.01 Uhr

Totenkopf ist auch Teil der Alltagskultur

Marburg (dkl). Der knöcherne Totenschädel gilt als das Symbol für den Tod, er ist in unserer Kulturgeschichte tief verankert. Auf historischen Grabsteinen findet er sich zuhauf, auf Heiligengemälden in Kirchen und auf Stillleben in Museen.

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Künstler Jan Dörre aus Leipzig arbeitet in der Tradition barocker Vanitas-Symbolik. (Foto: dkl)
Der Totenkopf ist aber auch Teil der Alltagskultur geworden, findet zunehmend Verwendung in Dekorations- und Event-Bereichen, spätestens seit die Halloween-Welle von den USA zu uns herübergeschwappt ist, aber auch als widerständiges Symbol der Piratenpartei.

»In der Alltagskultur hat sich der Totenschädel verschlissen«, befindet der Kunstwissenschaftler Harald Kimpel (Kassel/Marburg), andererseits hat er in der Bildenden Kunst eine zunehmende Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung damit gefunden. Also hat das Vorstandsmitglied des Marburger Kunstvereins wieder einmal eine Themenausstellung für die Kunsthalle kuratiert. Zwar mit schmalem Budget, aber unbedingt beachtenswert. Dabei ist ihm wichtig gewesen, nicht nur ein einzelnes Werk des jeweiligen Künstlers zu zeigen, sondern Werkgruppen. »Damit deutlich wird, dass das eine ernsthafte und andauernde Beschäftigung mit dem Thema ist. Eben kein Populismus, der den Konjunkturen hinterher rennt.«

Schwerpunkt Malerei

Einen verheißungsvollen Ausstellungstitel hat er kreiert: »Hamlet Syndrom – Schädelstätten«, was das Nordhessische Landestheater bei der Vernissage zum Anlass nahm, die Totengräber aus Shakespeares »Hamlet« zu Wort kommen zu lassen. Und dass etwa zeitgleich die kulturgeschichtliche Ausstellung »Schädelkult« im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim läuft, ist reiner Zufall. »Wir haben bei der Vorbereitung voneinander nicht gewusst«, sagt Kimpel. Es zeige nur, dass manche Themen einfach reif sind, aufgegriffen zu werden. Und die Herangehensweise ist deutlich unterschiedlich.

In Marburg sind 17 internationale Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken vertreten, wobei die Malerei den Schwerpunkt bildet, aber auch Plastik und Grafik sind dabei. Einzig auf Fotografie hat man aus Platzgründen verzichtet. In der Tradition barocker Vanitas-Symbolik (Mensch, gedenke deiner Sterblichkeit) arbeitet Jan Dörre (Leipzig), Stefan Schmidt (Marburg) bringt einen surrealen Hauch in seine Schädel-auf-Tuchbahnen-Bilder. Auch Jan Czerwinski (Uster, Schweiz) malt in realistischer Perfektion, bringt aber mehr psychologisches Erleben in die Darstellung der Schädelknochen.

Im Zentrum der Ausstellung steht die raumgreifende Installation »Das Lager« von Josefh Delleg (Göttingen), die zwischen Katakombe und Depot, Archiv und Gedenkort angelegt ist. Die Zuschauer bewegen sich im Halbdunkel zwischen Regalen, auf denen 350 Wachsschädel liegen. Interessanterweise fand sich nur eine Künstlerin, die zu dem Thema arbeitet, was in ihrem Namen (Franek/Berlin) auch noch verunklärt ist. Bezeichnenderweise malt sie Totenschädel im Zusammenhang mit Kindern.

Weitere Teilnehmer sind: Lindsay Compton (Berlin), Paul Depprich (Seeheim-Jugenheim), Otto Fischer (Kassel), Olivier Heinry (Laval, F), Ralf Kerbach (Dresden), Erich Lindenberg (Porza, Schweiz), H. Sebastian Pless (Halle), Norbert Pümpel (Götzis, Österreich), Peter Riek (Heilbronn), Volker Stelzmann (Berlin), Christian Stock (Wien, Österreich), Bernd Zimmer (Polling). Die Begleitpublikation erscheint im Marburger Jonas Verlag (hrsg. von Harald Kimpel), kostet 15 Euro. Zu sehen bis 10. November in der Kunsthalle am Gerhard-Jahn-Platz 5 (Biegenstraße 1). Öffentliche Führungen sind jeden Samstag, die Teilnahme ist kostenfrei.

www.marburger-kunstverein.de

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Artikel vom 24.09.2011 - 15.01 Uhr
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