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Stillschweigen aus Sorge vor Rechten-Überfällen

Artikel vom 10.12.2009 - 19.06 Uhr

Stillschweigen aus Sorge vor Rechten-Überfällen

Homberg/Ohm (ks). Vom Üben des Nahkampfes war die Rede, von der Vorbereitung auf mögliche Gewaltexzesse beim Klimagipfel in Kopenhagen. »Komplett übertrieben« meinen die Vermieter des Zeltplatzes der hessischen Pfadfinder und die Stadt Homberg.
Ausgangspunkt der Aufregung: Bereits vom 19. bis 23. August hatte auf dem Platz ein linkes Jugendlager, das »Jugendantifa-Camp 2009«, stattgefunden. Die Veranstaltung wurde im Vorfeld »nicht an die große Glocke gehängt,« hieß es, vor allem um die jungen Teilnehmer zu schützen, »damit sie nicht von Rechten auf die Mütze bekommen.« Im Hinterkopf hatte man den Neonazi-Überfall auf ein Jugendcamp im Schwalm-Eder-Kreis, bei dem ein Mädchen schwer verletzt worden war. Letztlich sei die Veranstaltung friedlich abgelaufen, so Hauptamtsleiter Markus Haumann, der den Wirbel für überzogen hält.

So hieß es vergangene Woche in einem Bericht der Berliner Zeitung »Tagesspiegel«, rund 100 hessische Autonome hätten sich in Homberg getroffen, »harter Kern« seien Frankfurter Autonome gewesen. Die Männer und Frauen hätten auf dem Areal ein Zeltlager errichtet und es mit großen Planen abgeschirmt. »Patrouillen« seien unterwegs gewesen, um das Gelände zu sichern. Im Camp hätten die Teilnehmer unter anderem mit Schlagstöcken den Nahkampf geübt, so der »Tagesspiegel« weiter. Sicherheitsexperten befürchteten nun, dass hessische Autonome in Auseinandersetzungen härter zulangen könnten, sowohl gegen Rechtsextremisten als auch gegen Polizei. So werde angenommen, dass hessische Linksextreme beim Klimagipfel in Kopenhagen auftreten wollten. Laut Ankündigung des schon einige Zeit zurückliegenden »antifaschistischen Sommercamps« wollte man wolle jüngere und ältere Antifaschist/innen zusammenbringen »und den theoretischen und praktischen Austausch fördern«. Themen waren laut Programm 60 Jahre BRD, Antifa, Kapitalismus und es gab einen sogenannten »Transpi-Workshop« (Transparente-Workshop) sowie »Hinweise zum Verhalten bei Demonstrationen«. Wie der Leiter des Homberger Hauptamtes, Markus Haumann, auf Anfrage sagte, habe man sich im Vorfeld in Kronberg mit Vertretern von Landeskriminalamt sowie Vertretern des Hessischen Pfadfinderverbandes und den Initiatoren des Sommercamps getroffen, um die Veranstaltung abzusprechen. Es sei hier auch darum gegangen, zu verhindern, dass Rechtsradikale das Camp überfallen, deswegen sei Stillschweigen vereinbart worden. Hätten im Lager tatsächlich die beschriebenen Umtriebe stattgefunden, »dann wäre das aufgefallen, dort kommt doch alle drei Minuten ein Spaziergänger, Jogger oder Nordic Walker vorbei,« so Haumann.

Auch das jugendliche Alter der Teilnehmer des Camps lasse nicht darauf schließen, dass hier Gewaltaktionen geprobt wurden, »die müssten doch nach Kopenhagen zur Demo noch ihre Eltern mitnehmen.« Der Jugendbildungsreferent des Pfadfinderverbands, Hans-Joachim Böhm, sieht seine Organisation zu Unrecht in Misskredit gebracht. Man habe sich die Organisatoren des Camps im Vorfeld genau angesehen und mit ihnen über das Vorhaben gesprochen, es sei auch nichts hinter geheimen Aufbauten vor sich gegangen. Eine Art Zirkuszelt sei durchaus üblich bei Veranstaltungen von Gruppen auf dem Gelände. Der Platzwart sei jeden Tag vor Ort gewesen und habe sich bei Gängen über das Gelände informiert, auch die Polizei sei eingeschaltet gewesen, um ein mögliches Gefahrenpotenzial abzuschätzen. Laut Landeskriminalamt sei das zwar das erste Lager dieser Art in Hessen gewesen, doch hätten ähnliche Veranstaltungen schon in anderen Bundesländern stattgefunden. Wenn man den ganzen Aufwand sehe, dann sei vielleicht »etwas zu sehr am Rad gedreht worden.« Böhm räumte allerdings ein, dass man in Zukunft den Platz vermutlich nicht mehr für solche Zwecke zur Verfügung stellt, »wir verlieren ein Stück unserer Reputation.«

Zu dem Camp in Homberg hatte sich derweil die Junge Union Vogelsberg geäußert, auch mit Kritik am Betreiber des Zeltplatzes. »Das Lager von rund 100 Linksextremen in Homberg zeigt deutlich, wie sich linke Gruppen auf gewalttätige Auseinandersetzungen vorbereiten«, so JU-Kreisvorsitzender Michael Ruhl. Schon jetzt würden von linken Gruppen in Großstädten Autos angezündet und Krawalle gemacht.

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Artikel vom 10.12.2009 - 19.06 Uhr
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